Full text: Hessenland (38.1926)

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Gabe bar. Sie eignet sich vornehmlich für die Jugenb, 
die Schule und die Familie. Die besten Erzeugnisse des 
Schriftentums, in Prosa und Poesie, mit wundervollem 
Buchschmuck von W. Möller, finden sich hier ver 
einigt. Esselborn hat glücklich vermieden, zu wieder 
holen, was bereits an allgemein und leicht zugänglichen 
Stellen gesagt ist. Der Raum verbietet, hier auf Einzel 
heiten einzugehen. Im ersten Teil wird der V o l k s - 
st a a t Hessen im allgemeinen behandelt. Hier sei hin 
gewiesen auf E s s e l b o r n s „Entwicklung des Frei 
staats Hessen", auf G. W o l f f s „Chatten und Hessen", 
P h. Walthers „Hess. Waldungen", G. Hamanns 
„Hessische Landwirtschaft". Der zweite Teil bezieht sich 
auf die Provinz Starkenburg, der dritte auf die Provinz 
Oberhessen, der vierte auf die Provinz Rheinhessen. In 
der Abhandlung K. Baders über Münzenberg (S. 316) 
fällt die Angabe auf, daß M. „1620 von den S ch w e - 
den geplündert" worden sei. Diese Plünderung er 
folgte durch einen s pani s ch e n (!) Heeresteil, den 
Spinola aus der Unterpfalz über den Rhein zurück 
geschickt hatte. Vor H e r b st 16 3 1 erschienen keine 
schwedischen Truppenteile in der Wetterau. Ebenso 
ist höchst zweifelhaft die Angabe (auf gleicher Seite), daß 
„der Ort Münzenberg nicht erst mit der Burg gegründet 
wurde". Deu Grundstock der Bevölkerung bildeten wohl 
die früheren Bewohner der ausgegangenen Dorfschaft 
Arnsburg. Allem Anschein nach aber ist Burg Mün 
ze n b e r g älter als der gleichnamige Ort. — Die Aus 
stattung ist vorzüglich. Sehr willkommen ist ein Ver 
zeichnis der Mitarbeiter mit biographischen Mitteilungen. 
Esselborn hat das schöne Werk seinem Freunde, dem 
Prälaten D. Mehl, „dem pfadfindenden Heimatforscher", 
gewidmet. — Dr. Augu st R o e s ch e n. 
5) a m a n n, Richard. Die deutsche Malerei vom 
Rokoko bis zum Expressionismus. Leip 
zig und Berlin (B. G. Teubner) 1925. 472 Seiten. 
Preis 28 M, in Buckramleinen 36 M, in Halb 
leder 45 M. 
In der bekannten Teubnerschen Sammlung „Aus Natur 
und Geisteswelt" ließ der Kunsthistoriker unserer Landes- 
universitüt Prof. Dr. Richard Hamann 1914 ein Bänd 
chen über die Geschichte der deutschen Malerei des 19. Jahr 
hunderts erscheinen. Daraus hat sich ein stattlicher Folio 
band entwickelt, der jetzt im gleichen Verlag vorliegt. Die 
Absicht des Verfassers blieb dieselbe wie damals, „die 
Geschichte der deutschen Malerei als eine geistige Be 
wegung darzustellen, in der sich der sehende Mensch mit 
der ihn umgebenden Umwelt auseinandersetzt". Es han 
delt sich für Hamann nicht um eine Darstellung for 
maler Probleme in der Malerei des 19. Jahrhunderts, 
sondern er stellt die Bedeutung der sichtbaren Welt für 
den ganzen Menschen, entsprechend der geistigen Gesamt 
haltung der Deutschen in dieser Zeit, dar. Und so baut er 
ftün Buchaus der Grundanschauung auf, daß das Ver 
hältnis de^ deutschen Menschen jener Zeit zur Umwelt 
eben ein starkes Naturgefühl ist, das sich im 18. Jahr 
hundert entwickelt hat, um dann um die Wende des 
19. und 20. Jahrhunderts zu sterben. Das ^Natur- 
gefühl des 19. Jahrhunderts, wie es im Naturalismus der 
Malerei zum Ausdruck kommt, ist hineingestellt in ein 
Werden aus dem Rokoko des 18. Jahrhunderts mtü in 
ein Vergehen zum Impressionismus und Expressionis 
mus. Neu ist also in diesem stattlichen Band die Be 
handlung der Geschichte der deutschen Malerei des Klassi 
zismus und der Romantik und derjenigen des Ex 
pressionismus; wir haben also keine Neuauflage, son 
dern ein völlig neues Werk vor uns. Dieses gliedert sich 
in die drei großen Abschnitte: Die deutsche Malerei vor 
und um 1800 (Klassizismus unü Romantik). Die Malerei 
der Biedermeier- und Der Gründerzeit (1830—1880). 
