Full text: Hessenland (38.1926)

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in vor- uno frühgeschichtlicher Zeit", Oberlehrer Karl 
Straub über die „Rhön und ihre Bewohner" und 
Studienrat Willy Schönberg über „Unsere Rhön, 
insbesondere das Wasserkuppengebiet, im Lichte der mo 
dernen Wissenschaft". Kein Freund der Rhön wird dieses 
von berufenen Fachleuten geschriebene Werk vermissen 
wollen. 8 . 
Heil, Bernhard. Die wirtschaftliche Ent 
wicklung der Stadt Hersfeld. Hersfeld 
(Hans Ott-Verlag) 1924. 208 Seiten. 
Diese die wirtschaftlichen Verhältnisse Hersfelds in 
Vergangenheit und Gegenwart behandelnde Arbeit des 
Darmstädter Bankdirektors Dr. Heil entstammt dem 
volkswirtschaftlichen Seminar der Universität Frank 
furt. Wir sehen, daß seit Gründung der Stadt im 
12. Jahrhundert das Gewerbe in Hersfeld heimisch ist 
und wie im Lauf der Jahrhunderte einzelne Gewerbe, 
wie Tuchmacherei und Gerberei, schon in der Form des 
Handwerks große Blüte erlangen. Sie bilden denn auch 
bei der im 19. Jahrhundert einsetzenden Industriali 
sierung die Grundlage für die Entwicklung der heutigen 
Hersfelder Industrie. Als Folgeerscheinung dieser Indu 
strialisierung läßt sich übrigens bei der Schilderung der 
einzelnen Industriezweige eine starke Steigerung der Pro 
duktivität feststellen, daneben werden Kleingewerbe, Han 
del, Landwirtschaft und Verkehr gewürdigt. Der fleißigen 
Arbeit sind eine ganze Anzahl statistischer Anlagen bei 
gegeben. 8 , 
Scheffler, Dr. Wolfgang. Kleiner Führer 
durch das Städtische Museum. 'Hersfeld 
(Hoehl) 1926. 15 Seiten. 
Der verdienstvolle Neuordner des Hersfelder Museums 
gibt hier keineswegs eine bloße Aufzählung der auf 
gestellten Gegenstände, sondern eine kunstgeschichtliche 
Würdigung des vielseitigen Inhalts, die dem Besucher 
des reichhaltigen Museums gute Dienste leistet. 8 . 
Fink, Georg. Geschichte des Hessischen 
Staatsarchivs zu Darm st ad t. Darmstadt 
(C. F. Winter) 1925. 201 Seiten. 
Ein Land, das das Recht auf seine Fahne geschrieben 
hat, darf keine Opfer scheuen für den Hort historischer 
Wahrheit — sein Archiv! Mit diesem Satz beschließt 
der Lübecker Staatsarchivar Dr. Georg Fink sein Werk, 
das der Historische Verein dem Darmstädter Staats 
archiv zu dem Tage widmete, an dem es vor 200 Jahren 
in die Räume des hessischen Landgrafenschlosses einzog. 
Ist doch der Historische Verein seit fast 100 Jahren in 
engster Verbindung mit dem Archiv seine Wege gegangen, 
auf dessen Bestände er zum größten Teil seine wissen 
schaftlichen Arbeiten gründete. Das Werk gibt ein aus 
führliches Bild von der Entwicklung des Darmstädter 
Archivs seit 1567 bis zur Gegenwart. Von besonderem 
Interesse ist für uns das Kapitel über das Samtarchiv 
' zu Ziegenhain sowie über die Beziehungen zur Mar- 
burger Repositur und zu Kassel, 8 . 
Grimmelshausenliteratur. 
Der 250. Todestag Grimmelshausens im August gab 
Veranlassung, wieder einmal besonders nachhaltig auf 
Vereinsnachrichten. 
