Full text: Hessenland (38.1926)

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2 Meter dicke Wand gebrochen. Heute dient dieser 
(sicher erst später gotisch eingewölbte. D. E.) Raum 
als Schloßkapelle. In eine der Wände ist ein steinernes 
Becken eingemauert, darin Elisabeth nach ihrer Geburt 
zum erstenmal gebadet wurde. 
Von den drei Frauen, die eine goldene Brücke der 
deutschen zu den ungarischen Herzen gebaut haben, sind 
die älteste und die jüngste Bayerinnen. Gisela, die 
Gemahlin Stephans des Heiligen, wie auch Elis a - 
beth, die Gemahlin Franz Josephs, führten beide das 
bayerische Herzogswappen. Zwischen ihnen steht, sie 
beide an Größe überragend, die Heilige, die Ungarin, 
dann Landgräfin von Hessen und Thüringen, die Fran 
ziskanerin auf deutschem Fürstenthron. Sie ist in ihrer 
schlichten Frömmigkeit die echteste Nachfolgerin des Po- 
Aus Heimat und Fremde. 
Karl Adolf S ch i m m e l p f e n g, der auch den 
Lesern unserer Zeitschrift durch seine Beiträge bekannte 
Dichter, beging am 1. April seinen 50. Geburtstag. Der 
altbekannten und weitverzweigten hessischen Familie ent 
stammend, der auch der verstorbene Kabinettsrat des 
letzten Kurfürsten angehörte, wurde Schimmelpfeng in 
Solz als Sohn des Pfarrers Georg Schimmelpfeng ge 
boren. Er verbrachte seine Kindheit in Abterode und 
lourde nach dem Besuch des Gymnasiums Buchhändler. 
Nach längerem Aufenthalt in England und am Rhein 
ließ er sich in Bad Sooden an der Werra nieder. Seine 
reifen, erst im letzten Jahrzehnt entstandenen Erstlings 
gaben berechtigen zu der Hoffnung, daß dieser gestaltungs 
kräftige Lyriker und Epiker noch Bedeutsames zu sagen 
haben wird. 
H o ch s ch u l n a ch r i ch t e n. Marburg: Am 
22. März starb 67jährig der ' Honorarprofessor für 
Staats-, Verwaltungs-, Völker- und Kirchenrecht Ober 
verwaltungsgerichtsrat a. D. Or. fur. Albert L o tz. In 
Kassel geboren, wo er auch als Referendar tätig war, kam 
er 1902 von Liegnitz, wo er als Regierungsrat wirkte, 
als Dozen't nach Münster, too er den Titel Professor 
erhielt. Seit 1893 toar er Mitglied des preußischen 
Abgeordnetenhauses, erhielt 1915 den Charakter als 
Geh. Regierungsrat, lourde im gleichen Jahr Ober 
verwaltungsgerichtsrat in Berlin und trat 1921 in den 
Ruhestand. Später erhielt er einen Lehrauftrag an der 
hiesigen Universität und wurde 1923 Honorarprofessor.— 
Der a. o. Prof, und Proscktor am anatomischen Institut 
in Leipzig Or. med. Ed. Jakobshagen hat den 
Ruf als Abteilungsvorsteher am hiesigen anatomischen 
Institut angenommen. — Die Stadtverordnetenversamm 
lung genehmigte die Errichtung eines Universitats-Reit- 
institutes im ehemaligen Deutschordensgut am Orten 
berg und die Errichtung eines Denkmals für die ge 
fallenen Dozenten und Studierenden an der alten Herrn 
mühle, dem jetzigen Elektrizitätswerk, zwischen der 
Weidenhäuser Brücke und dem Universitätsgebäude. Die 
Denkmalsanlage in Form einer Brückenbastei mit einem 
auf hohem Postament stehenden Löwen soll zum 400- 
jährigen Universitätsjubiläum fertiggestellt sein. — Das 
Kunstgeschichtliche Seminar veranstaltete eine Ausstel 
lung niederdeutscher Handwebereien. 
Personal chronik. Der letzte Kommandierende 
General des XI. Armeekorps General der Artillerie a. D. 
