Full text: Hessenland (37.1925)

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traf aber den Feind dort nicht mehr an. Die 
weiteren Geschehnisse berührten das Werratal 
nicht. Im März 1633 hatten die Witzen- 
hüuser sogar die Freude, die Kompagnie ihres 
Landsmannes, des Majors Christian Motz, in 
ihren Mauern zu beherbergen, wenn auch nur 
für kurze Zeit. Im Februar 1634 war eine 
Kompagnie z. R. eingelagert. Ausführlicher 
sind die Nachrichten für 1635. Im Januar 
weilte Oberst Joh. Geyso hier, um im Auf 
träge des Landgrafen die Quartiere an der 
Werra zu besichtigen. Die Lage war dort sehr 
unsicher. Am 27. April fielen sogar 150 feind 
liche Reiter aus dem Eichsfeld im Gericht Bil 
stein ejn. Abterode, Vockerode und andere 
Orte wurden geplündert. 
Witzenhausen kam mit dem 
Schrecken davon. Schwe 
dische Hilfstruppen, die in 
der Nähe von Göttingen 
standen, hatten wohl dazu 
beigetragen. Im Juli 
traf dann die Leibkom 
pagnie des Obersten Geyso, 
die zu Anfang des Mo 
nats in Wildungen über 
fallen und nach tapferer 
Gegenwehr in Gefangen 
schaft geraten, inzwischen 
aber ausgelöst war, in 
Witzenhausen ein. Sie 
hatte nur mangelhafte 
Bewehrung und sollte neu 
geordnet werden. Am 
3. August erhielt sie Be 
fehl, sofort nach Kassel zu 
marschieren, um neue 
Musketen zu empfangen. 
Am 4. war sie dort, am 
5. kehrte sie frisch ausgerüstet nach Witzen 
hausen zurück. Schon am 20. wurde sie nach 
Westfalen abberufen. Als Ersatz wurde Oberst 
leutnant Motz mit seiner Kompagnie eingela 
gert. Landgraf Wilhelm hatte inzwischen einen 
Waffenstillstand mit dem Kaiser abgeschlossen. 
Die Kompagnie konnte daher längere Zeit 
bleiben. Zwar wurde sie am 27. für etwa 
3 Wochen nach Eschwege berufen, traf jedoch 
am 16. Oktober wieder in Witzenhausen ein. 
Auch ein schwedisches Regiment, das z. R. des 
Obristen Berghöfer (aus Melsungen), hatte 
im August auf dem Marsche nach Wildungen 
in Witzenhausen Nachtlager bezogen. Aus dem 
Rückmärsche im November kehrte es abermals 
hier ein. Der Winter verlief dann ruhig, 
ebenso Frühjahr und Sommer des Jahres 
1636, obwohl Landgraf Wilhelm Ende Mai 
den Waffenstillstand gekündigt und den Kampf 
wieder aufgenommen hatte. Erst mit Ablauf 
des Oktobers wurde es wieder lebhafter. Am 
2. November erschien ein kaiserliches Heer 
unter dem Feldmarschall Grafen von Götz von 
Westfalen her an der Werra und lagerte sich 
zwischen Hedemünden und Göttingen. Das 
Hauptquartier kam nach Hedemünden. Im 
Dörfchen Bischhausen wurden 3 Regimenter, 
in Witzenhausen nur ein schvaches eingelagert. 
Am 4. erfolgte unter dem Drucke nachrückender 
Schweden und Hessen der Weitermarsch. Tie 
Hauptmasse benutzte dazu die Furt unterhalb 
der Stadt. Die Witzen- 
häuser Besatzung, das 
Dragonerregiment Klep- 
ping und 50 Musketiere, 
zog durch den Hohlweg 
am Johannisberg. Hier 
bei wurde sie von den: in 
der Gegend wohlbekann- 
ten Major v. Bischhausen 
vom Regiment des hessi 
schen Obersten E. A. v. 
Eberstein bemerkt, cutge* 
griffen und vollständig 
aufgerieben. Götz selbst 
zog über Oberrieden iwtb 
Sooden weiter nach Thü 
ringen. Witzenhausen 
wurde danach durch eine 
Kompagnie vom grünen 
Leibregiment z. F. unter 
dem Hauptmann Grafen 
Christian v. Nassau, einem 
Schwager des Landgrafen, 
gesichert. Der Paß war 
jetzt besonders wichtig für die Rückkehr des 
Landgrafen aus Holland und Bremen und 
für ein in der Nähe stehendes schwedisches 
Heer unter dem General Leslie. Dieses ging 
am 27. Dezember über die Brücke und zog 
dann auf Hardessen. Auch 6 hessische Regi 
menter folgten ihm zur Unterstützung. Es 
waren das grüne Leibregiment z. R. unter 
Oberstleutnant v. Eppe, die Reiterregimenter 
E. A. v. Eberstein und 5). W. v. Dalwigk, 
die Hälfte des grünen Leibregiments z. F. so 
wie zwei Fußregimenter unter dem Obersten 
I v. Nizeth und dem Oberstleutnant v. Baum 
bach. Keiner aus der stattlichen Schar ahnte 
wohl, daß sie erst nach Jahren und in sehr ver 
minderter Zahl die Heimat wiedersehen sollten. 
Obrist Motz.
	        

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