Full text: Hessenland (38.1926)

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politan vorgestellt. Bei der Vorstellung als 1. Pre 
diger gab die Stadt aus der Kämmereikasse 8 Maaß 
Wein, den Betrag von 12 Rtl. aber der Kirchen 
kasten. Er war der Nachfolger des Metropolitans 
Joh. Balthasar Groß, dessen älteste Tochter Kathar. 
Margarete am 18. Februar 1.785 dem Rektor und 
späteren 2. Prediger der lutherischen Kirche Fritz 
daselbst, und dessen andere Tochter Kath. Maria am 
gleichen Tage, ebenfalls durch den Diakon und 
Pastor Ilgen (in Wetter?) dem späteren Metro-» 
politan Frdch. Kasimir Hassenkamp angetraut wurde. 
Konrad Wilhelm H., des letzteren Sohn, wurde 
Ostern 1804 konfirmirt. 
Louise Christiane, des Schönfärbers Henrich 
Hassenkamp und dessen Ehefrau Katharine Marie, 
geb. Loderhose, eheliches Töchterchen wurde am 
20. Oktober 1811 getauft, Gote war Luise Christiane, 
des Metropolitans Hassenkamp Ehegattin, des Kin 
des Stiefgroßmutter. Getauft wurde am 1. August 
1814 Justus Henrich, des Schönfärbers Hch. Bal 
thasar Hassenkamp und dessen Frau Kath. Marie, 
geb. Loderhose, ehelicher Sohn, wobei Pate war 
Just. Henr. Loderhose, des Kindes Großvater müt 
terlicherseits. Bei einem dritten Kind des Hch. 
(Balth.- H.: Friedr. Wilh. H. (getauft 14. April 
1817) vertreten der 1838 verstorbene Metropolitan 
5). und dessen zweiter Sohn Konr. Wilhelm (Apo 
theker, f 2. Oktober 1897) die Patenstelle. 
Nach den Eintragungen im „Saatbuch" zu ur 
teilen, ist außer Hafer kein Bodenerzeugnis ver 
kauft worden. So finden wir aus 1835 die Bemer 
kung: Hafer verkauft an Fuhrmann Hallenberg, 
30 Mesten, die Mest zu 71/2 g. Gr., tut 16 Fl. 
521/2 Kr. Oder: 15. Febr. 1841 an den Gastwirt 
Braun in Winterberg 212 Mesten Hafer verkauft, 
die Meste zu 73/4 g. Gr. Ferner: 1841, April, an 
Banns in Ernsthausen 110 Mesten Hafer verkauft, 
die Meste zu 7 g. Gr. Oder: 8. Jan. 1845 dem 
Ante in Hallenberg 120 Mesten,Hafer verkauft« 
ä 8 g. Gr. pr. Meste. Im Jahre 1847 kamen vier 
Posten Hafer zum Verkauf: 130 Mesten an Post- 
h(alter) Mause u Meste 171/2 Sgr., 30 Mesten nach 
Der Störenfried. 
Von der Kirche her brummten die Kontrabässe 
der Orgel durch das Dorf, und die Stimme der 
Gemeinde hob und senkte sich auf der feierlichen 
Choralmelodre wie das Schifflein auf der sanft be 
wegten Meeresflut. Nun verstummte der Gesang. 
Und die Stille stand auf den Gassen und in den 
Bauernhöfen. Alles atmete Sonntag. Die weißen 
Wölkchen, die geruhsam am blanken, blauen Himmel 
hinschwebten, die knospenden Bäume in den Gärten, 
die Wiesen mit ihrem frischgrünen Anhauch unten 
am. Bach und die Wintersaat aus den Bergäckern 
mit den braunen Felderstreisen dazwischen, die noch 
aus die Hand des Säers warteten, damit sie Hafer, 
Gerste, Wicken oder Erbsen in die Schollen streue: 
alles ivar wie Sonntag. Die geschlossenen Türen, 
Roda ä 23 Sgr., 25 Mesten ä 22 Sgr., 50 Mesten 
an Fuhrmann Böhle in Sachsenberg, ü Meste 
27 Sgr. 
Die Ernte des Jahres 1856 war vom Regen 
ungünstig beeinflußt, was folgender Zwischensatz im 
„Saatbuch" erkennen läßt: „Zur Warnung. Wenn 
wieder Korn gebunden wird in 1857, so sollen Hüte 
gemacht werden darauf." Regnerische Sommer hat 
es öfters gegeben. Im Jahre 1315 regnete es von 
Mitte März bis Ende September, 1405 von An 
fang August bis Neujahr 1406. 1468 blieb das Korn 
ungemäht auf den Feldern stehen, 1528 war von 
Ende Juli bis Mitte November nur 4 Tage trocke 
nes Wetter. Um die Ernte einfahren zu können, 
mußten 1579 die Wege mit Balken ausgelegt werden. 
Das 1585 in Haufen gesetzte Korn konnte man teil 
weise erst im Winter auf Schlitten vom Felde holen. 
Im Sommer und Herbst 1588 regnete es ununter 
brochen 23 Wochen, ebenso 1660 von Pfingsten 
bis spät in den Herbst, und 1752 herrschte erst im 
Oktober schöne Witterung. Regnerische Sommer 
waren auch die von 1790, 1866, 1868, 1910 und 
1924. 
Da der November und Dezember 1924 gelinde 
waren, entwickelt sich vielleicht wieder, wie im Jahre 
1920 das Pflanzenwachstum 1925 mehrere Wochen 
früher als in anderen Jahren. Seit 1882 hatte 
Norddeutschland eine so frühzeitige Entfaltung der 
Natur wie 1920 nicht mehr gesehen, wenngleich auch 
1905 und 1915 die Verhältnisse ähnlich waren. 
Am verderblichsten sind die in die Zeit der Obst 
blüte fallenden Fröste, wie im Frühjahr 1913. 
Nach statistischen Berechnungen ist der heißeste 
Tag des Jahres der 23. Juli. Die heißen Sommer 
treten immer gruppenweise aus. So folgten von 
1756 bis 1770 nacheinander 15 warme Sommer, 
von 1791 bis 1798 8 warme Sommer, von 1778 
bis 1783 6, und je 3 von 1826 bis 1828, 1857 bis 
1859, 1895 bis 1897, 1904 bis 1906 und 1911 bis 
1913. Die große Hitze hält gewöhnlich zwei Wochen 
und etwas darüber an. 
(Schluß folgt.) 
Dorfgeschichte von Heinrich Nuppel. 
die blinkenden Fenster, die sonnige Luft, kurzum 
Himmel und Erde sagten: Sonntag heute! 
Das sagte auch das frische, zufriedene Gesicht der 
Weppler-Dorthe, die lauschend den Kopf ins Freie 
steckte, während über ihr der warme Küchenbrodem 
dem Fenster entquoll. Jetzt sangen sie wieder. Da 
war die Kirche bald aus. Hurtig wandte sie sich dem 
Herde zu und ließ die rötlich aussehenden rohen 
Kartofselklöße in das brodelnde Wasser des Koch 
topfs fallen. Wenn die Mannsleut' samt dem 
Weiber- und Kindervolk aus der Kirche kamen, war's 
Zeit, die Schüssel mit den dampfenden Klößen auf 
zutragen. Das mußte fein abgepaßt werden. Kam 
sie zu spät, wurden die hungrigen Mannskerle un 
geduldig; kam sie zu früh, wurden die Klöße kalt
	        

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