Full text: Hessenland (38.1926)

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Armen gespeist. Vom 26. April ab wurde aus 
der Notspeichersrucht Brot gebacken, im ganzen 
10 838 Laibe u 4 Pfd., die meist für 41/2 Sgr. an 
die ärmere Bevölkerung verkauft wurden. Aus je 
10 Mesten Korn und 2 Mesten Erbsen mußten nach 
Abzug des Molters 115 Laibe von 4 Pfd. Gewicht 
geliefert werden.' 
Veranlaßt durch die knappe Ernte des Jahres 
1853, besonders an Kartoffeln, wurde für die armen 
Kinder und alteren Armen 1854 wieder eine Suppen 
anstalt eingerichtet und dazu eine Sammlung von 
Kartoffeln und anderen Lebensmitteln sowie wöchent 
licher Geldbeiträge zur Beschaffung der weiter er 
forderlichen Bedürfnisse veranstaltet. Die Speisung 
fand im Rathaus statt vom 6. März bis 23. Juli, 
140 Tage lang, wobei täglich an 120 Kinder und 
zudem arme ältere Leute gespeist wurden. Nochmals 
erzeigte sich die Suppenanstalt als wohltätige Ein 
richtung "vom 1. April bis 14. Juli 1856, 105 
Tage lang. 
Als die Ernte des Jahres 1857 wieder besser war, 
feierte man im August ein Erntefest. -Mehrere frucht 
beladene Wagen wurden vom Neustädter Tore ab 
von sämtlichen Mitgliedern der Frankenberger 
Staats- und städtischen Behörden, den Geistlichen, 
vielen Bürgern, den Lehrern und sämtlichen Schul 
kindern unter Glockengeläute, Choralmusik und Ge 
sang bis zur lutherischen Kirche geleitet, in der ein 
Dankgottesdienst abgehalten wurde. 1858 war es 
zwar bis Juli anhaltend trocken, aber die Kartoffel 
ernte war besser, und man feierte wieder ein Erntefest. 
In dem Hochwasser der Edder ertrank 1860 der 
Knecht aus der Sandmühle bei Röddenau, und ein 
Mann aus Dodenau wurde durch Emil Sonneborn 
von Frankenberg aus den Fluten gerettet. Am 
9. Juni 1861 ging ein schweres Gewitter nieder. 
Nach unserem „Saatbuch" erntete man den im 
April 1862 gesäten Hafer schon im September. Das 
Korn erntete man vom 26. Juli bis 2. August, 
955 Gebunde, dazu 111 Gebunde Weizen, eine vor 
her nur einmal erreichte Zahl. Im Jahre 1863 
hatte man schätzungsweise eine gute Mittelernte in 
Erbsen, Raps und Kartoffeln, eine bessere Ernte in 
Korn und Hafer, und die in Gerste scheint vorzüglich 
gewesen sein. 
Das letzte Jahrzehnt, von 1864 bis 1873, ent 
hält, namentlich für 1873, Lücken. Ohne deren Be 
rücksichtigung sowie der Größe des bestellten Bodens 
war das Jahr 1869 das beste Roggen-Erntejahr, 
da 198 Mesten ausgedroschen wurden (1864: 140, 
1867 gar nur 94 Mesten). Der Hafer brachte den 
größten Ertrag im Jahre 1864, nämlich 444 Mesten, 
während das folgende Jahr mit nur 159 Mesten das 
niedrigste Ernteergebnis aufweist. Weizen ist offen 
bar 1867, 1870 und 1871 nicht angebaut gewesen, 
seine Ernte-Höchstzahl ist 1868 31 Mesten, die nie 
drigste Ziffer 1865 15 Mesten. Das Druschergebnis 
für Gerste war 1864 und 1870 je 32 Mesten, 1867 
19 Mesten. Im Jahre 1864 scheinen die Erbsen am 
besten (57 Mesten), 1870 am schlechtesten (15 Mesten) 
geraten zu sein. Der Raps hat mit 20 Mesten 1864 
sein Rekordjahr, mit 41/2 Mesten 1868 sein böses 
Jahr, das indes mit 111 Sack geernteter Kartoffen 
an der Spitze marschiert, während ihm das Jahr 
1869 mit nur 54 Sack Kartoffeln als das mindest- 
ergiebige auf dem Fuße folgte. 