Viktor Kühne beging am 27. März sein 50 jähriges 
Militärjubiläum. Nach dem Besuch des Kasseler Fried 
richsgymnasium war er 1876 beim hessischen Feld 
artillerieregiment Nr. 11 eingetreten. Im Weltkrieg er 
warb sich General Kühne durch den Vorstoß über den 
Szurdukpaß den Pom- le mérite. Kühne vermählte sich 
verello (d. h. des hl. Franziskus von Assissi. D. E.), 
die das deutsche Mittelalter auszuweisen hat. Hätte uns 
Deutschen Ungarn nicht mehr gegeben als diese eine Frau, 
es wäre Grund zu dauernder, tiefer Dankbarkeit. Es 
mag sein, daß Marburg, wo in ihren Witwenjahren die 
Heilige wirkte, wo die Elisabethkirche, dieses Wunder- 
>verk deutscher Gotik, wenigstens jahrhundertelang ihre 
Gebeine beberbergen durfte, wo jeder Fleck Erde vom 
Leben und dem in seiner Armut überirdisch glänzenden 
Ausgang dieser einzigen Frau erzählt, einen noch er 
greifenderen Eindruck macht. Für mich war auch Saros- 
Patak eine jener Wallfahrten, wo die Steine anfangen 
zu reden, wo der Segensspruch der Lesung vom 19. No 
vember zur Wirklichkeit wird: ,Laudent eam in portis 
opera eius.‘—" Eingesandt von K. H. in H. 
1882 mit einer Enkelin Ludwig Emil Grimms. Der 
rüstige und liebenswürdige Herr würde sich ein hohes 
Verdienst um die deutsche Kunstgeschichte erwerben, wenn 
er uns auf Grund seiner eingehenden Kenntnisse und 
seiner reichen noch unbekannten Kunstschätze eine Mono 
graphie dieses feinsinnigen Malers und Radierers be 
scheren würde, dessen Erinnerungen uns bereits Adolf 
Stoll vermittelte. 
Hundert Jahre waren im letzten Monat seit dem 
Entstehen der Kasseler Karfreitagskonzerte der Staat 
lichen Kapelle verflossen. Das erste Karfreitagskonzert 
brachte 1826 in der alten lutherischen Kirche Spohrs 
Oratorium „Die letzten Dinge" durch die kurfürstliche 
Kapelle. Aus diesem Grunde legte der Lehrergesangverein 
einen Kranz am Denkmal Louis Spohrs nieder. 
Aus Kassel. Die große Osanna-Glocke der Martins 
kirche war bekanntlich vor zwei Monaten gesprungen und 
gänzlich unbrauchbar geworden, so daß bereits ihr Um 
guß bzw. eine Schweißung erwogen wurde. Auf Vor 
schlag des Bezirkskonservators wurde zuvor Professor 
Biehle, Bautzen, zu Rate gezogen, der nach eingehender 
Untersuchung die Glocke in den klangfähigen Zustand 
zurückversetzte. Die akustische Prüfung vor und nach dem 
Eingriff ergab, daß die Glocke ihre frühere Verfassung 
wiedererhalten hat. 
Vierhundert Jahre waren in diesen Tagen seit 
dem Abbruch der Cyriakuskirche auf dem Marställer Platz 
in Kassel verflossen, deren Steine zum Bau des nahen 
Schloßwalles benutzt wurden. Die beim Abbruch her 
untergeholte große „Osanna" kam damals in den Turm 
der Martinskirche. 
Aus Hanau. Unter tatkräftiger Mitarbeit des 
Hanauer Geschichtsvereins ist es dem Hanauer Ober- • 
bürgermeister Dr Blaum gelungen, eine über 300 Stück 
enthaltende Frankfurter Sammlung alter Hanauer 
Fayencen von höchster kunstgewerblicher Bedeutung 
zu erwerben. Diese sehr wertvolle Sammlung bildete 
den Kern der viel bewunderten Fayenceausstellung, die 
das Frankfurter Kunstgewerbemuseum vor Jahresfrist 
veranstaltet hatte und die großes Aufsehen erregte. Die 
Fayence, die bisher völlig hinter dem Porzellan zurück 
trat, wurde mit einem Male in die gleiche künstlerische 
Linie mit dieser Edelmode eingewiesen. Das Museum 
des Hanauer Geschichtsvereins, das bislang nur wenig 
bedeutende Fayencearbeiten .Hanauer Provenienz zu zeigen 
vermochte, rückt durch diese mit großen Mitteln erworbene 
Sammlung an die allererste Stelle im Besitz schöner 
Hanauer Stücke. 
Aus Fulda. Einem Fund aus mittelalterlicher 
Zeit ist man gelegentlich der Abtragung eines Kinder 
spielplatzes inmitten der Stadt auf die Spur gekommen.
	        

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