Full text: Hessenland (38.1926)

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Westen auf die herrliche Basilika, die einstige 
66de8ia sanötae Mariae, die jetzige Marien 
kirche. 
Auf einer breiten Stufe des Bergabhanges 
erhebt sich der imposante, hochragende Bau 
mitten im Herzen der Stadt mit seinen zum 
Himmel strebenden, zahlreichen Türmen, weit 
hin die Landschaft beherrschend, als wollte 
er allzeit die Menschen gemahnen an die 
Größe und Allmacht Gottes, zumal, wenn 
der eherne Mund 
der Glocken von 
dem rhomben 
bedachten Turme 
herab über die 
Dächer und Stra 
ßen in das fried 
liche Tal die Ehre 
Gottes kündet. 
Ja, ein hehres 
Kleinod ist unsere 
Marienkirche, 
und zugleich ein 
unübertroffenes 
Denkmal deut 
scher Baukunst 
des Übergangs 
stils. Als solches 
wird sie bewun 
dert und zum 
Lehrgegenstand 
gemacht gleich 
unserer Barba 
rossaburg; auch 
hat man sie nach 
gebildet in der 
Kaiser Wilhelm- 
Gedächtniskirche 
in Berlin. 
Noch manch an 
deres Historisch- 
und Kunstinteres 
sante bietet unser 
Gelnhausen mit 
seinen engen, bergigen Gassen, Winkeln und 
seinen dicht beieinander stehenden, traulichen 
Häusern. — Ein gut Stück alter Zeit ist hier 
erhalten, und wer offenen Auges und Sin- 
nes durch das Städtchen schlendert, dem ist 
es, als wollten das efeuumrankte Gemäuer, 
die altersgrauen Türme, die zerfallenen Wehr 
gänge, selbst jeder altehrwürdige Stein Zeug 
nis ablegen von einst geschauter Staufen- 
Pracht und -Herrlichkeit, von harten Krieges 
stürmen und Verwüstungen, als der Schwede 
im Lande war, und von dem eitlen Glanz 
und jähen Fall des Mannes, der.in seinem 
Cäsarenwahnsinn 
Gelnhausen. Marienkirche 
sich zum Allein 
beherrscher der 
Erde auswerfen 
wollte. — Ja, 
viel glückliche und 
traurige Tage hat 
unser Gelnhausen 
durch seine Lag 
an der großen 
Heer-und Verbin 
dungsstraße von 
Ost- und West 
deutschland im 
Wandel der Zei 
ten durchlebt, aber 
allzeit nahm es 
den Fremden, der 
in Geschäften oder 
zum Genießen sei 
ner Kunstschätze, 
oder um sich zu 
laben an frischer 
Waldes-und Ber 
gesluft,durch seine 
Tore zog, gastlick 
auf; dieser Tra 
dition ist Geln 
hausen treu ge 
blieben und wird 
es allzeit bleiben. 
So beut denn 
auch allen, die 
zur Tagung des 
Vereins für hessische Geschichte und Landes 
kunde kommen, Gelnhausen ein herzliches: 
„Willkommen!" 
Gedanken. 
Die Nacht ist sternenstille Ruh'. 
Ich will die Augen schließen 
und schlafen — träumen, — ließen 
die Turmuhrglocken das nur zu. 
Es ist so seltsam — jeder Schlag 
hat seine eigene Stimme. 
Goldschtffe landwärts schwimmen, 
Gedanken — wett zerstreut im Tag. 
Und ein Gedanke ist wie du. 
Ich will die Augen schließen 
und schlafen - träumen, — ließen 
die Turmuhrglocken das nur zu. 
Otto Karl Schultz.
	        

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