Full text: Hessenland (38.1926)

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Gerichde gefrogd, ivie'e das gemachd hädde. Do 
hodde gesahd: „Ich honn den Sack uffgehahlen un 
honn vor das Huhn geschbrochen: Wedde ninn 
Hibben oder nidd? Do esses ninngehibbed." 
Domols haddeme in Kassel noch manches, was 
me Heide nidd mehr kennd. Do war der Nachd- 
wächder noch, mid 'ner Pisse. Erschd Hesse, dann 
riefe: „De Glocke hadd zehne geschlaachen." Un 
'en Ußrufer haddeme au noch. Ich sehn noch wie 
Heide, hä hadde nidd mehr veele Zähne im Mulle. 
Mid so 'ner großen Schelle schellde hä, un dann 
kam de Bekanndmachung. In der Zidd gingen au 
de Kasselaner den Sunndag nidd so widd schba- 
zieren, wie Heide. Endweder es ging in de Au oder 
nuß vor d's Hollänsche Dohr nohn Äbbelklaus. Des 
Hollänsche Dohr schdand domols noch, un an 
der Hollänschen Schdroße schdannen Babbelbaime 
un rechds un links war en dieser Schossee- 
graben. Do wurde dann biem Klaus sicher Äbbel- 
winn gedrunken. Manchemo ging's au no Kirch- 
Aus Heimat und Fremde. 
H o ch s ch u l n a ch r i ch t e n. Marburg: Der Prof, 
der Psychiatrie und Neurologie, Direktor der psychia 
trischen und Nervenklinik Dr. Georg Stertz geht in 
gleicher Eigenschaft als Nachfolger von Professor Siemer- 
ling nach Kiel. — Der Privatdozent für Chirurgie und 
Orthopädie Dr. Walter Müller wurde zum nicht 
beamteten a. o. Professor ernannt. — Die Gesamtzahl 
der Studierenden im laufenden Wintersemester betragt 
1859, der Gesamtbesuch einschließlich der 54 Hörer 1919. 
— Für die Vorbereitung der 400-Jahrfeier der Univer 
sität (29. Juli bis 1. August 1927) hat sich ein Haupt- 
ausschuß uno eine Reihe von Unterausschüssen gebildet. 
In Aussicht genommen ist die Einweihung der als 
Jubiläumsgeschenk des preußischen Staates in Angriff 
genommenen Hals-, Nasen- und Ohrettklinik, der neuen 
Kinderklinik und des großen Jubiläumskunstinstitutes, für 
das der Universitätsbund die Werbung übernommen hat. 
Uber den für diesen Bau allgemein gewünschten Wett 
bewerb unter den Baukünstlern Deutschlands wird der 
preußische Landtag in den nächsten Tagen entscheiden. 
Schließlich ist noch beabsichtigt, den über 700 gefallenen 
Dozenten, Studenten und Beamten der Universität un 
mittelbar vor der Hochschule ein Denkmal zu errichten. — 
Gießen: Geheimrat Prof. Dr. E. B o st r o e m von 
der Universitätsklinik feierte seinen 75. Geburtstag und 
wurde von der Studentenschaft durch einen Fackelzug 
geehrt. — Der a. o. Professor und Prosektor am patho 
logischen Institut der Universität Leipzig Dr. Georg 
Herzog hat den Ruf aus das Ordinariat der all 
gemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie als 
Nachfolger des emeritierten Geh. Medizinalrats Bostroem 
angenommen. — Der a. o. Professor Dr. George Ga ff 5 
in Leipzig wurde auf den Lehrstuhl der theoretischen 
Physik berufen und zum o. Professor ernannt. — 
Studienrat Dr. König, ein von den Franzosen ver 
triebener Elsässer, erhielt einen Lehrauftrag für Grenz- 
und Auslandsdeutschtum. 
