Full text: Hessenland (38.1926)

84 
Erwerb von Immobilien zu geben, das Proletariat 
also zu vermindern, den Besitz zu vergrößern bzw. 
wertvoller 51 t machen und die Produktion auf dem 
Gebiete der Landwirtschaft ganz außerordentlich zu 
steigern . . ." und „darauf berechnet, den leider 
wenig mehr vorhandenen Gemeinsinn zu wecken und 
zu beleben. Die Solidarität der Mitglieder hat bei 
diesen Vereinen nicht allein den Sinn, zur .Herbei 
schaffung der Geldmittel zu dienen; sie soll den 
Mitgliedern die Pflicht jedes einzelnen Gliedes der 
Gesellschaft zum Bewußtsein bringen, einzustehen 
einer für alle und alle für einen, in christlicher 
Solidarität sich zu vereinigen und zusammenzu 
wirken." Demgemäß ist also der Zweck eines Raiff- 
eisenvereins der, „die Menschen aus der Kraft ihrer 
Religion heraus zur Selbsthilfe und Gemeinsinn 
zu erziehen". (Meyenschein, 40 Jahre Raiffeisen, 
in Hessen S. 47.) 
Selbsthilfe und Gemeinsinn! Nicht durch karita 
tive Hilfe, noch durch Staatshilfe hat das Raisf- 
eisentum seine Erfolge errungen/ sondern einzig 
und allein aus der Eigenkraft, aus der Selbsthilfe der 
unter selbstgewählten Führern stehenden Landbevöl 
kerung ist dieses Werk mit seinen mannigfachen 
Lebensäußerungen und Daseinsformen geschaffen 
worden. Aus diesen beiden Kraftquellen heraus 
haben sich die Raiffeisenvereine Deutschlands die 
deutsche Raiffeisenbank mit 25 Millionen Reichsmark 
Eigenkapital als zentrale Geldausgleichstelle, haben 
sich die hessischen Raiffeisenvereine ihre Landwirt 
schaftliche An- und Verkaufsgesellschaft Hessenland 
mit zahlreichen Korn- und Lagerhäusern im Bezirk 
Kassel, ihre Hessische Siedlungsgesellschaft, ein blü 
hendes Versicherungswesen errichtet, haben sich die 
Raiffeisenvereine zu starken provinziellen Verbänden 
zusammengeschlossen. Für .Hessen ist es der Ver 
band der hessischen Raiffeisengenossenschaften e. V. 
in Kassel, der die Interessenvertretung der Raiff 
eisenvereine, deren Revision, Beratung und Förde 
rung der Volkswohlfahrt und die Herausgabe des 
Raifseisenboten (Ausl. 41000 St.) zur Aufgabe hat. 
Folgende Zahlen mögen über die Entwicklung und 
die Tätigkeit der hessischen Raiffeisenorganisation 
in den Jahren 1900—1919 Aufschluß geben: 
Jahr 
Zahl 
der 
berich 
tenden 
Ver 
eine 
Mit 
glieder 
zahl 
Aktiva 
Jt 
Passiva 
Jt 
Gewinn 
Jt 
Laufende 
Schuld 
der 
Mitglieder 
Jt 
Rechnung 
Guthaben 
der 
Mitglieder 
Jt 
Darlehen 
an 
Mitglieder 
Jt 
Spar 
einlagen 
Jt 
Eigenes 
Vermögen 
der Vereine 
Jt 
1900 
306 
31 181 
23 043 000 
22 958 000 
88 483 
2 890 000 
902 000 
15 475 000 
19 411 000 
796 290 
1910 
383 
49 248 
64 388 573 
64 160 892 
195 708 
7 122 574 
2 273 010 
42 321 183 
55 185 501 
2 143 678 
1918 
415 
57 188 
165 770 493 
165 534 517 
291 243 
5 807 240 
10 771 533 
42 946 220 
147 849 199 
4 087 705 
Der Durchschnittsverein hatte: 
1900 
102 
75 304 
75 026 
50 572 
63 435 
2 602 
1919 
138 
477 480 
476 853 
83 587 
418 545 
9 333 
Mithin Zuwachs 
35,3 % 
534 % 
535 V 2 % 
05 
Cn 
5591/2 "/a 
2581/2 »/a 
Der Warenumsatz der genossenschaftlichen Warenzentrale, der Landlvirtschastlichen An- und Verkauisgesellschast 
„Hessenland" betrug in 1900: 1,912 Mill. Mark;-1905: 5,184 Mill. Mark; 1910: 6,909 Mill. Mark; 1914/15: 
14,090 Mill. Mark; 1919/20: 82,738 Mill. Mark. 
Nach den verhängnisvollen Wirkungen der In- ein gesundes ist: Zwei Kräfte sind es ganz beson- 
flation sind die hessischen Raiffeisenvereine überall ders, die des Werkes unverwüstliche Stützen sind: 
mit erfreulichem Erfolg an die Arbeit des Wieder- Christentum und hessisches Bauerntum. Mit diesen 
uufbaus gegangen. Langsarn regt sich im Lande beiden im Bunde wird das hessische Raiffeisentum 
wieder der alte Sparsinn, und es hat sich glänzend das Banner der Selbsthilfe und Gemeinsinns in 
gezeigt, daß das Fundament des Raiffeisenwerks eine lichtere Zukunft hineintragen! 
Die hessische An-und Verkaufsgenossenschaft e.G.m.h.H. 
zu Kassel. 
Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, daß 
der bekannte und um die Förderung des ganzen 
ländlichen Genossenschaftswesens in Hessen verdiente 
Landesökonomierat R e x e r 0 d t durch die Grün 
dung der hessischen An- und Verkaufsgenossenschaft 
im Jahre 1902 den Versuch gemacht hat, eine Ge 
nossenschaft ins Leben zu rufen, die nur teilweise den 
Grundsätzen eines Spar- und Darlehnskassenvereins 
Von Dr. Scherer. 
entsprach und sich dennoch als lebensfähig er 
wiesen hat. 
Der nach Raiffeisenschen Grundsätzen errichtete 
Spar- und Darlehnskassenverein ist bekanntlich vor 
allem dadurch gekennzeichnet, daß er sich nur auf 
einen kleinen Ortsbezirk erstreckt und sich zur Auf 
gabe macht, Geld- und Warengeschäft der genossen 
schaftlich zusammengeschlossenen Dorfgemeinde zu
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.