Full text: Hessenland (37.1925)

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aufsehers auf eine Schmugglerbande von 33 
Personen aus Gottsbüren. Die beiden Zöll 
ner griffen die Bande sofort an, sprengten sie 
auseinander, jagten ihnen viele Packen ge 
schmuggelter Waren ab, worunter sich allein 
mehrere Zentner Kochsalz befanden, machten 
mit Hilfe von vier nachgekommenen Grenz 
aufsehern sechs Gefangene und stellten die 
Namen sämtlicher Beteiligten fest, die auch alle 
zur Bestrafung gelangten. 
Besonders günstig für den Schmuggler war 
das Hochwasser der Weser, bei dem ein 
Herüberschaffen der Waren unbemerkbar ge 
schehen konnte. Nach einem solchen Hochwasser 
besetzte Obergrenzkontrolleur Landgrebe im 
im Frühjahr 1850 mit 15 Grenzaufsehern 
Heinrich Bertelman 
Am 15. September 1866 wurde Heinrich 
Bertelmann in Niedermeiser im Kreise Hof 
geismar geboren, in jenem stillen und ver 
schwiegenen Dorfe, dessen Seele Marie Martin, 
die hessische Pfarrerstochter, entschleiert hat in 
ihrem weitbekannten Buche vom „Deutschen 
Heimatglück". Und es müssen starke Kräfte 
aufsteigen aus den Heimatschollen jenes Dörf 
chens im Warmetale; denn wo auch des Lebens 
Welle beu Sproß aus altem Bauerngeschlecht, 
der Lehrer wurde, hinwarf, immer wieder zog 
es ihn zurück ins Vaterhaus. 
An ihm hat sich das Wort bewahrheitet: 
„Die Heimat ist der Schlüssel zu der Seele des 
Menschen. Dann aber gibt es Menschen, die 
der Schlüssel zu ihrer Heimat sind." Er hat 
in dem zweiten Bande seines Wanderbuches: 
„Hessische 5) ö h e n l u s t" seines Heimat 
dorfes Schönheit aufgeschlossen vor den Blicken 
der Menschen. Was aber sich auf den Straßen 
und Plätzen begeben, was in den Häusern und 
Seelen der Menschen lebte und geschah, was 
an alter Art und neuer Sitte hier lebendig 
war, das hat er in den feinen Erzählungen 
geschildert, die nach seinem Tode von Paul 
Heidelbach herausgegeben wurden in dem Bänd 
chen „ U nter der L i it d e". Ein heiliges Ver 
mächtnis aber hat es überkommen, zu wahren 
die Kräfte seiner Seele, damit auch die Worte 
seines Sohnes Heinrich Bertelmann von kom 
menden Geschlechtern ihm gewidmet werden 
können: 
„Heimat, stilles Dorf am Bach, 
du meiner Seele Brautgemach, 
mit dem Lindenstrauß 
und dem Vaterhaus, 
Lippoldsberg und nahm dann zahlreiche Haus- 
snchungell vor. Viele Zentner Salz, Kaffee, 
Zucker itub Wein wurden als Schmuggelware 
beschlagnahmt. Für mehrere hundert Taler 
Kolonialivaren und Salz wurden von den 
Besitzerir aus Angst vor der Entdeckung in 
die Weser geworfen. Ein langjähriger Haupt- 
schmuggler, David Liebenberg, wu/de auf der 
Tat ertappt. 
Nach dem Anschluß Hannovers an den Zoll 
verein aln 1. Mai 1854 war es mit dem 
Schmuggel natürlich zu Ende. Das war ein 
Glück für das Oberwesertal. Denn es ist eine 
unbestrittene Tatsache, daß die Bevölkerung von 
Gegellden, in denen der Schmuggel herrscht, 
mit der Zeit völlig demoralisiert wird. 
N. Von Fritz Keller. 
mit den fliederumflossenen heiligen Truhn, 
drin meine Herzallerliebsten ruhn. — 
Was mir auch im Leben verblühte, verblich — 
Dich grüße ich!" 
. Soviel ihm auch sein Heimatdorf gab und 
soviel er ihm verdankte, er umfaßte mit seiner 
Liebe und seinem dichterischen Schauen mehr: 
Es rauschen die Wälder, 
es rauschen die Felder, 
es rauschen Berg und Tal. 
Es klingen die Weiten, 
es singen die Zeiten 
den hessischen Heimatchoral." 
Der hessische Heimatchoral war Bertelmanns 
Lebensmelodie. Er stand auf der letzten der 
drei (Stufen, von denen der niederdeutsche Dich 
ter Gorch Fock, der mit ihm in glühender 
Heimatliebe eins lvar, sagt: „Es gibt drei 
(Stufen: Die erste: der Heimat den Rücken 
kehren, beit Himmel stürmen wollen, die Welt 
aus den Angeln heben; die zweite: sich, der 
Welt gram, der Heimat wieder zuwenden, in 
ihr alles sehen, sie zum Mittelpunkt alles 
Lebens machen, die Welt da draußen verachten; 
die dritte und höchste: mit der Heimat im Herzen 
die Welt umfassen, mit der Welt vor Augen 
die Heimat liebend und bauend durchdringen." 
Heimatliebe hatte ihn geworben, ihn tief 
schauen lassen in ihren unerschöpflichen Born 
und ihm entschleiert, was vor aller Augen 
liegt, den meisten doch verborgen ist. So 
lange Heimatknnst in hessischen Gauen nicht 
nur ein Schlagwort, sondern ein Klang voll 
seelischen Inhalts ist, solange wird man um 
sein Bild einen frischgrünen Bergkranz schlin 
gen aus heimischen Wäldern, ihm, der seiner 
Heimat treuester Sohn war. Der niedersäch-
	        

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