Full text: Hessenland (38.1926)

51 
ernannt. — Dr. phil. Georg Wittig hielt seine An 
trittsvorlesung über „das Goldmachen". — Das Kunst 
historische Seminar veranstaltete eine Ausstellung der 
Kasseler Künstler Karl Leyhausen und Arnold Bode. — 
Gießen: Der ord. Prof. Geh. Medizinalrat und 
Ehrendoktor der Landesuniversität Eugen B o st r ö m 
beging sein 50jähriges Jubiläum als Doktor der Medizin. 
— Prof. D. Dr. H. Fri cf, der Vertreter der theolo 
gischen Dogmatik und Ethik, kehrte von einer längeren 
Vortragsreise in den Vereinigten Staaten zurück; nun 
mehr wird Geh. Kirchenrat Prof. D. Dr. Krüger vor 
amerikanischen Theologen Vorlesungen halten. — Der 
ord. Prof, für Paläontologie Dr. 5) a r r a s s o w i ß wurde 
von der Deutschen Akademie der Naturforscher in Spalte 
zum Mitglied ernannt. — Der ord. Professor der Hygiene 
an der Technischen Hochschule in Dresden, Dr. med. 
K u h n, hat den Ruf als Nachfolger von Prof. Got- 
schlich angenommen. — Der a. o. Prof, an der 
llniversität Bonn Dr. W. Schmidt hat den Ruf aus 
den Lehrstuhl der Zoologie und vergleichenden Anatomie 
als Nachfolger von Prof. Becker angenommen. — Die 
in zahlreichen Zeitungen wiedergegebenen Gerüchte von 
einer Auflösung unserer Universität sind völlig un 
begründet. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Am 26. Februar beging der 
Privatmann Gustav W e n tz e l l in Kassel seinen 70. Ge 
burtstag. Wentzell entstammt einer aus Helsa zuge 
zogenen seit Generationen in Kassel ansässigen Bürger 
familie; sein Urgroßvater war der bekannte Quartier- 
kommissarius Wentzell, der Großvater, Bäckermeister und 
Gastwirt Wentzell, war als freiwilliger Jäger mit gegen 
Frankreich gezogen und ist auf der bekannten Steinzeich 
nung L. E. Grimms abgebildet. Gustav Wentzell, der 
sich auch als schlichter liebenswürdiger Dichter („Lieb 
Heimatland") betätigte, wurde weiten Kreisen bekannt 
durch seine Dialektbändchen „D'r Dullerdobb", „Nnner- 
gekochtes" und „Knall-Erwesen". Um seine Vaterstadt 
machte er sich nicht nur durch seine Tätigkeit im Vorstand 
des Verschönerungsvereins, sondern auch durch seine 
wiederholt durch Vorträge im Hessischen Geschichtsverein 
bekannt gewordenen Lokalforschungen verdient. — Gleich 
falls 70 Jahre alt tvurde am 5. März der Bildhauer 
Karl Grub e r in Kassel. Nach dem Besuch der Aka 
demie seiner Vaterstadt Kassel wirkte er zunächst als Ar 
chitekt in Berlin und war u. a. dort mit Professor 
Siemering bei Errichtung des Leipziger Siegesdenkmals 
tätig. 1884 ließ er sich ivieder als Bildhauer in Kassel 
nieder, wo er u. a. eine ganze Reihe bekannter Kasseler 
Persönlichkeiten (Zottmayr, Treiber, Opper, Borgmann, 
Klöffler, Wenning) in Porträtbüsten uni) Reliefs dar 
stellte. Auch die altdeutsche Trinkstube der „Bären- 
kanimer" ist sein Werk. — Auch Vizeadmiral Friedrich 
B o e d i ck e r, der am 3. März seinen 60. Geburtstag 
beging, entstamme einer alten kurhessischen Familie. In 
Kassel 1866 geboren, trat er 1884 als Kadett in die 
KaiserlicheXöiarine ein und war bei Ausbruch des Welt 
krieges Abteilungschef im Reichsmarineamt. 1915 ivurde 
er Führer der II. Aufklärungstruppe und hat namentlich 
mit den von ihm geführten kleinen Kreuzern in der 
Skagerrak-Schlacht entscheidend mitgewirkt. 1918 zum 
Vizeadmiral befördert und gleichzeitig zum Chef des 
1. Linienschiffs-Geschwaders ernannt, wurde er im Früh 
jahr 1919 zur Disposition gestellt und lebt seitdem in 
seiner Vaterstadt Kassel. — Seinen 50. Geburtstag konnte 
am 14. März der Direktor der Berliner Nationalgalerie 
Geheimrat Prof. Dr. Ludwig I u st i begehen. Ein 
Urenkel des bekannten Marburger Theologen Justi, wurde 
er 1876 in Marburg als Sohn des Assyriologen Justi ge 
boren, ist also ein Neffe des Kunsthistorikers Karl Justi. 
