Full text: Hessenland (37.1925)

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früher Mönch des Klosters Fritzlar war und 
dem er auch neben Lullus, dem Erzbischof von 
Mainz, sein Buch widmet. Er schildert aber 
die Eichenfällung mit den Worten: Bonifatius 
fällte die Donareiche an einem Orte, der Geis 
mar heißt. Willibald schrieb diese Worte ums 
Jahr 765, also etwa vierzig Jahre nach der 
Gründung Fritzlars. Fritzlar war damals 
schon weit und breit bekannt. Hätte nun die 
Donareiche da gestanden, wo im Jahre 765 das 
weit und breit bekannte Fritzlarer Petrikloster 
mit seiner Petrikirche stand, so konnte Willi 
bald unmöglich schreiben: Bonifatius fällte 
die Donareiche an einem Orte, der Geismar 
heißt. Er hätte dann sicherlich geschrieben: im 
Orte, der Fritzlar heißt. Und er hätte so ge 
schrieben, selbst wenn man mit Landau an 
nimmt, daß Fritzlar 723 noch nicht besiedelt, 
zum Flurbezirk Geismar gehört hätte. Auf 
Fritzlars Höhe hat also vielleicht eine Donar 
eiche gestanden, denn es gab deren viele, aber 
nicht d i e Donareiche, deren Fällung uns Willi 
bald erzählt. Diese stand m. E. im Waldrevier 
südwestlich von Geismar bei Fritzlar, in der 
Gegend des Johanneskirchenkopfs oder „Hains 
kirche", wie sie noch 1564 hieß, am Ziegenberg, 
wo sie die Tradition nachweisbar wenigstens 
seit 1500 sucht. Ich weiß sehr wohl, daß diese 
Ansicht nur eine Hypothese ist, die ihre Be- 
Das Zunftwesen in Fritzlar 
Auf ein 1200 jähriges Bestehen darf Fritzlar 
zurückblicken, auf Notzeit und Glanzzeit. Ge 
rade in unseren trüben Tagen tut es wohl, 
Bilder längst entschwundener, besserer Tage 
wieder einmal emporsteigen zu lassen, um aus 
ihnen neue Kraft zu schöpfen für unsere Gegen 
wart. Dies will auch die vorliegende Skizze, 
die in zwangloser Folge Bilder aus dem Fritz 
larer Zunftwesen im Mittelalter entrollt. 
Wie überall, so verdanken auch im alten 
Fritzlar die Zünfte und Gilden dem allgemei 
nen Korporationsgeiste des Mittelalters ihr 
Entstehen und kommen hier schon früh zu Blüte 
und Ansehen. Dies lag auch nahe, spielte doch 
einmal Fritzlar im frühen Mittelalter in der 
Geschichte eine gewichtige Rolle. So war es 
natürlich, daß einmal sich auch das Handwerk 
— und die damalige Zeit kannte nur Hand 
werk — nach bedeutenderen Plätzen zog, daß 
zum andern in der damals allgemein üblichen 
Haus- und Stadtwirtschaft — jede Stadt mußte 
im großen und ganzen für Herstellung des 
denken und Schwierigkeiten hat, aber m. E. ist 
es immer noch eine gut begründete Hypothese. 
Und war das die historische Stätte, an der 
Bonifatius die Donareiche fällte, so begreift 
Man auch, daß diese menschenferne, wasser 
arme Waldwildnis zum Bau einer größeren 
Kirchen- und Klosteranlage wenig geeignet war. 
Wenn er daher auch nach der damaligen Sitte 
der Glaubensboten an der Stelle des gefällten 
heiligen Baumes zum Zeichen, daß das Christen 
tum hier Besitz ergriffen, von seinem Holze 
eine schlichte christliche Gebetsstätte (Oratorium) 
errichtete, so erbaute er doch die monumentale 
Petrikirche, die den endgültigen Sieg des 
Christentums über das Heidentum in Hessen 
dauernd festhalten sollte, im Zusammenhang 
mit der Geismartat im Frühjahr 724 im nahen 
Fritzlar. Im Jahre 725 wurde die fertige 
Kirchen- und Klosteranlage von ihm eingeweiht, 
die dann im Jahre 732 einem solideren Stein 
bau (eeelesia) Platz machte. Zu einem ähn 
lichen Ergebnis kommt H. Böhmer. Nach ihm 
„fällt Bonifatius die Donareiche zu Geismar 
(bei Fritzlar- im Frühjahr 723 und errichtet 
aus deren Holze zu Fritzlar, die erste dem 
hl. Petrus geweihte Kirche des Hessenlandes". 
Im Jahre 732 tritt dann nach Böhmers An 
sicht zur Petrikirche in Fritzlar das Petri 
kloster. 
im Mittelalter. Von vo.L. Florian. 
eigenen Bedarfs Sorge tragen — ein Grund 
für die Blüte des Handwerks und damit der 
Zünfte zu suchen war. Endlich war der Um 
stand noch von Bedeutung für das Erstarken 
der Zünfte, daß Fritzlar an einer verkehrs 
reichen Hauptstraße (Frankfurt-Kassel), ja an 
einer Straßenkreuzung der alten Nord-Süd- 
und Ost-West-Straßen lag. 
Ehe wir uns nun die Zünfte im einzelnen 
betrachten, wollen wir kurz einen Blick werfen 
aus das Wesen der Zunft selbst. Trotz manches 
Übertriebenen und Verkehrten hatte das alte 
Zunftwesen (wenigstens in der Blütezeit) viel 
Gutes in sich. Ganz abgesehen davon, daß der 
Zunftangehörige sich als Mitglied einer großen 
Familie fühlte, deren Rat und Beistand er, wo 
dies nötig erschien, stets in Anspruch nehmen 
• konnte, daß der wandernde Geselle — und 
jeder mußte wenigstens drei Jahre unterwegs 
in der Fremde sein —, in allen Orten Zunft 
genossen antraf, die ihm mit Rat und Tat 
weiter forthalfen. So schlang die Zunft noch
	        
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