Full text: Hessenland (38.1926)

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Der jährliche Bedarf der Stadt ist: 7000 Kasseler 
Viertel Brotfrucht und 30 bis 35000 Sack Kartoffeln 
ä 200 Pfd. Kartoffeln können nicht genug wachsen, 
weil sie auf die mannigfachste Weise benutzt werden. 
An Hafer werden große Quantitäten nach allen 
Gegenden, besonders nach Frankfurt a. M., Mainz 
usw. verkauft. Der Bedarf der Bäcker an Korn und 
Weizen wird aus der näheren Umgebung, nament 
lich der Provinz Niederhessen, beschafft. Die Gerste 
zur Brauerei stammt fast nur aus dem hiesigen 
Kreise. 
Die Teilhaber an den 16 bis 18 Schafpferchen, 
von je 280 bis 300 Stück, verlosen die Pferch- 
nächte bei jeder Schäfereigesellschaft nach Maßgabe 
des zum Pferch eingestellten Viehes. Die Benutzung 
der Jauche kommt jährlich mehr in Aufnahme, so 
daß in der passenden Jahreszeit wenig unbenutzt 
bleibt. Außer den GerbereiaLfällen und dem Gips 
zum Klee bedient man sich keiner fremden Dünge 
mittel. 
Von den Wiesen sind dreischurig etwa 15 Kasseler 
Acker, zweischurig 1300, einschurig 600 Kasseler Acker. 
Ein Kasseler Acker liefert in gewöhnlichen Jahren 25 
bis 30 Zentner Heu und 10 bis 15 Zentner Grum 
met. Etwa 10o/o der Wiesen sind sumpfig und 
werden, wo es angeht, durch Entwässerungsanlagen 
verbessert. Der Kaufpreis von einem Morgen zwei- 
schuriger Wiesen beträgt bis 150 Rtl. (Pacht 8 bis 
10 Rtl.), von einem Morgen einschuriger Wiesen 
bis 40 (Pacht 2 bis 4) Rtl. 
Die Zahl der Pferde beträgt 80, der Ochsen und 
Stiere 50, Kühe 450, Schweine 1000 bis 1200 
(wegen der Kartoffelkrankheit viel geringer als 
früher). Es werden 5000 Schafe in 17 Herden und 
30 bis 50 Ziegen gehalten. Gefahren wird mit 
Pferden, Ochsen und Kühen. Die Zahl der Gespanne 
mit vier und mehr Stück'ist 4, mit drei Stück 9, 
mit zwei Stück 80. Stallfütterung ist fast durch 
gehend eingeführt. 
Bestellt wurde, nach unserem „Saat- und Ernto- 
buch", die größte Bodenfläche, 41 Mesten Land, 
mit Roggen in der Zeit vom 28. September bis 
18. Oktober 1826. Dieser höchsten Zahl bebauter 
-Ackerfläche entspricht die beste Ernte, wenigstens 
in Gebunden: 1197, während der Ausdrusch davon 
266 Mesten Roggen betrug, ein Ergebnis, dem als 
höchstes überhaupt die Ernte vom Jahre 1824 mit 
278 Mesten Roggen (bzw. 1156 Gebunden auf 39 
Mesten Land Saatftyche) gegenübersteht. Die kleinste 
Bodensläche, 15 Mesten Land, wurde scheinbar 1831 
mit Roggen besät; das Ernteergebnis darauf war 
364 Garben und 164 Mesten Frucht. Der früheste 
Saattermin für Korn war der 25. September 1837, 
der späteste der 18. Oktober 1871, wobei nur der 
Beginn, nicht das Ende der jährlichen Aussaat be 
rücksichtigt ist. Die früheste Kornernte begann am 
17. Juli 1868, die späteste am 21. Oktober 1859. 
Weizen ist fortlaufend Jahr für Jahr erst seit 
1856 gebaut worden, seine größte Anbaufläche wird 
jedoch 1829 mit 5 Mesten Land verzeichnet, wovon 
1830 nur 83 Garben geerntet wurden. Das beste 
Weizenerntejahr war 1868 mit einem Ertrag von 
138 Garben und 31 Mesten Frucht. Am frühesten 
hat man die Weizensaat bewerkstelligt am 3. Ok 
tober 1819, am spätesten den 7. November 1851. 