Nicht nur die Größe, sondern auch die Lage und 
Qualität des Bodens u. a. müßten-wir ferner in 
den Kreis unserer Betrachtungen ziehen. Da ums 
hierzu die Unterlagen fehlen, lassen wir das Lager 
buch von 1788 (Staatsarchiv Marburg) reden: Das 
gesamte Land (der Gemarkung Frankenberg) liegt 
zum vierten Teil gleich oder plaine, dreiviertel aber 
wenigstens anhöhig und bergig. Die Wiesen liegen 
meistens in Gründen mit höheren Bergen auf beiden 
Seiten. Die besten Ländereien sind auf dem Krieg 
acker, Atzenhain, am Cleuenschlag, in der Leimen- 
kaute, im Johannisland, in der Aue, im'Paters gründ 
und bei dem Teich. Noch eben und sommerlich liegen 
die Ländereien am Madenbach, am hohen grünen 
Weg, im Poppental, auf dem Umkreis, am Wickers- 
dorfer Kirchhof, bei dein großen Mahlstein, im 
Mittelfeld, unter den Kranbäumen und im Fron^ 
dorf. Jene Feldlagen (Äcker) werden, als beste, zur 
3., diese zur 4. „Sorte" gerechnet; aber auch die 
5. bis 10. Klasse sind vertreten. 
Die Ortsbeschreibung (1855) von Frankenberg 
(Marburg, Staatsarchiv) führt aus: Die Feldmark 
ist 1770 bis 78 vermessen und rektifiziert worden. 
Die gesamte Gemarkung umfaßt 10 680 Acker, und 
zwar 5700 Acker bestellbares Land, 1300 Acker 
Wiesen, 350 Acker Gärten und Gemüseländer, 300 
Acker Waldungen, 2400 Acker Triescher und Huten. 
Die Güter werden unter sämtliche Geschwister zu 
gleichen Teilen verteilt. Reine Dreifelderwirtschaft 
besteht hier nicht, das Ackerland wird nach Belieben 
aufs vorteilhafteste benutzt, und das Brachfeld mit 
Klee, Kartoffeln, Erbsen usw. angebaut. 
Das Verhältnis des Landes nach seiner Güte ist 
folgendes: Gutes Land zu 1/4, mittleres y 2/ geringes 
und schlechtes 1 / 4 . Der Preis eines Ackers int Kauf 
beträgt für gutes Land 120 Rtl. (Pacht bis 10 Rtl.), 
mittleres Land 30 bis 70 Rtl. (Pacht 4 bis 8 Rtl.), 
schlechtes Land 15 bis 25 Rtl. (Pacht 1 bis 3 Rtl.). 
Zur Aussaat sind erforderlich an Korn, Weizen, 
Gerste und Erbsen: auf den Kasseler Acker, hier zu 
4 Mesten Land gerechnet, auf eine Meste Land eine 
Meste zur Saat. Bei Hafer wird je nach Qualität 
der Saat Vs bis 1/4 zugesetzt. Geerntet wird von 
'entern Acker guten Landes 120 Garben, mittlerer 
Güte 80 und schlechter 20 bis 40 Garben. 
Die Folge der Früchte ist folgende: Zuerst die 
Brache, Kartoffeln oder Klee, im folgenden Jahre 
Korn und Weizen, im 3. Jahre Hafer und andere 
Sommerfrüchte. Reine Brache findet nur zufällig 
statt und kann kaum 50/0 betragen. Mit Roggen 
werden ausgestellt 2000 Kasseler Acker, mit Weizen 
100, mit Gerste 150, mit Hafer 1800, mit Futter 
kräutern 600, mit Kartoffeln 400, mit Lein 5, mit 
Rübsamen 50, mit Hülsenfrüchten 300, mit Kraut 
etwa 50 Kasseler Acker. Nach Hafer gedeihen Korn 
und alle übrigen Früchte gut.
	        

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