Full text: Hessenland (37.1925)

Franken überweisen lassen, um den Hülfsbedürftigen 
von hieraus fernere Unterstützung zu geben, und 
auch von der Wohltätigkeit der Bewohner der Resi 
denz dürfen die Abgebrannten eine weitere Hülfe in 
ihrer trostlosen Lage erwarten. 
Unter höchster Genehmigung wende ich mich da 
her an das Publicum der Stadt Cassel mit der 
Bitte um eine milde Beysteuer für jene Unglücklichen. 
Ich verbürge eine zweckmäßige Verwendung der ein 
gehenden Beyträge, und es wird nicht nur deren 
Betrag demnächst öffentlich angezeigt, sondern auch 
von der Verwendung Rechenschaft gegeben werden. 
Die Quartier-Comisjarien der Stadt sina beauf 
tragt, die Subscriptions-Listen zur gefälligen Ein 
zeichnung der Beyträge vorzulegen; zugleich liegt 
auch in der Präfektur ein Register zu eben diesem 
Behuf offen und bleibt es jedem iiberlassen, seinen 
Beytrag entweder an den Quartier-Comissarius 
gleich abzugeben oder auf der Präfektur abzuliefern. 
Der Präfekt des Fulda-Departements 
(unterz.) von Reimann. 
Auf Befehl des Präfekten 
der Staatsraths-Auditor, General-Secretür 
des Departements. 
(unterz.) von Stralenheim." 
Die Quartierkommissare der Stadt waren gleich 
zeitig angewiesen worden, in ihren Quartieren Sam 
mellisten auszugeben. Am 11. Februar übersandte 
Kriegsminister Morio die an diesem Morgen in 
seinem Ministerium gesammelten 344 Francs 76 
Centimes (= 88 Taler 18 Hlr.), ein Teil seiner 
Angestellten hatte bereits in privaten Vereinigun 
gen gesammelt. Auch die Theaterdirektion veran 
staltete eine besondere Sammlung. Bis zum 25. Fe 
bruar waren außer den auf der Präfektur selbst 
gesammelten 6024 Fr. 9 Cts. bei dieser aus den 
Aus „Prinz Rosa-Stramin 
4. Vom L e n z b a ch e r Kirchenwesen. 
Bei uns ist in jeder christlichen Stadt, wie in 
einem frommen Menschen, eine Kirche. So hat auch 
Lenzbach eine Kirche, aber nur eine, und das ist 
gut, denn in der Residenz passiert's einem oft, daß 
man es läuten hört und weiß nicht wo? Die Lenz- 
bacher Kirche hat ein schönes Geläute. Dieser Um 
stand könnte dem Leser vielleicht unwichtig erscheinen, 
und die Weltgeschichte könnte sich wundern, daß ich 
ihr diese Lappalie aufgespart habe, allein es hat seinen 
Grund. Ich habe nämlich einmal eine Reise ge 
schrieben, und darin habe ich den Lenzbacher Wein 
als Essig an den Salat speisen lassen. Als die Rede 
ans den Lenzbacher Leseklub gekommen ist, hat's 
Flüche gesetzt. Da es aber bald bekannt wurde, daß 
ich cs war, der den Salat eingerührt hatte, so ist 
die Bombe, welche ein Lenzbacher schon gegen mich 
geladen hatte, nur aus besonderer Schonung gegen 
das Lenzbacher Stadtkind nicht losgebrannt worden. 
Aber Jean Paul sagt: „Verzage nicht, wenn du ein 
mal gefehlt hast, und deine Reue sei eine schönere 
Tat." Daher mache ich den Lenzbachern hiermit 
2 Quartierständen der Oberneustaot und den 10 
Quartierständen der Altstadt eingegangen insgesamt 
21 057 Fr. 88 Cts., wovon nach Abzug der Rech 
nungen 21 920 Fr. 43 Cts. als Bestand verblieben. 
Am 18. März brachte der „Moniteur" folgende Be 
kanntmachung: 
„In meinem und der abgebrannten Einwohner 
der Stadt Witzenhausen Namen sage ich hiermit 
allen Wohlthätern derselben aus den verschiedenen 
Teilen des Königreichs meinen wärmsten innigsten 
Dank. 
Wenn die Bereitwilligkeit, mit der die .ganzen 
umliegenden und selbst sehr entfernte Gegenden un 
aufgefordert die Unglücklichen mit Lebensmitteln, 
Bedürfnissen jeder Art und Geld unterstützt haben,, 
die froheste Empfindung einflößen mußte, so konnte 
man nicht ohne wahrhafte Rührung sehen, wie ein 
zelne aus der bedürftigsten Klasse, von Mitgefühl 
ergriffen, wirkliche Entbehrung sich aufzulegen be 
reit, einen kärglichen täglichen Erwerb zur Unter 
stützung darbrachten! 
Die Hauptstadt hat sich auch bei dieser Gelegen 
heit des ihr vor allen Städten des Reichs zu Theil 
gewordenen Glücks, unsern väterlich gesinnten Mon 
archen in ihren Mauern zu haben, würdig gezeigt, 
sie hat ein edles Bemühen an den Tag gelegt, den 
erhabenen Beispielen, welche täglich vom Thron 
herab gegeben werden, nachzukommen. 
Die daselbst für die abgebrannten Einwohner von 
Witzenhausen angestellte Collecte hat die Summe von 
21 270 Franks 16 Cent, eingebracht, welche mir 
von dem Herrn Präsekt von Reimann übergeben 
worden ist. 
Eschwege, den 12ten März 1809. 
A. v. Trott, Unterpräfekt." 
. Von Ernst Koch. 
zwei unverhoffte Freuden. Erstens nämlich erkläre 
ich den Lenzbacher Wein für gut, und zweitens be 
kenne ich hiermit öffentlich und mit aufrichtigem 
Gemüt, ohne Falsch und Hehl, ohne Vorbehalt und 
reservatio mentalis, so,wie ich es einst vor meinem 
Richter zu verantworten gedenke, daß das Lenzbacher 
Geläute sehr schön ist. 
Da meine damaligen Mitschüler bereits große 
Kerle geworden, auch in alle Welt zerstreut sind und 
ich sonach niemand mehr habe, mit dem ich noch 
einmal beim Mittagsläuten auf den Lenzbacher Kirch 
turm steigen und mich ans Glockenseil hängen kann, 
oder mit dem ich um die Kirche herum Räuber und 
Gensdarmen spielen, oder in der großen Kirchtüre mit 
gebrannten Tonkugeln schießen kann, so muß sich 
schon der Leser nolens volens bequemen, diese Dinge 
mit mir durchzumachen. Indessen ist es schon durch 
diese Worte geschehen, und der grimmige Gensdarm 
läßt hiermit den Leser wieder los. Vielleicht aber 
saust es ihm erhaben vor den Ohren, welche Er 
scheinung ich ihm gern erklären will. Es sind näm 
lich die Glocken auf dem Lenzbacher Turme, neben
	        

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