Full text: Hessenland (37.1925)

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Bassin, wo auf den Seiten über 80,Fontainen 
und in der Mitte der Name Wilhelm springet. 
Der Garten ist nach einem ganz neuen und be 
sondern Geschmack. In der Mitten sind 3 Gär 
ten, nemlich ein Holländischer, ein Englischer 
und ein Französischer; auf den Seiten aber 
sind 4 verschiedene, wo die 4 Jahreszeiten vor 
gestellet sind. Also hat der nördliche Theil 
nichts als Tannen, Tax und Fichtenalleen; der 
Frühling zeigt uns das schönste Blumenreich 
mit verschiedenen Vögelhecken. Der Sommer 
giebt kühlende Früchte, als Melonen, Gemüse 
etc., und der Herbst lässet uns Reihen voll 
Obstbäume sehen. Mitten in dem Garten ist 
ein springendes Wasser, welches einen Cham 
pignon formiret. 
Die Chinesischen Gebäude, das Grotten und 
Cascaden Werk sind Meisterstücke der Kunst. 
Neben dem Garten liegt ein mehr durch Kunst 
als durch die Natur gemachter Wald. 
Des andern Tages [9. Julis sahe ich auf 
der Baracke das Exercice der Hessischen 
Soldatesque, welche nicht nur wegen ihrer 
Manoeuvres, sondern auch wegen der glänzen 
den Uniform und schönen Mannschaft gleich 
der Würtembergischen gesetzet zu werden ver 
dienet. Von hier gieng ich das Mockellhanß 
besehen, wo ich im kleinen jedes Stück und 
Gebäude sehe, was Hessen Caßel vorzügliches 
hat, worunter ich besonders Weißenstein und 
den Carlsberg rechne, welches Stück int Modell 
ich mit Erstaunen examiniret habe. 
Während meines Aufenthalts in Cassel war 
der iztregierende Landgraf nach Aachen unb 
Spaa der Wasser wegen gereiset. Die Land 
gräfin seine Gemahlin resickiret mit dem Erb 
prinzen und dessen Gemahlin aus dem Däni 
schen Hause zu Hanau. 
Ich wollte von hier aus Göttingen gehen, 
allein die unangenehme Nachrichten, welche 
man mir von diesem Wege gab, die hohen 
Felsen und Gebirge bey Hannöverisch 
Minden, die öden Gehölze und Waldungen, 
die verschiedene Zufälle, welchen viele Reisende 
auf diesem Wege sind unterworfen gewesen, 
alles dieses schreckte mich ab, diese Reise allein 
zu unternehmen. Ich nahm also den 9 ten 
Nachmittags Extraposte und fuhr über Geis 
mar, wo man sehr gesunde Bäder antrift, 
über Carlshafen, welches eine vom Land 
graf Carl au dem Weserfluß sehr angenehm 
und regulair. gebauete Statzt ist, und über 
Hoechster und über das Backerhorn'sche 
Städtlein Bücke nach Pyrmont, woselbst 
ich nach einer Tag und Nacht durch fort 
gesetzten Reise des andern Tages um 7 Uhr 
Abends ankam. Auf dieser kurzen Reise mußte 
ich nicht nur 2 mahl die Weser passiren, son 
dern ich hatte auch das Ungemach, durch ver 
schiedener Herren Lande zu kommen. Ich ver 
lasse kaum das Hessen Casselsche Gebiet, so 
komme ich aufs Backerdornsche, hierauf auf 
Hannöverisch, wieder auf Backerhornsch, von 
da auf der Abtey Corvey, zum drittenmal)! 
auf Backerhorner Gebiet, und endlich auf die 
Grafschaft Pyrmont. So oft ich ein ander 
Land betrete, so oft muß ich andere Münze 
bey mir führen, anderer Ungemächlichkeiten zu 
geschweigen." 
Die Vergiftung des Lakaien Bechstädt. Von paul Heidelbach. 
(S ch l u ß.) 
Schon als ein Knabe von 14 Jahren war 
Bechstädt immer niedergeschlagen und traurig, 
und es scheint, daß die häuslichen Umstände 
seiner Familie, welche durch seines Vaters 
Ausschweifung im Trünke sehr zerrüttet wor 
den, diese Gemüthsstimmung zunächst veran 
laßt haben. Sein Temperament war überdem 
sehr reitzbar, und unangenehme Ereignisse, be 
sonders wenn sein Ehrgefühl dadurch verletzt 
ward, machten einen tiefen Eindruck auf ihn. 
Die französische Occupation des Landes brachte 
ihn aus den Diensten des höchstseligen Kur 
fürsten in die Dienste des vormaligen Königs 
von Westphalen, worin er bald zum Oberlakai 
befördert wurde. In dieser Eigenschaft be 
gleitete er die Königin von Westphalen im 
Jahre 1813 nach Frankreich und verlebte eine 
geraume Zeit in Paris. Während der 3 letzten 
Monate seines dortigen Aufenthaltes verfiel 
Bechstädt in eine tiefe Schwermuth, die ihn der 
Verzweifelung nahe brachte. Nach der Aus 
sage einiger Zeugen, soll diese Gemütskrank 
heit nur die Folge eines hitzigen oder Nerven- 
Fiebers gewesen seyn; allein ein anderer Zeuge, 
der, weil er mit Bechstädt in Paris gewesen, 
unb diesen während seiner Gemüthskrankheit 
öfters besucht, die beste Kenntniß der Sache 
hat, behauptet ganz bestimmt: daß Bechstädt 
in Paris keine eigentliche Krankheit gehabt, 
sondern sich nur traurige Vorstellungen über
	        

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