1898 promovierte er in Bonn mit einer Arbeit über 
Dürer, habilitierte sich 1901 in Berlin, tvurde 1903 
Professor in Halle, 1904 Direktor des Stüdelschen 
Instituts in Frankfurt a. M., 1905 ständiger Sekretär 
der ''Akademie der Künste in Berlin und 1909 als Tschudis 
Nachfolger Direktor der Berliner Nationalgalerie, die 
ihm ihre Bedeutung als geschlossenes Museum des deut 
schet: 19. Jahrhunderts verdankt. Von seinen kun- 
historischen Werken ist die Giorgione-Monographie das 
bedeutendste. — Am 1. März übernahm der bisherige 
Leiter der Kasseler Volkshochschule Dr. Walter K o ch die 
Stelle eines wissenschaftlichen Beirats in den städtischen 
Bücherhallen in Leipzig; an seine Stelle wurde Dr. Hans 
Pflug gewählt. — Bei dem Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für eine Stadthalle mit Museum und 
Hotel im Froriepschen Park in Weimar erhielten die 
Erbauer der Kasseler Stadthalle, Professor tz» u in m e l - 
Darmstadt und Baurat Rothe- Kassel den ersten Preis. 
Todesfälle. In Witzenhausen, wo er seit 1893 
als Pfarrer tätig war, verschied am 16. Februar der 
1864 in Niedergrenzebach als Sohn des dortigen Pfarrers 
geborene Metropolitan Stolzenbach, ein Schwager 
des Schriftstellers Rudolf Herzog. — Im 84. Lebensjahr 
starb in Darmstadt am 20. Februar der Geh. Regierungs 
rat Prof. Dr. Georg Friedrich Knapp, bis^1918 
Professor der Nationalökonomie an der Universität >^traß- 
burg. Er war ein Neffe von Justus von Liebig und 
Enkel des Staatsrats Knapp in Darmstadt. Seine 
Hauptwerke sind „Tie Bauernbefreiung" Und „Die 
Theorie des Geldes".— Am 17. März entschlief 61jährig 
der Landschaftsmaler Fritz Barth in Kassel. Er hat in 
seinen Landschaften namentlich die Rhön dargestellt. 
A u s Sp ei ii ei u. Eine wertvolle Sammlung Ha 
nauer Fayencen aus dem 18. Jahrhundert tvurde 
vom Hanauer Geschichtsverein aus Stiftungsmitteln er 
worben. Die Sammlung soll' im April ausgestellt werden. 
Bekannt ist, tvie nach der Aufhebung des Edikts von 
Nantes 1685 namentlich Gold- und Silberschmiede die 
Zahl der in Hanau schon vorhandenen durch Zuwande 
rung vermehrt haben. In einem Verzeichnis der Ha 
nauer Neubürger der Jahre 1657 bis 1672 finden wir 
Tabakpfeifenmacher und Porzellanbäcker aus Delft und 
Rottermann. Letztere weisen auf die Fayence-Industrie 
hin, die 1661 als erst deutsche in Hanau gegründet wurde 
und bis etwa 1810 in künstlerischer Vollendung blühte. 
Aus Gelnhausen. Tie hiesige Kaiserpfalz 
wird bekanntlich von zwei Armen der Kinzig umflossen. 
Bei dem Hochwasser hat sieh dies wieder unangenehm 
bemerkbar gemacht. Das Wasser unterspült die Grund 
mauern und zerfrißt das obere Mauerwerk. Die schon 
lange geplante Regulierung der Kinzig ist um so not- 
ivendiger, als es eine Pflicht der Deutschen ist, die Bar 
barossaburg zu erhalten. 
Aus Wolfhagen. Der Magistrat hat beschlossen, 
von der beabsichtigten Feier des 700 jährigen Bestehens 
der Stadt Wolfhagen im laufenden Jahre abzusehen und 
die Feier für das nächste Jahr in Aussicht zu nehmen. 
Für den Beschluß ivar neben der traurigen Finanzlage 
der Stadt auch die Tatsache maßgebend, daß das Jahr 
1926 nicht mit Bestimmtheit als das Gründungsjahr der 
Stadt Wolfhagen bezeichnet werden kann. Urkundlich 
ivurde Wolfhagen zuerst im Jahre 1231 erwähnt. Es 
ist also möglich, daß die Gründungsfeier vielleicht bis 
zum Jahre 1931 hinausgeschoben wird. 
Aus Schlitz. Das hiesige Heimatmuseum wird vor 
aussichtlich im März eröffnet. Das im zweiten Stock 
der Hinterburg errichtete Museum besteht vorerst aus 
einem Burgzimmer, einem Bürgersaal und einer'Schlitzer 
länder Bauernstube mit .Küche.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.