Full text: Hessenland (37.1925)

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Ruhepause, die der Werragegend dadurch be 
schert ward, wurde jedoch bald wieder unter 
brochen. Vom Main her nahte das neugebil 
dete Heer Wallensteins. Im September erschien 
es im Werratal. Wallenstein selbst nahm sein 
Hauptquartier in Eschwege. Allendorf und 
Witzenhausen wurden besetzt und behielten ihre 
Einlagerung auch nach dem Abzug der Wallen- 
steiner. Wie furchtbar diese im Lande hausten, 
ist bekannt. Kaum war diese Prüfung über 
standen, da rückte der bayrische Oberst v. Merode 
mit 6000 Mann in Hessen ein und erzwang 
sich Aufnahme in Eschwege. Er hauste wie in 
Feindesland. Allendorf ward von ihm durch 
Unbedachtsamkeit der Bürger überrumpelt. 
Witzenhausen konnte eben noch vor ihm gerettet 
werden. Große Erleichterung brachte dies den 
Bürgern aber auch nicht, fortwährend mußten 
sie auf der Wacht liegen, dazu schwere Liefe 
rungen aufbringen. Im Frühjahr 1626 schien 
endlich die Erlösungsstnnde zu schlagen. Merode 
räumte das Land. Gleichzeitig zog Herzog 
Christian v. Braunschweig heran, das Hessen 
land zu befreien. Aber er lockte nur Tilly 
wieder heran, der bei Allendorf und Eschwege 
über die Werra setzte, ihn verjagte, dann die 
Stadt Münden eroberte und ein furchtbares 
Blutbad in ihr anrichtete. Damit begann auch 
für Witzenhausen wieder eine neue Leidenszeit. 
Schwer lastete die fremde Einlagerung auf dem 
Lande. Lieferung auf Lieferung verlangte sie, 
dazu gute Verpflegung. Nur mit Mühe konn 
ten die Bürger den oft maßlosen Forderungen 
nachkommen. Trotz dieser Not standen sie aber 
treu zu ihrem Fürsten. Auf mehreren Land 
tagen unterstützten sie seine auf die Befreiung 
des Landes gerichteten Pläne. Schmerzbewegt 
empfanden sie seine Abdankung im Jahre 1627. 
Trauernd mußten sie auch mit ansehen, wie die 
Bemühungen seines Sohnes und Nachfolgers, 
Wilhelm V., um Herbeiführung eines besseren 
Verhältnisses mit dem Kaiser an dessen Starr 
sinn scheiterten. Wenig gefiel es ihnen auch, 
daß sie infolge der Auseinandersetzung zwischen 
den Kindern erster und zweiter Ehe des Land 
grafen Moritz mit dem Amt Ludwigstein der 
sog. Rotenburger Quart zugeteilt und so der 
unmittelbaren Herrschaft der Hauptlinie ent 
zogen wurden. 
1631 trat dann das Hessenland im Bunde 
mit dem Schwedenkönige und der Mehrzahl der 
deutschen evangelischen Fürsten selbst in den 
Krieg ein. Neue Truppen wurden aufgestellt. 
In der Quart erstand das weiße Regiment 
z. F., das dem Befehle des seitherigen Amt- 
nranns zu Eschwege, des kriegserfahrenen 
Oberstleutnants Johann Geyso, unterstellt 
wurde. Von Witzenhausen trat der Amtmann 
vom Ludwigstein, Franz Ulrich Wasserhun, 
als Hauptmann ein. Er wurde vom Land- 
grafen sehr geschätzt, fiel aber leider schon 1636 
beim Entsatz von Hanau an der Spitze seiner 
Kompagnie. Seine Söhne Johann Jakob und 
Nikolaus finden sich später ebenfalls im Regi 
ment. Ein anderer Witzenhäuser, der wackere 
Christian Motz, ein Sohn des Bürgermeisters, 
stand bei der Erhebung Hessens zwar in frem 
den Kriegsdiensten, verließ diese aber sofort 
und wurde dann gleichfalls Hanptmanll inr 
weißen Regiment, 1633 Oberstwachtmeister und 
1634 bereits Oberstleutnant. 1646 erhielt er 
dann als Oberst das schwarze Regiment z. F. 
Ein Bruder oder Verwandter von ihm — Lo 
renz Motz — findet sich 1636 als Leutnant im 
grünen Leibregiment z. R. Von 1640 an führte 
er als Kapitänlentnant die fürstliche Leib 
kompagnie. Die Namen der übrigen Witzen 
häuser, die dem Beispiele der genannten Of 
fiziere folgten, sind uns leider nicht überliefert. 
Es werden aber nicht wenige gewesen sein. 
Ehre auch ihrem Andenken! 
Die Schilderhebung Hessens veranlaßte Tilly 
wieder nach Hessen zurückzukehren, um die Be 
wegung zu ersticken. Er gelangte auch bis 
Eschwege, wurde dann aber schleunigst ab 
berufen. Bei diesem, wie bei einem zweiten 
Einfall in Hessen blieb Witzenhausen erfreu 
licherweise verschont. Dagegen hörten die Bür 
ger im März 1632 von einer Frau, die bei 
der Erstürmung von Magdeburg von einent 
Trompeter weggeführt wurde und nun hier 
mit einem Kinde niederkam, von den Greueln, 
die Tillys Soldaten dort begangen hatten. 
Manch einem mag da das Herz ängstlich ge 
schlagen haben, wenn ihnen der Krieg auch 
nichts Fremdes mehr war. Längst standen sie 
ja im Strudel der Ereignisse. Am 19. Januar 
war Landgraf Wilhelm selbst mit seinen jungen 
Truppen durch Witzenhausen gezogen, hatte 
auch bei ihnen übernachtet, um dann feinen 
Marsch nach dem Eichsfeld fortzusetzen. Im 
Mai tauchten dann wieder Feinde unter Pap 
penheim auf. Sechs Kompagnien davon be 
setzten die Stadt, wurden aber am 13. Juni 
vom hessischen Oberbefehlshaber Th. A. v. Us 
lar überfallen und vernichtet. 200 von ihnen 
fielen, darunter ein Major, an 200 wurden 
gefangen, dazu 2 Fähnlein erbeutet. Nur 
wenige konnten entfliehen. Eine starke Ab 
teilung der Hessen streifte noch bis Allendorf,
	        

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