Vom Impressionismus zum Expressionismus. Hamann 
will keineswegs ein Kunstlexikon geben. „Alles ist immer 
nur im Verhältnis zur Zeit und zum Strom der Ent 
wicklung, niemals aber für sich allein behandelt." Gerade 
wie hier in glänzender Darstellung die Entwicklung der 
deutschen Malerei dieses bedeutsamen Abschnittes als 
etwas Ganzes gezeigt wird, das gibt dem Buch seine 
Bedeutung. Scharf werden die einzelnen Gruppen gegen 
einander abgegrenzt — die Zeit des Werdens, die Ab 
lösung aus dem Rationalismus, dann die Zeit des eigent 
lichen Naturalismus von der Hingabe an kleinste Äuße 
rungen der Natur bis zur sinnlichen Pracht der Gründer 
zeit und schließlich die Verselbständigung der Oberflächen 
werte, die Reinigung des Bildes von allem Unbild 
lichen. Das gediegene Werk, das neben 362 Abbildungen 
im Text noch 10 mehrfarbige Tafeln enthält, muß als 
außerordentlich preiswert bezeichnet werden. —b— 
Orbis terrarum. 
Das großzügige Unternehmen des Verlages Ernst Was- 
muth A. G. (Berlin W. 8), die landschaftliche Schön 
heit, die Architektur und das Volksleben aller Länder 
der Erde in einer Reihe in sich abgeschlossener Bünde zu 
vermitteln, hat sich in einer für derart umfangreiche 
Werke staunenswerten Auflagenhöhe selbst wieder den 
Erdball erobert. Dem wundervollen Band „Deutsch 
land" hat Kurt H i e l s ch e r nunmehr einen nicht minder 
prächtigen folgen lassen: „Italien. Baukunst und 
Landschaft. Über 300 Abbildungen in Kupfertiefdruck. 
Geleitwort von Wilhelm von B o d e." Wenn auch 
zurzeit Italien nicht eben im Zenith unserer Gunst 
steht, es war doch seit den Tagen eines Dürer und 
Goethe, ja seit Jahrtausenden das Land der germanischen 
Sehnsucht und wird das auch weiter bleiben, sobald dort 
unten das lächerliche Intermezzo einer wahnwitzigen 
Großmannssuchl ausgetobt hat. Man mag in Hielschers 
Vorwort lesen, unter welchen Mühseligkeiten dieser Künst 
ler der Kamera um den landschaftlichen und architek 
tonischen Reichtum dieses einzigartigen sonnigen Landes 
gerungen hat. Überwältigend schöne Aufnahmen, von denen 
jede ihre eigene Geschichte hat, waren das Ergebnis, das 
er in diesem Bande vorlegt. — Die gleiche buchtechnisch 
hervorragende Ausstattung zeigt der Band „ M e x i k o. 
Baukunst. Landschaft. Volksleben. Aufnahmen von Hugo 
B r e 's) nt c u. a." Dr. Walther Staub würdigt in einer 
Einleitung Mexiko nach seinem geologischen Aufbau, 
seiner Geschichte, Kultur und seiner wirtschaftlichen Be 
deutung, und Dann tut sich auf über 250 Abbildungen von 
hohem künstlerischen Wert, die auch die feinste Nuance 
herausholen, die märchenhafte Wunderwelt dieses reichen 
Landes auf mit seinen Palmenwäldern, Bananenhainen 
und Agavenfeldern, den malerischen Kanälen und schwim 
menden Gärten, den tätigen und erloschenen Vulkanen 
und Schneebergen, den Kathedralen und Brunnen, den 
verträumten Höfen, grandiosen Tempeln und malerischen 
Winkeln, den riesenhaften Säulenkakteen und alten 
Wasserleitungen, den farbenfrohen Häfen, den Tropfstein 
höhlen, besonnten Landstraßen und Pyramiden, den selt 
samen Bauten und dem buntbewegten Volksleben. Die 
ganze Sammlung des Orbis terrarum, deren Einzel- 
bünde in Ganzleinen 26 M, in Halbleder oder 'Halb 
pergament 35 M, für Subskribenten noch weniger kosten, 
ist aus 30 Bände angelegt, von denen jährlich 4 er 
scheinen sollen. Das Unternehmen ist um so mehr zu 
begrüßen, als es eine solche zeitgemäße Kosmographie 
bisher in der Welt nicht gab. " H.
	        

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