Hessischer G e s ch i ch t s v e r e i n. Am ersten wis 
senschaftlichen Unterhaltungsabend des Kasseler Ver 
eins (4. Oktober) in,den Bürgersälen berichtete Zoll 
direktor W o r i n g e r über die Sommerausflüge und 
sprach sodann über die gerade vor 100 Jahren erbaute 
und damals viel bestaunte steinerne Baunabrücke 
unsern Gelnhäuser Landsmann hinzuweisen. Nachdem 
der verstorbene Marburger Archivdirektor Koennecke in 
seinem Bilderatlas (2. Auflage 1895) die ersten urkund 
lichen Nachrichten zur Grimmelshausenbiographie bei 
gebracht, ist die Grimmelshausenforschung erheblich fort 
geschritten. Es steht nunmehr fest, daß der Verfasser des 
„Simplicissimus" sich auch als Kalendermann betätigt 
hat. An der Spitze dieser Schriftstellerei steht der „E w i g 
währende Kalender" (Fulda 1670), den nebst 
Stücken aus dem jährlichen „Wunder-Geschichts-Kalen- 
der", mit Bildern geziert, der Albert Langen-Verlag, 
München, als dritten Band von Grimmelshausens Sim- 
plicianischen Schriften (611 Seiten, Preis 8 M, in 
Leinen 11 M) mit Bildern geziert zum ersten Mal tvieder 
in Druck gab. Damit hat uns der verdienstvolle Verlag 
eine Fundgrube von erzählendem, belehrendem und volks 
kundlichem Gut erschlossen. Ganz neu sind auch die zahl 
reichen köstlichen Geschichtchen aus den kürzlich wieder 
gefundenen Jahreskalendern. Der Herausgeber Dr. Oef- 
tering bringt in einem ausführlichen, sorgfältig bearbeite 
ten Anhang die neusten Forschungsergebnisse. Die bild 
lichen Beigaben sind zum größten Teil Wiedergaben 
alter Holzschnitte aus Grimmelshausens Quellenschriften. 
' Mit ganz besonderem Nachdruck muß auch auf Emil 
Ermatingers neues Werk, „Weltdeutung in 
Grimmelshausens Simplicius Simpli 
cissimus" hingewiesen werden. (Mit 3 Tafeln in 
Lichtdruck nach Kupferstichen der Originalausgaben. Leip 
zig, B. G. Teubner. 1925. 123 Seiten. Preis 4 M, 
geb. 5,60 M.) Ermatingers Werk ist unbedingt das 
Beste, was bisher über die einzigartige Bedeutung dieses, 
vor Leibniz, bedeutendsten Wegbereiters der neuen Ideen 
in Deutschland geschrieben wurde. In acht glänzenden 
Kapiteln zeigt Ermatinger, wie dieser grübelnde Geist 
und tiefe Denker, über den die Aufklärung achtlos hin 
wegschritt und den erst — aus innerer Verwandtschaft— 
die Romantik wieder entdeckte, um ihn an die Wissen 
schaft weiter zu geben, sich um die Lösung der Lebens 
rätsel müht. So gewinnen wir das Bild eines Dichters, 
in dem in der Mitte zwischen Mittelalter und Neuzeit 
neben Bach deutscher Barockgeist den mächtigsten Ausdruck 
gefunden hat, wie in seinem Werk die geeinte Zweiheit 
von mittelalterlichem Jenseitsglauben und neuzeitlicher 
Diesseitsfreude einen künstlerischen Stil von genialer 
Ausdruckskraft geschaffen hat. 8 b. 
Hessische Ortsgeschichten. I. Archivrat Dr. 
Fritz Herrmann. Schwan he im an der 
Bergstraße. Friedberg (C. Bindernagel) 1924. 
122 Seiten. 
Der bekannte Verfasser verschiedener Arbeiten aus dem 
Gebiet der hessischen Reformationsgeschichte, der Darm 
städter Staatsarchivar Dr. Herrmann, gibt hier auf ar- 
chivalischer Grundlage eine illustrierte Geschichte seines 
Heimatortes seit dessen Entstehung im 5. Jahrhundert 
bis zur Gegenwart. Es ist erstaunlich, wieviel Material 
der Verfasser zur Geschichte dieses kleinen Ortes beizu 
bringen wußte. Auf die Beiträge zur Flurnamen- 
und Familienforschung sei noch besonders hingewiesen. 
8 b. 
bei Kirchbauna. Sodann hielt Studienrat Dr. Weide- 
m ann einen eingehenden Vortrag über „die Auf 
hebung der Klöster in Hessen". Diese, und 
nicht die Homberger Synode 1526, sei im Verein mit 
der großen Kirchenvisitation bzw. der Einsetzung des 
Predigtamts 1527 der tatsächliche Anfang der Refor-
	        

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