Full text: Hessenland (37.1925)

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gestaltung des Holzmarktes und weiter ein in 
der Gegend der Maulbeerplantage geplanter 
Stadtteil mit einem großen, nach der Fulda 
zu offenen Platz. Auch sein Projekt zum Er 
satz der aus 1383 stammenden, im sieben?- 
jährigen Krieg beschädigten Siechenhofkapelle 
wurde nicht ausgeführt, ebenso die 1813 an 
Stelle der Schiffbrücke unterhalb des Schlosses 
geplante neue Fuldabrücke. Auch sein in einem 
Modell von Blaue stecken gebliebener Entwurf 
zur Wiederaufrichtung der durch Jerome zer 
störten Kolonnaden sei noch erwähnt. Wie liebe 
voll und mit welcher Sorgfalt sich Jussow in 
solche Entwürfe und Pläne vertiefte, zeigt ein 
in meinem Besitz befindlicher Plan des Schlos 
ses und Parkes zu Weißenstein aus der Zeit 
um 1790. 
Leider ist uns von Jussow, der wie Stein 
hofer unvermählt starb, nichts an Briefen und 
autobiographischen Aufzeichnungen erhalten, 
die uns seine Persönlichkeit menschlich näher 
bringen könnten. Die Zeitgenossen schildern den 
hochgewachsenen Künstler mit dem ernsten und 
doch milden Antlitz als einen Mann von wür 
diger Haltung, der einfach in seinem Leben, 
bescheiden und offen in seinem Tun, nicht viel 
Worte machte, dann aber gediegen und treffend 
sprach, der die Hochschätzung seiner dankbaren 
Schüler — auch sein Neffe, der berühmte Ar 
chitekt Hannovers, Laves, gehört zu ihnen — 
und die Anerkennung selbst des Auslandes 
genoß. 
Während der Wilhelmshöher Bautätigkeit 
bewohnte Jussow die „Bagatelle" in Mulang 
(Nr. 8 ^ 2 , Neumann); später siedelte er in den Ost-.. 
flügel des Marstalls über. In Kassel bewohnte er 
das Prtzvotsche Hans neben dem alten Rat 
haus, Ecke Fünffenster- und Karlsstraße (IO), 
dasselbe, in dem auch der „Bolkstribnn" Fried 
rich Oetker eine Zeitlang wohnte. 
Trotz mehrfachen ehrenvollen Berufungen 
nach auswärts blieb er seinem hessischen Vater 
lande treu. Nach langwieriger Krankheit ver 
schied er 71 jährig am 26. Juli 1825 und 
wurde auf dem alten Kasseler Totenhof, dem 
jetzigen Lutherplatz, beigesetzt, unmittelbar vor 
dem von ihm errichteten Mausoleum der 1820 
verstorbenen Kurfürstin Karoline. Sein von 
einer schön gewachsenen Traueresche beschat 
tetes Grab bedeckt eine leider schon stark ver 
witterte rechteckige liegende Sandsteinplatte. 
Sie trägt die Inschrift: 
Heinrieb Christoph Jussow 
geb. zu Cassel den IXten Dec: MDCCLIY 
gest: daselbst den XXVIsten Jul: MDCCCXXV 
Kurfürstl. Hess. Oberbaudirektor, 
Commandeur des Löwenordens. 
„Sein Denkmal sind seine Werke, — 
Drum anspruchslos, wie er im Leben, 
Deckt dieser Stein 
Was sterblich an ihm war.“ 
Die Bagatelle. 
Stich von F. Schröder nach einer Zeichnung von G. Kobold jun. 1800. 
(Aus Paul Heidelbach, „Geschichte der Wilhelmshöhe".)
	        

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