Full text: Hessenland (37.1925)

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1. Teil (Sexta) fließt der reiche Born hessischer Sagen, 
die vor allem Emil Schneider, Otto Stückrath und Karl 
Wehrhan übermitteln. Märchen und Erzählungen fehlen 
daneben so wenig wie die Beziehungen zum Leben. Der 
2. Teil (Quinta) beginnt mit Poesie und Prosa über 
„Haus und Familie" und führt über „Menschenleben und 
Menschenschicksal", die ohne „Arbeit und Wirtschaft" un 
denkbar sind, zu den Abschnitten „Naturleben" und 
„Unsere Heimat". Zu den im 1. Teil schon Erwähnten 
tritt A. F. C. Vilmar mit seinem hessischen Historien- 
büchlein. „Deutsches Land", „Bon Göttern und Geistern" 
und „Aus deutscher Lage und Geschichte" beschließen den 
Band. Im 3. Teil (Quarta) treten als neue Abschnitte 
„Mensch, Natur und Gott", „Aus fremden Ländern" und 
„Aus dem Altertum" auf. Der Heimatteil leitet von der 
Sage über zu Berichten über die hessische Landschaft und 
das hessische Dorfleben, wie Bertelmann, Bock, Schwalm 
und Ludwig Friedrich Werner sie erlebten, um nur einige 
zu nennen. In Teil 4 (Untertertia) ist dem fortgeschrittenen 
Alter der Tertianer Rechnung getragen. „Kamps ums 
Deutschtum" ist ein Kapitel überschrieben. Ein Glück, 
daß die Gedanken für die deutschen Brüder jenseits der 
Grenzpfähle wach erhalten werden. „Ein Gang durch 
die Geschichte": Hier wird dem Geschichtsunterricht reiches 
Material geboten und dem Schüler durch Abschnitte aus 
Werken unserer besten Schriftsteller und Dichter ein Bild 
ausschnitt vergangener Zeiten gezeigt. Teil 5 für Ober 
tertia bringt unter „Arbeit und Wirtschaft" u. a. Lebens 
beschreibungen von Alfred Krupp und Ernst Abbo. „Un 
sere Heimat" beleben wieder Aufsätze von Bertelmann, 
Sternberg und W. H. Riehl. „Deutsches Land", „In 
deutscher Mundart", „Des Volkes Sinnen und Singen" 
leiten zu „Kunst und Künstlern" über. Wer fand in äl 
teren Lesebüchern dergleichen? In „Um die weite Welt" 
hören wir u. a. „Aus den Briefen eines Amerika 
fahrers" von Joh. Gillhof. Deutsche Geschichte von 1848 
bis zur Gegenwart in Aufsätzen und Gedichten macht 
den Beschluß. — Trocken und dürftig ist die kurze In 
haltsangabe. Der Raum verbietet, an dieser Stelle näher 
auf alles einzugehen. Wer zu dem Werke greift, wird es 
nicht bereuen und lebhafte Anregung die Fülle erhalten. 
Zuin Schluß und doch nicht zuletzt sei auf die hervor 
ragende Ausstattung der einzelnen Bände mit Abbil 
dungen hingewiesen. Alle deutschen Meister sind ver 
treten. Wenn all die Schätze für unsere Jugend aus 
gewertet werden, dann wird sie mit geschürftem Blick 
prüfen und wahre Kunst würdigen lernen. Dr. Zeis. 
Reiseliteratur. 