Personal chronik. Ter seit 1907 im Ruhestand 
lebende frühere Marburger Oberbürgermeister Schüler 
beging Anfang Januar seinen 90. Geburtstag. — Der 
einer Altkasseler Familie entstammende Ehrenobermeister 
der Fleischer-Innung Heinrich Stöhr vollendete am 
1. Januar sein 80. Lebensjahr. — Die in Kassel woh- 
dibmer bie b’u Meist, do gab's Flaschenbier. Min 
Vadder kies mä en Laibchen, das wurde in's Bier 
geducked un dann kunnd ich's essen. Nur de Pin- 
gesden, do machdeme den zweiden Fesdag no Wil 
lemsee. Nadierlich mußde alles laufen, nur de 
reichen Liede fuhren in der Scheese rufst Owen 
sahn me dann, wie de Wasser schbrungen, das 
machde uns immer veele Gaude. D's Essen wurde 
vor den gansen Dag midde genommen, meisdens 
waren's Friggedellen. Den Owend ging's heim. 
Biem Wimmer oder biem Kuhrasch in Wahlersch- 
huusen un in Kerschdings Brauerei in Wehlheiden 
wurde ingekehrd. Eimo hadde ich en neien Durner- 
Anzug ane unne Bodanesierbichse inlme, un wieine 
heim gingen, fing's an ze regnen, daß me alle 
quadschedribbelnaß wurden. Ach, min scheener neier 
Anzug, das griene Band vun der Bichse hadde ab- 
gefärwed, un de griene Brich war alle in de 
wiße Jacke gelaufen. 
(Schluß folgt.) 
nende Schriftstellerin Elsbeth v. Nathusius, eine 
Ururenkelin der Kasseler Dichterin Philippine Engel 
hard, wurde am 17. Januar 80 Jahre alt. — Seinen 
70. Geburtstag feierte unser langjähriger Mitarbeiter- 
Pros. Dr. August R o e s ch e n in Laubach, der Verfasser 
der weitbekannten Werke über Vogelsberg, Rhön und 
Wetterau. — Am 29. Dezember wurde der frühere 
Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau (1917 —1919, 
August von Trott zu Solz 70 Jahre alt. — Am 
1. Januar beging Stadtrat Bureaudirektor Karl Johann 
Kreiß in Kassel seinen 60. Geburtstag. In Gelnhausen 
geboren, siedelte er 1888 nach Kassel über. Abgesehen von 
einigen mannhaften, Mißstände rücksichtslos aufdeckenden 
Broschüren hat sich Kreiß vor allem als liebenswürdiger 
Dichter in Hessen bekannt gemacht. Er verfaßte u. a. ver 
schiedene Bühnenwerke und beteiligte sich auch mit einer 
episch-dramatischen Dichtung am Festspielwettbewcrb zur 
Kasseler Jahrtausendfeier.— Die städtischen Körperschaften 
zu Fritzlar ernannten den Dechanten Prälaten Dr. b. c. 
Iestädt zum Ehrenbürger. — Der Hersfelder Ge 
schichtsverein ernannte Professor Vonderau in Fulda 
wegen seiner Verdienste bei den Ausgrabungen in der 
Hersfelder Stiftskirche zu seinem Ehrenmitglied. — 
Der Seminaroberlehrer Heinrichs in Homberg wurde 
wegen seiner Verdienste um die Kirchenmusik soivohl als 
Komponist wie als Chorleiter zum Studienrat ernannt. 
Heinrichs verdanken mir außerdem einige vortreffliche 
Beiträge zur hessischen Musikgeschichte.' 
Todesfälle. Am 19. Dezember entschlief in Mar 
burg im 74. Lebensjahr der Geheime Medizinalrat Prof. 
Dr. Franz T u c z e k. In Köln geboren, wurde er 
1879 Assistent an der Marburger Landesheilanstalt, 
deren Direktor er, gleichzeitig mit seiner Ernennung zum 
ordentlichen Professor an der Universität, 1894 wurde. 
1907/08 war er Rektor der Universität. Tuczek, der 
1915 in den Ruhestand trat, hat sich durch seine Vor 
lesungen über gerichtliche Medizin und seine psychia 
trischen Werke weithin einen Namen gemacht. — Am 
23. Dezember starb 79 jährig in Schloß Philippsthal 
Landgraf Ernst von Hessen-Philippsthal. Damit ist die 
Nebenlinie Hessen-Philippsthal erloschen, und der Besitz 
geht auf den Landgrafen Chlodivig von Hessen-Philipps 
thal-Barchfeld in Herleshausen über. — Im 84. Lebens-
	        
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