Full text: Hessenland (38.1926)

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Eschwege, Hochzeitshaus. 
die bis zum Jahre 1798 zurückreichen, sind wäh 
rend einer Reihe von Jahren alljährlich 2 Tlr. 
20 Sgr. Pachtgeld für die Bischhäuser Walkmühle 
an die kurfürstliche Renterei zu Bischhausen bezahlt 
worden. 
An der Mühle und ihrer Einrichtung sind*, na 
mentlich auch infolge des Brandes der benachbarten 
Handwerkslohmühle (1854) größere Verände 
rungen und Verbesserungen vorgenommen wor 
den, die zum Teil nicht unerhebliche Kosten 
verursacht haben. In wiederholten Prozessen 
mit der Lohgerberzunft, namentlich auch wegen 
des Aufhängens der Felle vor dem Gerinne 
der Tuchmacherzunft sind dieser mehrfach Kosten 
erwachsen. Die Walkmühle wurde früher aus 
Rechnung der Zunft betrieben, wurde aber 
später verpachtet. Während der Pachtzins in 
die Zunftkasse floß, hatten die einzelnen Meister 
dem Pächter einen gewissen Stücklohn zu ent 
richten. Bei der letzten Verpachtung im Jahre 
1861 betrug das Pachtgeld jährlich 50 Taler. 
Walkmüller tvar damals ein Herr Ackermann. 
Die Stückzahl der gewalkten Tuche ergibt sich 
aus den Zunftrechnungen. Im Jahre 1798 
sind 450 Stück Schnittuche 
Rasch gewalkt. Für jedes Stück Schnittuch 
waren 10 Alb. 8 Hll. von dem Tuchmacher zu 
zahlen, wovon der Walkmüller Beck 2 Alb. 
2 Hll., der Siegelmeister 6 Hll. und das Hand 
* Bei Gelegenheit des Neubaus der Walkmühle 
im Jahre 1821 wurde auch auf der linken Seite 
zum Eingang in die Mühle ein neuer Brunnen an 
gelegt, welcher dazu dienen sollte, die fertige Wolle 
zu waschen, wenn das Wasser der Werra trübe war. 
Die neue Einrichtung erprobte sich aber nicht, weil 
das Wasser des Brunnens gleichzeitig trübe war, 
wenn das Werrawasser trübe wurde. Die Pumpe 
wurde daher entfernt und der Brunnenschacht im 
Jahre 1843 zugeworfen. 
werk 7 Alb. 6 Hll. erhielt; für letzteres im 
ganzen 105 Taler 15 Alb. Für das Stück 
Rasch mußten je 3 Alp. 6 Hll. bezahlt werden, 
wovon der Walkmüller 1 Alp. 8 Hll., der 
Siegelmeister 2 Hll. und das Handiverk 1 Alb. 
8 Hll., im ganzen 11 Tlr. 31 Alb. 4 Hll. erhielt. 
Im Jahre 1829 wurden gewalkt 146 Stück 
Tuch, 11 8 V 2 Stück Biber und Boy und 20261/Z 
Stück Flanell. Die Kosten waren inzwischen 
erhöht auf 10 g. Gr. für Tuch und 3 g. Gr. 
für Flanell. Im Jahre 1837 sind 351/2 Stück 
Tuch, 591/2 Stück Biber und 24111/2 Stück 
Flanell gewalkt. Die Flanellfabrikation war 
also die Hauptsache des Betriebes geworden. 
Nach Aufhören der Zunft ist die Mühle zuur 
Preise von 15100 Mark an die Stadt verkauft 
worden; sie dient jetzt dem Elektrizitätswerk. 
Nach dem Walken wurden die Tuche auf die 
Rahmen gespannt. Es sind dies ettva 2 Meter 
hohe hölzerne Gerüste in der Länge eines 
Stückes Tuch, beschlagen mit kleinen Haken, 
den sogenannten Klavieren, zum Anheften 
des Tuches. Durch das Aufrahmen wird 
das Tuch getrocknet und gestreckt. Die Zunft 
besaß 9 solcher Rahmen, die auf dem Cyriakus 
berge aufgestellt waren, und die 2 neuen Rahmen 
auf dem sogen. Stadtteich. An die Stadt hatte die 
Zunft jährlich 20 Alb. Rahmenzins zu zahlen. Die 
Rahmen wurden an die Tuchscherer verpachtet, wäh 
rend die einzelnen Tuchmacher an den Pächter
	        

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