Full text: Hessenland (39.1927)

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Gegenwart tn Vergleich gestellt. Hervorgehoben mögen 
werden die Geschichte von: weitgereisten Schneider und 
die vom zerbrochenen Galgen. In dieser ist freilich 
dem sonst mit den Verhältnissen und der Geschichte 
unserer Heimat vertrauten Verfasser eine Verwechselung 
des 1760 zur Regierung gekommenen Landgrafen Fried 
richs II. mit dem 1751 verstorbenen Landgrafen Fried 
rich I., König von Schweden, unterlaufen. Dem Wert 
des Büchleins für die Kulturgeschichte tut dies kleine 
Versehen keinen Abbruch. Jeder Hesse wird cs mit 
Behagen lesen und am Schlüsse befriedigt aus der 
Hand legen. G. Heer. 
Entgegnung. 
Meine im Märzheft angez. altd. Namendeutungen 
stellen, wie 2mal betont, nur „Versuche" dar. Er 
hoffte fibl. Förderung setzte alsbald ein. Nur 2 Bei 
spiele von vielen gleichen: 1. Volkskundler W. (Ilniv. 
K.) schreibt: „Ich zweifle nicht, daß Sie mit vielen 
Deutungen auf dem rechten Wege sind. Sehr be- 
merkcns- u. anerkennenswert ist, daß Sie mit dem 
Volke, das die Namen bildete, aus dem Boden der 
Wirklichkeit und Sachlichkeit u. in der natürl. Um 
gebung bleiben, also der Romantik entsagen". 2. Trotz 
des so verschiedenart. Inh. richtet L. mit einem 
Hieb über „das ganze Buch". Zum 2. Teil schreibt 
ein Theologieprofessor: „Ihr Gallim. leistet das 
Äußerste, was man an geistreichem Spiel leisten kann; 
mit Mutterseelenallein bin ich einverstanden; Grün- 
donn. ist sehr fein". — Hauptsache: Das als verur- 
teilenswert Herausgegriffene muß auch in dem Buche 
wirklich so stehen, was betr. R h ö n durchaus nicht 
der Fall ist. — Den limes erwähne ich natürl. gar 
nicht; aber L. schiebt mir als bes. unsinnig limes — 
Heerzaun zu. Den Hercyn. Wald glaubte ich als Heer 
oder Wälderzaun, Nord- u. Südgrenze, mit Einschl. 
d. Taunus (ohne die geringste Betonung) deuten zu 
dürfen. Seit ich Reimer besitze, weiß ich, daß er ein 
H i r s ch e n Wald ist, was sich aus Hereczin-, Hir- 
zen-, Herzenrode ergibt. — Zwischen der worther- 
kunstl. Bedeutung der Namen u. dem, wie Sage u. 
Dichtung später sie ausdeuten, ist stets zu scheiden: 
Wie Amalungs zu Amsel, Volsungec (Wälsunge) zu 
Bolz ahd. — Kuckuck, Nibelungen zu niklnon = Nebel- 
huhn, so ist Giebich der Kiebitz, wie Geib, Göb, 
lehren. Worms deute ich S. 8; aber die Schreibung 
Vereinsnachrichten. 
Hessischer Geschichtsverei n. Der Kas 
seler Verein unternahm am 27. April die schon im 
letzten Herbst geplante W artburgfahrt, an der 
sich 55 Mitglieder in zwei Autos beteiligten. In früher 
Morgenstunde trat man bei herrlichem Wetter die Fahrt 
an und gelangte über Lichtenau, Eschwege (hier Be 
grüßung durch Bürgermeister Dr. Stolzenberg), 
Treffurt und Creuzburg in Eisenach an. Im Wart 
burggasthof überbrachte Oberstudiendirektor Helmbolo 
die Grüße des Eisenacher Geschichtsvereins. Sodann 
führte Burgwart Nebe durch die Wartburg, vor allem 
auch in die sonst nicht zugänglichen, z. T. neu entdeckten 
Räume und gab im Vortragsraum der Burg einen 
Überblick über die Baugeschichte der Burg und die in 
letzter Zeii gemachten Entdeckungen. Der Rundgang 
hatte über drei Stunden in Anspruch genommen. Über 
Netra, Bischhausen und Waldkappel wurde die Heim 
fahrt angetreten. In Waldkappel wurde der Verein 
von Bürgermeister Oeding im Namen der Stadt 
Bürgermeister Dr. Gustav Lahmeyer. 
Vgl. S 119. Phot. K. Eberth. Kassel, 
wurmz gab der Sage zur Deutung (Lint-)Wurm- 
stadt selbstverständl. Anlaß. — Rhön u. Taunus 
„keltisch" glaube ich nicht. Dr. Homburg. 
Hierzu schreibt Professor Dr. Losch: 
Um nicht noch einmal falsch verstanden zu werden, 
empfehle ich Homburgs „Ausgrabungen" den Lesern 
des Hessenlandes zur eignen Lektüre und Kritik. 
Ph. L. 
begrüßt, der auf die bevorstehende 500-Jahrfeier Wald 
kappels hinwies und bei seinen historischen Ermittlungen 
die Mithilfe des Vereins erbat. Diese wurde vom 
Vorsitzenden, Bibliotheksdirektor Dr. Hopf, zugesagt, 
der auf die Wichtigkeit der Erforschung der Heimat- 
geschichte hinwies und mit einem Hoch aus das deutsche 
und auf das engere hessische Vaterland schloß. Um 
12 Uhr nachts traf man wieder in Kassel ein. (Bericht: 
Kass. Post 4. 5.) — Der Hersfelder Geschichts 
verein hielt am 10. Mai unter Vorsitz von Direktor 
Dr. S ch o o f seine diesjährige Hauptversammlung ab. 
Den Berichterstattungen der einzelnen Ausschüsse schlos 
sen sich lebhafte Aussprachen mit mancherlei Anre 
gungen an. Am 14. Mai unternahm der Verein im 
Kreisauto einen Ausflug nach Friedewald, wo 
Lehrer Wilhelm N e u h a u s über die Geschichte der 
Burg und deren Erbauer Hans Jakob von Ettlingen 
sprach, der auch die Burg Herzberg erbaute und auf 
Hauneck, am Eichhof und in Ziegenhain tätig war.
	        

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