Full text: Hessenland (39.1927)

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nicht wieder heim zn kommen, oder meine Faust zu 
merklichem Abbruch des Feindes rühmlich zu ge 
brauchen." 
So war sein .Herz erleichtert und die Ehrenfrage 
reinlich entschieden, wenn es auch nichts half und 
er sich fügen mußte. 
* * * 
Jener Enkel, der Herrn Simon von Wallen 
stein auf dem Hnssitenzuge begleitete, trug beit 
gleichen Namen wie sein Großvater und ivar ihm 
nicht unebenbürtig, wovon sein Zuname „der 
Stolze" und mancher Bericht über seine Taten 
zeugt. Seine ritterliche Tugend stach besonders 
in einer Angelegenheit hervor: 
Durch seine Mutter, eine Erbtochter von Buche 
nan, hatte er Ansprüche ans die Güter dieses Ge 
schlechtes erworben. Während nun ein Teil derer 
von Buchenau gewillt war, ihn in ihre Ganerb 
schaft aufzunehmen, >var eine andere Partei unter 
ihnen dagegen. Somit war der Keim zu Krieg und 
Fehde gelegt, und beide Seiten warben Anhänger 
unter der Ritterschaft. Sogar die Fürsten griffen 
in den Streit ein, denn Simon war der Marschall 
und Vertraute des Landgrafen Ludwig zn Kassel, 
während dessen Bruder Heinrich zu Marburg sich 
den Gegnern Simons zugesellte. 
So geschah es eines Tages im Sommer des 
Jahres 1468, daß sich unter Trompetenschall die 
feindlichen Herolde nach Buchenau begaben und 
daselbst nicht weniger als vierzehn Fehdebriefe aus 
einmal abgaben. Herr Simon von Wallenstein 
war freilich nicht daheim, aber seine wohledle Ge- 
mahlin, Frau Margarethe von Dalwigk, und En 
gelhard von Buchenan wußten, was sich der Sitte 
gemäß geziemte, und bewirteten die Herolde reich 
lich mit Speise und Trank. Manch anderem wäre 
bei solcher Lage der Dinge das Herz entfallen, 
nicht so Herrn Simon, als er vom Hoflager seines 
Fürsten nach Buchenau zurückkehrte. Er vernahm 
die Neuigkeiten sonder Furcht und Zagen, wie es 
sich für einen Ritter seines Geschlechtes gebührte, 
und auf die vierzehn Fehdebriefe entgegnete er mit 
.großer Gelassenheit: „Es sei ihm leid, daß ihn 
jene Herren befehden und hassen wollten, denen 
er allezeit zn Diensten bereit gewesen sei, doch so 
müsse der Knecht oft seines Herrn entgelten und 
mit genießen; sie sollten nur nicht verzagen, das 
könnte nicht allein mit Briefen zugehen, denn da 
gehöre mehr zu, als ein Paar rote Schuhe zum 
Tanze. Würde nur Landgraf Heinrich abstehen, 
vor den andern würde ihm nicht bangen; doch 
wolle er Gott walten lassen." 
Seine Zuversicht betrog ihn nicht. Die Feinde 
mußten die Belagerung seiner Burg, zu der es 
schließlich kam, unverrichteter Sache aufgeben, und 
die Chronik erzählt von ihnen: „Sie machten sich 
davon wie die Hallgänse, die sich verirrt haben, 
und einer klagte dem andern seine Unfälle. . , 
und zogen also heim mit ihren Senfmühlen." 
* * * 
Ein edler Mann wird niemals einer Frau die 
Ehrerbietung versagen, die ihr gebührt, wenn sie 
in dem Reiche ihrer Weiblichkeit verharrt. So 
bald sie aber die Schranken überschreitet, die sie sich 
selbst ziehen muß, wird auch der Zarteste nicht an 
stehen, sie zurückziüveisen. Denn nur im ihm Ge 
mäßen reift jedes Menschen Vollendung. 
Ein Mann und Held durchaus war Konrad von 
Wallenstein, in vielen schwersten Kämpfen erprobt, 
bis er von Kaiser Maximilians Hand in der Dom 
kirche des eben eroberten Stnhlweißenbnrg zum 
Ritter geschlagen wurde. Gleicherweise treu wie 
tapfer, errang Konrad auch das innigste Vertrauen 
seines Fürsten, des Landgrafen Wilhelm von Hes 
sen. Als dieser in schweres Siechtum verfiel, 
wandte er sich also an seinen Ratgeber: „Konrad, 
wir haben manchen Weg mit einander gereiset. 
Weil wir nun fühlen, daß wir sterben werden, 
so wollen wir die Reise bis gen Marburg znni 
Grabe auch mit einander tun und bitten dich, daß 
du unsere Seele, Weib und Kinder, Land und 
Leute, desgleichen unsern Bruder und dessen Weib 
unb Kinder im Befehl haben und das Beste tun 
wollest, als wir zu dir, das zuvor andern, Ver 
trauen haben. Denn du bist mit sonst sieben unserer 
Räte von uns zum Vormund erwählt und ge 
setzt. Doch du als oberster über alle, als alleiniger 
Regent." 
Und Konrad hätte dies Vertrauen gewiß nicht 
enttäuscht. Aber die Landgräsin Anna von Meck 
lenburg, von Herrschsucht gepeinigt, wußte zwischen 
ihren Gemahl und seine Günstlinge Mißtrauen zu 
säen, so daß er sie verwarf und gar vor anderen 
Fürsten mit harten Beschwerden verklagte. Da 
Ivar es kein Wunder, daß Herr Konrad von Wal 
lenstein, der das Land ob dieser Weibsqnertrei-^ 
bereien in Unfriede und Zwiespalt sah, nach dem 
Tode seines Herrn im Jahre 1509 ans dem Land 
tage am Spieß mißmutig ausrief: „Man müsse 
eher im Blute bis an die Sporen ivaten, ehe man 
sich einer Frau unterwürfe!" 
* * * 
Der Junker Heinrich von Banmbach war ein 
eifriger Diener seines Landesherren, des Land 
grafen Philipp von Hessen. Nachdem er diesem 
sonderlich ans den Zügen gegen den Herzog Hein 
rich von Braunschweig seinen tapferen Arm ge 
liehen, ward er im Jahre 1542 zum Amtmann 
über die braunschweigischen Ämter Fürstenberg, 
Holzminden und Wickense bestallt, worin er sich 
so wohl bewährte, daß ihn der Landgraf mit wich 
tigen Sendungen betraute. So ging er einst nach 
England und im Jahre 1546, vor Ausbruch des 
Schmalkaldischen Krieges, an die schwäbischen 
Städte, um sie als Bundesgenossen zu gewinnen. 
Als er während dieser eiligen Reise auf der Fahrt 
gen Ulm war, erlitt seines Knechtes Gaul einen 
Schaden am Fuße, so daß Junker Heinrich den 
Diener in einem Dorfe zurücklassen mußte. Da er 
sich des Unfalls wegen versäumt hatte, hielt er's 
für nötig, die Nacht durch zu reiten, und blieb.
	        

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