Full text: Hessenland (37.1925)

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die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der be 
treffenden Zeiten. Der Fund wurde unter Hinzufügung 
eines weiteren Schriftstückes über die Ereignisse seit 1897 
dem Knopf des Turmes wieder einverleibt. 
A n s F u l d a. Die Abtei Fulda, die erste Pflanz 
stätte geistlicher Gelehrsamkeit in Deutschland, durch die 
Namen des Rhabanus Maurus, des Walafrid Strabo, 
Otfrids und Alkuins glänzend, besaß früh auch eine für 
die damalige Zeit bedeutende Bibliothek. For 
schungsergebnisse zn ihrer Geschichte, die zum Teil stark 
von den bis jetzt geltenden Ansichten abweichen, hat der 
Vertreter des Mittellateinischen an der Universität Mün 
chen, Professor Paul Lehmann, der ein Werk für 
die Bedeutung Fuldas als Schriftzentrum, Überlieferungs- 
und Bildungsstätte vorbereitet, kürzlich in einer Sitzung 
der bayrischen Akademie der Wissenschaften mitgeteilt. So 
hat er zum ersten Mal den ältesten, ins 8. Jahrhundert 
zurückreichenden Katalog aus der fast ganz radierten 
Niederschrift in einem Basler Kodex bekannt gemacht; 
um die seit dem 16./17. Jahrhundert ■ bis auf wenige 
Überreste zerstörte oder zerstreute Fuldaer Bibliothek zu 
rekonstruieren, hat er an der Hand der alten Titelzettel 
Einbände sowie unter Beobachtung des Schriftcharakters 
zwei Handschriften von Wolfenbüttel und eine von Kassel 
in ihrer Fuldaer Herkunft bestimmt. Besondere Behand 
lungen erfuhren dabei Einritzungen angelsächsischer Runen 
und lateinischer Texte auf Fuldaer Buchumschlägen des 
9. Jahrhunderts, zum Teil Zeugnisse des klösterlichen 
Lehrbetriebes. Um Anhaltspunkte für die zeitliche Be 
stimmung und Kennzeichnung der ältesten Codices zu 
gewinnen, wurden schließlich die drei Exemplare der 
Annales Fuldenses antiquissimi eingehender Untersuchung 
unterworfen. — Das städtische Museum besteht letzt 
50 Jahre. 1875 schenkte Bistumsverweser Hahne seine 
Sammlung von Altertümern, besonders fuldischen Ur 
sprungs, der Stadt, die dann sachkundig ausgebaut wurde. 
— Bei Ausschachtungsarbeiten vor dem Postgebäude 
wurden Grundmauern bloßgelegt, die offenbar die Fun 
damente des Kaufhauses der Stadt aus 1758 darstellen. 
A u s A f s e n h e i m (Kreis Friedberg). Graf Solms- 
Rödelheim in Assenheim hat in seinem hiesigen Schloß 
ein Museum eingerichtet, das in zahlreichen Räumen 
neben vielen Waffen, Rüstungen, Uniformen, Jagd 
trophäen und vielen Familienerinnerungen auch eine aus 
erlesene Sammlung prähistorischer und römischer 
Boden fünde birgt. Von besonderem Wert sind die 
Heddernheimer Altertümer: lebensgroße Votivhand aus 
Bronze mit einer Weihinschrift an Dolichenus. Dem 
selben Gott ist auch ein Steinaltar gewidmet, der gleich 
falls in dem Museum Aufstellung fand. 
Ans Geisa (Rhön). Entdeckung einer 
G r a b m u l d e. Vor einiger Zeit Ivurden in der hiesigen 
Gemarkung bei Rodungsarbeiten menschliche Gebeine ge 
funden. Planmäßige Grabungen förderten dann eine 
Grabmulde mit Schädel und Resten von Knochen und 
Asche zutage. An Grabbeigaben wurden die Bruchstücke 
von biet Tongefüßen gefunden. Nach den Untersuchungen 
von Professor Or. Bonderau in Fulda handelt es sich 
um ein Grab der La-Tenezeit. Professor Vonderau 
kommt auf Grund dieses Fundes zu dem Schlüsse, daß 
Bücherschau. 
