Full text: Hessenland (37.1925)

269 
Vom geschichtlichen Atlas für Hessen und Nassau. 
Ein Bericht von Prof. Dr. Edmund E. Stengel, Marburg. 
In der großen Bewegung unserer Tage, die Hei 
mat und Landschaft als lebendige Zellen unserer 
nationalen Kultur in dieser selbst zur Geltung zu 
bringen trachtet, tritt stark hervor der Trieb nach 
wissenschaftlicher Vertiefung und zugleich nach volks 
tümlicher Verbreitung der landesgeschichtlichen Stu 
dien. Wie anderwärts hat dieser Zug auch in un 
serer engeren Heimat zweckvollen Ausdruck gefunden 
in dem ältere Pläne wieder aufnehmenden Unter 
nehmen eines geschichtlichen Kartenwerkes für den 
abschließen will und in absehbarer Zeit durch ein 
westfälisches Kartenwerk ergänzt werden dürfte. 
Ebenso ist damit zu rechnen, daß im Osten ein 
etwa die Werralinie haltender Atlas der Landschaft 
Thüringen entsteht. War uns damit unser Rahmen 
auf drei Seiten von vornherein fest gegeben, so 
wurde er im Süden auf das Natürlichste und in 
der für die geographische Karte sehr erwünschten 
Geradlinigkeit durch die Grenze der Rhein-Main- 
Linie geschlossen. Der von ihm umspannte Raum, 
Blick von der Tillyschanze bei Münden auf Fuldabrücke und Stadt. 
Aus Wehrhahn, »Wanderungen und Fahrten km Weserbergland" (Verlag C. V. Engelhard & Co. G. i». b. H„ Hannover). 
Westen Mitteldeutschlands. Der äußere Rahmen 
einer solchen Arbeit wird gerne mit Rücksicht auf 
gegebene geschichtliche Raumeinheiten abgegrenzt 
werden. Wo es aber nicht zu größeren territorialen 
Zusammenballungen gekommen ist oder wo diese 
sich im Laufe der Jahrhunderte stark nach der einen 
oder anderen Seite hin verschoben haben, wird man 
die Grenze nach praktischen Erwägungen ziehen 
müssen. 
Auszugehen ist dabei in erster Linie von den 
örtlich benachbarten Unternehmungen gleicher Art. 
Für unser Umland waren da nach Westen und Nor 
den die Grenzen festgelegt durch den älteren „Ge 
schichtlichen Atlas der Rheinprovinz" und den jün 
geren „Historischen Atlas von Niedersachsen", der 
mit dem Südrand von Hannover und Braunschweig 
gerade groß genug für ein Unternehmen, das die 
Klippe partikularer Enge ebensosehr meiden muß 
wie die Gefahr einer nie ans Ziel gelangenden 
Uferlosigkeit, enthält etwa das Land zwischen Werra- 
Weser, Rothaargebirge, Mittelrhein und Main, d. h. 
die Dreiheit Kurhessen, Oberhessen und Nassau (ein 
schließlich Waldeck, der jetzt westfälischen Kreise Witt 
genstein und Siegen sowie der Rheinlandenklave 
Wetzlar). In dem größten Teile dieses Gebietes 
überwiegen die auf Ausbildung geschichtlicher Ein 
heitlichkeiten gerichteten Züge; nirgends fehlen sie; 
nirgends sind auswärtige Zusammenhänge so ein 
flußreich, daß sie das Gefüge des gewählten Gesamt 
raumes sprengten. Von entscheidendem Gewicht für 
diese seine Absteckung war endlich die Erwägung, 
daß sich genau in den gleichen Grenzen auch ein
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.