Full text: Hessenland (37.1925)

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und Burg und drängte als der mächtigere Teil 
die schwächere Abtei aus ihrem Anteil, wie 
es unter solchen Verhältnissen häufig geschah. 
Volkmarsen mußte als kölnische Stadt viel 
widriges Schicksal über sich ergehen lassen und 
wurde nach der Säkularisierung Kölns durch 
die Launen der Machthaber zwischen Darm 
stadt, Oranien - Corvey, Westfalen, Preußen 
und Kurhessen herumgewürfelt. 
Nach dem Eingehen der Münze in Corvey 
selbst ließ die Abtei in Höxter, Marsberg und 
Volkmarsen prägen. Aus dem 13. und 14. Jahr 
hundert ist eine Reihe von Denaren erhalten, 
darunter befinden sich auch Tutorenmünzen 
des Erzbischofs Konrad von Köln und von vier 
Paderborner Bischöfen. Die Form des Grund 
risses der Stadt und die Straßenanlage sprechen 
dafür, daß sie allmählich aus einer älteren 
Siedelung erwachsen ist. 
(Fortsetzung folgt.) 
Musikinstrumente als Künder hessischen Ruhmes. Von vr.Fnedr.Stichimoch. 
I. Streichinstrumente. 
Mit einer Porträtaufnahme von Aenne MoSbacher und vier Aufnahmen des Verfassers. 
Fragt man einen Kasselaner, wodurch der 
Name Kassels und des Hessenlandes weit über 
die Grenzen unserer Heimat hinaus bekannt 
geworden ist, so wird man als Antwort mit 
dem Namen Henschel & Sohn abgespeist; nur 
selten erinnert sich jemand unserer sehr be 
deutenden Textilindustrie. Daß es aber auch 
Musikinstrumente sind, die den Namen unserer 
engeren Heimat als einen Namen von sehr 
gutem Klang weit über Land und Meer trugen 
und auch noch heute tragen, dürfte den meisten 
unbekannt sein. Die Namen Scheel, M ol 
le n h a n e r und Johannes Bosch kennt 
man außerhalb Hessens bis ins ferne Ausland 
— leider — besser als bei uns. Werke der Blech- 
instrumentenfabrik Lederer in Kassel und 
Konrad Euler, dessen Vorfahren schon im 
Jahre 1645 in Gottsbüren den Orgelbau be 
trieben und später nach Hofgeismar übersiedel 
ten, wo die Firma noch heute besteht, wie auch 
der Orgelbauanstalt von A u g u st M o e l l e r 
in Rotenburg an der Fulda, die auf eine mehr 
als hundertjährige Tätigkeit zurückblicken kann, 
werden den Ruf des Hessenlandes als einer 
Pflegestätte edlen Kunsthandwerkes bis in ferne 
Zeiten bewahren. 
Aus diesem Grunde erscheint es nur gerecht 
fertigt, die Leser des „Hessenlandes" mit diesem 
Zweig unseres heimischen Kunstgewerbes et 
was näher bekannt zu machen. Zum besseren 
Verständnis schicke ich eine kurze Betrach 
tung der instrumentenbaulichen Entwicklung 
in großen Zügen voraus und beginne mit den 
Geigen. 
Ohne auf die einzelnen morphologischen 
Unterschiede der verschiedenen Ahnen unserer 
heutigen Geigen einzugehen — was hier viel 
zu weit führen würde —, seien folgende Haupt 
punkte hervorgehoben: Bis zum 15. Jahr 
hundert finden wir eine Fiedelform, deren 
Klangkörper in der Mitte eingebuchtet ist, 
also eine „Taille" hat, wie wir es noch heute 
bei unseren Musikinstrumenten gewohnt sind 
nnd eine andere Fiedelform mit geradwandigem 
Korpus nebeneinander im Gebrauch. Bei dieser 
letzteren Form, der älteren, konnte man, weil 
eben das gerade Korpus es verhinderte, die 
Ecksaiten nicht allein benutzen, sondern nur in 
Verbindung mit einer danebenliegenden Saite. 
Die Spielleute, die ihr Instrument soviel wie 
möglich ausnutzen mußten, bevorzugten die 
eingebuchtete Form, die ihnen, da ja die Ein 
buchtung dem streichenden Bogen den Weg frei 
gab, ermöglichte, die Ecksaiten allein anzu 
streichen und so dem Instrument bedeutend 
mehr Töne abzugewinnen. Auch die uns heute 
so bekannten k'-Löcher haben sich erst im Laufe 
der Entwicklung herausgebildet. Ihr Aus 
gangspunkt war das kreisrunde Mittelloch, das 
sich aber für Streichinstrumente als ungünstig 
erwies, weil es den Ton nachhallen läßt. Das 
ist bei den gezupften oder mit einem Blättchen 
„geschlagenen" Instrumenten von günstiger 
Wirkung, während es beim Streichinstrument 
störend wirkt, da hier ja der streichende Bogen 
dem Ton jede beliebige Dauer geben kann. Die 
Südslawen waren es, die zuerst über das Mittel 
loch eine in der Richtung der Saiten laufende 
„Brücke" legten, so daß zwei seitlich der Saiten 
bahn liegende Schallöcher in der Form von 
Kreissegmenten übrig blieben, aus denen sich 
dann die 0- und später die k^-Form der Schall 
löcher als die am besten bewährte, heraus 
bildete. Daß man häufig auf Bildern In 
strumente sieht, die seitliche Einbuchtungen und 
seitlich stehende Schallöcher haben, aber trotz
        

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