T r a u d t, Valentin. „Kraft d e r T i e f e". Roman. 
Wes er-M ain-Verlag. 
„Vesuv und Ätna sind zerborsten. Ihre Gebirgsmassen 
werden in ungeheuren Erdwolken zum Himmel gefchleu- 
die Südgrenze des ehemaligen Kattengebietes bis zur 
natürlichen Verbindungsbrücke zwischen Vogelsberg und 
Rhön reichte. 
Aus Bebra. Professor vr. Fritz Kern von der 
Universität Bonn erzielte hier und in der Umgegend wich 
tige Ergebnisse auf dem Gebiet der Rasseforschung. Es 
ist festgestellt worden, daß sich Reste der Rasse, die Europa 
vor dem Eindringen der Jndogermanen benwhnte, in 
der Gegend von Friedewald erhalten haben. Auch in 
Bebra selbst und in Gilfershausen sind Vertreter dieser 
Rasse festgestellt worden. Tie Forschungen werden nock- 
fortgesetzt. - 
Aus W i tz e n h a u s e n. Beim Ausheben einer Grube 
an der Kapelle St. Michael kam man auf ein Massen 
grab, aus dem noch mehrere Schädel und sonstige Knochen 
hervorgeholt wurden. Das Grab ist dem Alter der 
Knochen nach schon vor Jahrhunderten angelegt worden 
und wird wohl aus der Pestzeit stammen, in der man 
die vielen Toten in den städtischen Befestigungsgraben, 
den jetzigen Stadtpark, warf, wo sie dann beerdigt 
wurden. 
Aus Heringen. Das im Mai dieses Jahres 
niedergebrannte und wieder hergestellte Gasthaus „Zum 
Stern" war vor 400 Jahren der Gemeinde Heringen 
von Philipp dem Großmütigen als Lehen übergeben 
worden. 
Aus N e u st a d t. Bei der Ausschachtung gelegentlich 
des Umbaues des Wohnhauses des Friseurs Krapp iu 
der Marktstraße stieß man auf die Ringmauer, mit der 
früher die innere Stadt umschlossen war. Gleichzeitig 
wurde eine große Steinkugel mit dem Mainzer Rad zu 
Tage gefördert. Diese hat jedenfalls zur Ausschmückung 
des Torturmes gedient, der an dieser Stelle gestanden 
hat. In früheren Zeiten besaß die Stadt zwei Tortürme, 
einen am Mombergertor und einen am Alsfeldertor. 
Jener wurde Anfang des 19. Jahrhunderts und dieser 
im Jahre 1788 auf Anordnung des Oberamts Amöne 
burg wegen Baufälligkeit abgebrochen. Zur Erinnerung 
an die Ringmauern führen noch heute zwei Straßen, die 
die Stadt kreisförmig umziehen, die Bezeichnung Mauer 
straße und Ringstraße. Reste der Ringmauern sind heute 
noch am Alsfelder Tor und bei der von Rabenau'schen 
Burg, Ritterstraße, zu sehen. 
Aus 5) e r s f e l d. In der Stistsruine stürzte vor 
einiger Zeit ein Teil der Turmmauer zwischen dem ver 
fallenen Turm und dem Vorraum ein. Die Steine sind 
wieder aufgesetzt. Neuerdings zeigen sich auch an dem 
noch erhaltenen Teil des Kryptagewölbcs schadhafte 
Stellen, deren Herstellung vor Ausbruch des Winters 
dringend zu wünschen ist. 
Aus S e l i g e n st a d t. Unter großem Fremden- 
zusrrom beging unsere" Stadt ihre und der Einhart- 
Basilika Elfhundertjahrseier. 
Aus Alsfeld. Ende August fand hier die Feier 
zum 400 jährigen Gedächtnis der durch Luthers Freund 
Tielemann Schnabel erfolgten Einführung der Refor 
mation in Alsfeld statt. 
dert. Sizilien versank im Meer..." Der Erzähler so 
mancher Geschichte von heimischer Scholle, der feine Beob 
achter und Kenner hessischer Bauernköpfe, hat diesmal 
einen Flug in ferne Weiten unternommen. Ein Zukunfts-
	        

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