Full text: Hessenland (37.1925)

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Illustrierte Istonatsblätter für Heimatsorschung, Kunst und Literatur 
Schriftleiter Paul Heidelbach, Kassel. Unter Mitwirkung von Bezirkskonservator Baurat Dr. H o l t in e y e r, Kassel, 
Direktor der Landesbibliothek Dr. Hopf, Kassel,-LyzeallehrerKeller,Kassel,-Staatsarchivrat Dr. Knetsch,Marburg,- 
Oberbibliothekar Professor I)r. Losch, Steglitz,- Schriftsteller Heinrich Ruppe l, Homberg,- Professor vr. Schaefer,- 
Kommissar für Naturdenkmalpflege im Reg.-Bez. Kassel und Geschäftsführer des Vereins für Naturkunde, Kassel ,- 
Geheimrat Universitätsprosessor Dr. Schroeder, Göttingen,- Universitätsprofessor Dr. Schwancke, Marburg,- 
Werner Sunkel, Marburg,- Professor Dr. Vonderau, Fulda,- Universitätsprosessor Dr. Wedekind, Marburg. 
— - 3m Einverständnis mit den Vereinen: ■ — 
Verein für hessische Geschichte und Landeskunde,- Hessischer Gebirgsoerein,- Knüllgebirgsverein,- Allgemeiner Deutscher 
Sprachverein, Kassel,- Verein für Naturkunde, Kassel,- Geologischer Verein, Marburg,- Biologische Vereinigung, Marburg,- 
Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck. 
- Bezugspreis vierteljährlich 1.50 Mark 
37. Jahrgang Heft 2 Februar 1925 
Hessisches aus alten ^eiseöeschreiöungen. Von vr. Carl Knetsch. 
Mit der Kavalierreise fanb die Erziehung 
und Ausbildung der jungen Prinzen im 16., 
17. und 18. Jahrhundert ihren Abschluß. Der 
junge Herr, der bisher nur theoretisch unter 
der Aufsicht der Eltern am heimischen Hof von 
Gelehrten, Hofleuten und Militärs auf ben 
künftigen verantwortungsvollen Berus des 
Fürsten vorbereitet worden war, sollte nun 
unter kundiger Führung die Welt sehen und 
im Verkehr mit Standesgenossen anderer Län 
der und Völker das noch Fehlende lernen, sich 
auch im Gebrauch der fremden Sprachen üben 
und sich weltmännisch zu bewegen lernen. Diese 
Reisen, die oft die manchmal noch recht jugend 
lichen Herrchen mehrere Jahre von der Heimat 
fern hielten und gelegentlich auch einen tra 
gischen Ausgang hatten, wie denn die Kasseler 
Landgräfin Hedwig Sophia zweimal oen 
Schmerz erleben mußte, daß ein Sohn von 
der Reise nicht zurückkam, sondern fern im 
fremden Lande starb, gingen nicht allein in 
die anderen deutschen Territorien, sondern nach 
Holland, übers Meer nach England, nach 
Frankreich, der Schweiz, nach Welschland. Gut 
unterrichtet sind wir über die Reisen des 
jugendlichen Landgrafeil Otto^, seines 
Stiefbruders Ernst, des späteren Landgrafen 
^ P h. Losch, „Eine Reise durch die belgischen 
Niederlande vor 300 Jahren" (Hess. Blätter 44. Jg. 1015, 
Nr. 4090—4095). 
zu Rheinfels-, und über die W i l h e l m s VII., 
des ältesten Sohnes Landgraf Wilhelms VI. 
und der Landgräfin Hedlvig Sophia, der 1670 
in Paris am Typhus enden mußte? Über 
manche andere Reise hessischer Prinzen sind 
noch unveröffentlichte Briefe und Berichte vor 
handen. 
Was die hohen Herren taten, fand natürlich 
Nachahmung beim Adel und der vornehmen 
Bürgerschaft. Und lvas man in fernen Landen 
erlebte, mußte man für die Erinnerung auf 
bewahren, man führte also ein Tagebuch, in 
das man alles, was einem begegnete, getreu 
lich und gewissenhaft notierte, um so mehr, 
als es damals Reisebücher in der Art uujerer 
Büdeckei? eigentlich kaum gab. 
„Sie hatten auch von nichts, wie Reisenden 
gebühret, 
Und stets der Deutsche tut, ein Tagebuch 
geführet."o 
2 C h r. v. H u e n e, „Landgraf Ernst von Hessen- 
Rheinsels" (Deutsche Rundschau, 1887). 
3 C. Knetsch, „Landgraf Wilhelms VI. Kavalier 
reise und sein Tod in Paris am 21. November 1670" 
(Oberhessische Blätter, Jan./Febr. 1921). 
4 Vgl. übrigens „Was man vor mehr als 150 Jahren 
über das Hessenland schrieb", im „Hessenland" 1887, 
S. 57—58, wo allerhand Hessisches aus einer 1718 in 
Augsburg erschienenen „Compendiösen Cosmographia" 
erzählt wird. 
5 F. W. Zachariae, „Das Schnupftuch", 1765, 
S. 11—12.
	        

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