Der Grieben-Verlag Albert Goldschmidt (Berlin W. 35) 
hat wieder eine ganze Anzahl seiner bewährten Grieben- 
Reiseführer in neuen Auflagen und vorkriegsmäßiger 
Ausstattung erscheinen lassen. Zum ersten Mal seit dem 
Krieg erscheint „Die Schweiz" (27. Ausl, mit 23 
Karten, Preis 7,50 M in Ganzleinenband). Praktische 
Vorbemerkungen und „Reisepläne" dienen denen, die zum 
ersten Mal zur Schweiz fahren. Besondere Kapitel be 
handeln Land und Leute, Gliederung, Gebirgsaufbau, 
Gletscherbildung, Tier- und Pflanzenwelt, Geschichte und 
Verfassung der Schweiz. Alle neuen Straßen und Bahnen 
sind sorgfältig berücksichtigt, auch das Kartenmaterial 
erheblich bereichert. Die Nordostschweiz wurde mit zwei 
neuen Karten bedacht, touristisch besonders bevorzugte 
(Legenden wie das Zentralgebiet des Berner Oberlandes 
(Jnterlaken — Grindelwald — Jungfrau), die Umgebung 
von Engelberg, St. Moritz—Pontresina und Lugano 
erhielten Spezialkarten im Maßstab 1 : 75 000 bis 
1 :125 000. Basel und Jnterlaken erhielten Orien- 
tierungspläne, in sämtlichen Karten sind die wichtigen 
Alpen-Kraftpostlinien eingezeichnet. Eine sich auf die 
beliebtesten Gegenden beschränkende kleine Ausgabe (4 M) 
ist in Vorbereitung. — In 4. Auslage erschien ferner 
Griebens Reiseführer „Engadin und Davos 
mit 3 Karten (Preis 2 M), in 10. Auflage (gleich 
falls 1925) mit 8 Karten und 2 Grundrissen „Die 
drei Oberitalienischen Seen und Mai 
land" (Preis 2,50) ; dieser Führer führt im wesent 
lichen durch das Gebiet des Lago Maggiore, Luganer 
und Comer Sees; außerdem sind die Zugangswege von 
der Schweiz her sowie die wichtigeren Seitentäler be 
schrieben. Me Beschreibung von Mailand enthält alles, 
was der Reisende wissen will. Der von den Deutschen 
stets bevorzugte Gardasee ist in 2. Auflage behandelt im 
„Gardasee mit Verona und Brescia " (mit 
8 Karten, Preis 1,75 M). Von besonderem Interesse 
sind hier die zahlreichen Hinweise auf die Ereignisse und 
Folgen des Weltkrieges, in dessen Frontlinie das Nord 
user des Sees lag. Der Band „Zürich und Um 
gebung" (mit 2 Karten, Preis 1,25 M) erscheint 
1925 zum ersten Mal und behandelt außer Zürich und 
seiner näheren Umgebung u. a. auch Baden und die 
User des Züricher Sees. Da die Grieben-Führer sich 
schon vor dem Krieg als sichere Begleiter und mit ihren 
Verkehrsverbindungen, Fahrpreisen, zusammengestellten 
Reiserouten als durchaus zuverlässig erwiesen haben, sind 
sie zu empfehlen. 
Den zahlreichen Romfahrern dieses Jahres wird An 
ton de .Waals „ R o m p i l g e r ", dessen 11. Auflage 
I. P. K i r s ch soeben bei Herder in Freiburg i. Br. 
neu bearbeitet herausgab (mit 21 Plänen, und Kärtchen, 
einer Eisenbahnkarte von Italien, einem großen Plan von 
Rom und 83 Bildern; 456 S., Preis in biegsamem Leinen 
8,60 M) gute Dienste leisten. Der bekannte Archäologe 
hat den besonders von Katholiken viel gebrauchten Führer 
bis auf die jüngsten Ausgrabungen und Funde ergänzt. 
Der Band kommt dem Reisenden mit zahlreichen Winken 
und Ratschlägen entgegen und begleitet ihn von den Al 
pen bis nach Neapel hinab. — Aus zwanglosen Reise 
schilderungen in der Fuldaer Zeitung entstand das gleich 
falls besonders für katholische Romfahrer bestimmte Merk 
chen von I. K o l l e „ N a ch R o m ", das dessen Reise 
eindrücke bei seiner Fahrt zu Ostern 1924 wiedergibt 
und mit lebendiger Schilderung mancherlei Ratschläge 
verbindet. — 1 — 
Georg Heinrichs, seit 1913 Musiklehrer am 
Homberger Lehrerseminar, hat sich nicht nur um das 
Musikleben der alten Efzestadt durch Veranstaltung wert 
voller musikalischer Aufführungen größerer Konzertwerke, 
sondern auch um die im allgemeinen wenig gepflegte 
hessische Musikgeschichte sehr verdient gemacht. Vor uns 
liegt schon das 4. Heft seiner „Beiträge zur Ge 
schichte der Musik in K u r h e s s e n ", das sich 
mit der Person Georg Christoph Grosheims beschäf 
tigt, der als Musiklehrer am (damals Kasseler) Seminar 
gewissermaßen zu den Vorgängern des Verfassers gehört. 
Es ist eigentlich nur die Selbstbiographie, die Grosheim 
in Justis Fortsetzung der Striederschen Gelehrtengeschichte 
veröffentlichte, aber aus dem kleinen Aufsätzchen ist durch 
Heinrichs Zusätze und Einschübe ein Mosaik geworden, 
das zahlreiche Einzelheiten des Kasseler Musik- und 
Theaterlebens um die Wende des 18. und 19. Jahr 
hunderts enthüllt. Wer da weiß, wie schwer es ist, in 
einer kleinen entlegenen Landstadt sich die Materialien 
zu solchen Studien zu beschaffen, der wird H.'s Arbeiten 
richtig einschätzen können. Sie sind im Kommissions 
verlag von F. Settnicks Nachs. (Wilh. Klüppel) in Hom 
berg erschienen. Ph. L.
	        

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