Die früheste Weizenernte war die vom 27. Juli 
1868, die späteste die vom 19. September 1829; 
meist wurde der Weizen im August geerntet. 
Die größte Bodensläche mit Hafer, 36 Mesten 
Land, wurde in der Zeit vom 24. April bis 5. Mai 
1828 bestellt, die geringste von 12 Mesten Größe 
vom 27. April bis 2. Mai 1845. Hafer wurde am 
frühesten geerntet vom 22. bis 27. August 1868, 
am spätesten in der Zeit vom 19. bis 23. Oktober 
1860. 1261 Garben und 444 Mesten Haferfrucht 
erbrachte als Höchstmenge überhaupt von 30 Mesten 
bestelltem Land das Jahr 1864, in dem Aussaat 
und Ernte in die Zeit vom 25. April bis 3. Mai, 
bzw. vom 24. bis 27. September sielen. Am knapp 
sten war die Haferernte in Stroh 1818, als man 
269 Garben, in Körnern 1833, als man 112 Mesten 
Hafer erntete. 
Gerste ist am meisten, auf 11 1/2 Mesten Land, ge 
baut worden im Jahre 1861, in dem die Aussaat 
vom 31. Mai bis 15. Juni, die Ernte vom 31. Au 
gust bis 27. September bewerkstelligt wurde. Das 
Jahr 1861 brachte auch die Höchstleitung in dieser 
Fruchtart, nämlich 333 Garben und 77 Mesten. 
Während Gerste nicht immer angebaut worden ist, 
hat man Erbsen Jahr um Jahr gezogen, mit einem 
Höchstertrag von 65 Mesten in den Jahren 1823 
und 1844, in denen 10 bzw. 11 Mesten Land mit 
Erbsen bestellt wurden. Die größte Anbaufläche 
hierin weisen die Jahre 1826, 1827 und 1864 mit 
je 12 Mesten Land auf, ausgesät vom 2. bis 6. Mai, 
bzw. 18. bis 19. Mai, bzw. 3 .bis 6. Mai, und ge 
erntet-am 16. bis 17. August, bzw. 24. August und 
1. September, bzw. 11. und 12. September. 
Auch Raps ist regelmäßig gebaut worden nur in 
den Jahren 1819 bis 1826 und 1866 bis 1872. 
Man erntete 1864 von 4 Mesten bestellter Fläche 
20 Mesten Frucht und 1843 von der gleich großen 
Anbaufläche 26 Mesten Raps. Aussaat und Ernte 
geschahen in diesen beiden Jahren am 1. Juli und?, 
bzw. am 1. Juli und 13. Oktober. 
Neben Roggen und Hafer war am wichtigsten 
der Anbau von Kartoffeln, denen man die größte 
Fläche, 8 Mesten Land, zuwies in den Jahren 
1820, 1852, 1861, 1863, 1865, 1867, 1868 und 
1873. Die beste Kartoffelernte war die am 4. und 
5. Oktober 1838, mit 152 Sack, von am 11. Mai 
auf 7 Mesten Land ausgepflanzten Knollen. 140 
Sack Kartoffeln erntete man am 5. Oktober 1824, 
von ebenfalls auf 7 Mesten Land am 10. und 
18. Mai gepflanztem Saatgut. Als frühesten Pflanz 
termin finden wir den 12. April 1862, als spätesten 
den 22. Mai 1821 und 1827 verzeichnet. Man 
erntete schon am 23. September der Jahre 1831 und 
1867, doch zog sich die Ernte öfters lange hin, so 
vom 2. bis 30. Oktober 1820, 30. September bis 
10. Oktober 1833, 6. bis 22. Oktober 1840, 6. bis
	        

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