Full text: Hessenland (37.1925)

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bruder Freundschaft, muß, als Mädchen ver 
kleidet, fliehen, und nun beginnt ein ruheloses 
Wanderleben. Er dient nacheinander als Sol 
dat bei den Schweden und Kaiserlichen, wird 
unter dem Namen des „Jägers" berühmt und 
gefürchtet, hat als Streifscharenführer man 
cherlei Abenteuer, wird, diesmal von den 
Schweden, gefangen und nach Lippstadt ge 
bracht, vertreibt sich hier die Zeit mit Lektüre, 
heiratet die Dochten, eines schwedischen Obersten, 
geht von Köln aus mit jungen Edelleuten nach 
mat zurück, um hier sein Leben als Einsiedler 
zu beschließen. In einem sechsten Buch hat der 
Verfasser dem Roman nachträglich noch eine 
Fortsetzung gegeben. Simplizius wird aus 
einem Waldbruder wieder ein Wallbruder, 
durchzieht die Schweiz und Italien und schifft 
sich nach Alexandria ein. Bei den Pyramiden 
wird er von Räubern gefangen genommen, die 
ihn als wilden Mann sehen lassen, wird dann 
befreit, erleidet bei Madagaskar Schiffbruch, 
wird au eine paradiesische Insel getrieben und 
Wie Simpltzius zu den Hexen auf den Tanz gefahren. Zeichnung von E. Gottwald. 
Paris, wo er allerlei galante Abenteuer hat, 
wird auf der Rückreise in Deutschland aus 
geplündert, zieht dann als Quacksalber durch 
die Lande und wird dann wieder in den Stru 
del des Kriegslebens hineingerissen. Er nimmt 
Dienst beim kaiserlichen Heer, wird verwundet, 
verheiratet sich nach dem Tod seiner Frau zum 
zweiten Mal, kauft sich nach dem Ableben auch 
dieser Frau ein Bauerngut, nimmt seine 
Pflegeeltern zu sich, geht dann aber nach Liv 
land, tritt in Moskau in die Dienste des Zaren, 
wird mit Undank belohnt und kehrt in die Hei 
schreibt hier die Geschichte seines Lebens. Es 
ist dies die erste Robinsonade, denn erst im 
Jahre 1719 erschien dann in England Defoes 
„Robinson Crusoe", der zahlreiche Nachahmun 
gen im Gefolge hatte. 
Wenn man auch den Helden des Romans 
nicht mit dem Verfasser identifizieren darf, so 
hat man doch überall den frischen Eindruck des 
Selbsterlebten. Das Lagerleben der Solda 
teska, das Leben der Bauern, des Bürgers, des 
Adels, das alles wird nach Art niederländischer 
Genrebilder in rücksichtslosem, vor Derbheiten
	        

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