Full text: Hessenland (38.1926)

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Landesuniversität uns wird im Stiche lassen wollen, wenn 
es gilt, in großem Maßstabe für die wissenschaftlichen 
Leistungen einer der ältesten deutschen Universitäten Dank 
und Anerkennung auszusprechen und zugleich bedeutungs 
volle kulturelle Aufgaben zu fördern. 
Wie bekannt, soll der Jubiläumsbau als großangelegtes 
Institut der Pflege der gesamten Kunstwissenschaft und 
der ihr nahestehenden Disziplinen von der Vorgeschichte 
über das Altertum bis zur Gegenwart dienen. Gerade 
in Zeiten wirtschaftlicher Not sind die Universitäten die 
berufenen Hüter des Geistes und der Kultur. Sie müssen 
Sorge tragen, daß dem Volke die geistigen Güter bewahrt 
bleiben und weitergebildet werden. Wie die während der 
napoleonischen Kriege, in Zeiten schwerster Not, neu 
errichteten Universitäten sich als segensreich erwiesen, 
indem sie den späteren Aufstieg Deutschlands mit vor 
bereiteten, so müssen wir heute in Zeiten materieller Be 
drängnis durch den Ausbau unserer Lehrmittel und befon- 
ders solcher Institute, die einer großen Allgemeinheit 
bürg, ferner die große Sammlung antiker Gipsabgüsse 
und die gut ausgestattete vorgeschichtliche Sammlung der 
Universität; alle diese wertvollen Sammlungen sind bis 
her in gänzlich unzureichenden Räumen nur magazin 
mäßig untergebracht. 
Der I n st i t u t s b a u enthält das Kunstgeschichtliche 
und das Archäologische Seminar mit Hörsaal, den christ 
lich-archäologischen Apparat, Räume für die Prähistorie 
und die Theaterwissenschaft, das Seminar der Musik 
wissenschaft mit Übungssaal, endlich Räume für den aka 
demischen Zeichenunterricht. Den Mittelpunkt in diesem 
Jnstitutsteil wird die große Zentralbibliothek bilden, in 
der sämtliche die Kunst betreffenden Spezialbibliotheken 
Marburgs zusammengefaßt werden und deren geräumiger 
Lesesaal auch der Allgemeinheit zugänglich sein tvird. 
Ferner wird die bereits heute als vorbildlich anerkannte 
und dauernd auch von anderen Universitäten und Ge 
lehrten aus aller Welt beanspruchte Photographische 
Abteilung des Kunstgeschichtlichen Seminars einen ihrer 
DerRektorderUnivcrsitätprof.vr. Lommatzschbei Verlesungder Urkunde. 
(Aufnahme des Kunstgeschichtlichen Seminars.) 
dienen, die Grundlage schassen zur künftigen weiteren 
Entfaltung deutschen Geistes und deutscher Wissenschaft. 
Der aus der Sammlung zu errichtende Jubiläumsbau 
wird nach den nunmehr feststehenden Plänen in zwei Teile 
zerfallen, in das Universitäts-Museum, das 
auch der Öffentlichkeit in weitestem Maße zugänglich sein 
wird, und das eigentliche U n i v e r s i t ä t s - I n st i - 
tut, das den wissenschaftlichen Arbeiten gewidmet ist. 
Im Museumsbau sollen Platz finden: Tie Ge 
mäldegalerie, die Räume für Wechselausstellungen, die 
Kupferstichsammlung, die umfangreichen Sammlungen des 
Hessischen Geschichtsvereins und Altertumsvereins Mar- 
Bedeutung entsprechenden Platz mit Laboratorien, Büro- 
und Ausstellungsräumen erhalten. 
So wird die neue Schöpfung für weite Kreise der Be 
völkerung unseres Landes, für Handwerk und Kunst 
gewerbe, für jeden Freund der Kunst, ebenso wie'für die 
Universität selber ein Kulturzentrum bilden, das berufen 
ist, weit über die Heimatprovinz hinaus mitzuwirken an 
der Erhaltung und Vermehrung deutschen Geistesgutes. 
Und darum rufen wir noch einmal, helft uns das große 
Werk vollenden! Nicht als Torso, s o n d e r n als 
fertiges Ganzes soll es sich den Gönnern, Freun 
den und Schülern der Lima, mator Ubilippina darbieten, 
die zum Jubelfest sich um sie scharen werden.
	        

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