Full text: Hessenland (37.1925)

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spricht, doch ist diese wohl nur durch die Enge 
des Raumes zwischen dem Fluß und dem Berg 
veranlaßt worden. .Der Ort, dessen Feldflur 
dem Kloster gehörte, ist offenbar aus einem 
Markt zur Stadt erwachsen. Die Bedingungen 
für den Verkehr waren in dein Sitz einer reich 
begüterten und mit Vorrechten ausgestatteten 
Abtei, die an die Weserschiffahrt angeschlossen 
war, nicht ungünstig. Mit der Auflösung des 
Klosters im Jahre 1525 verlor die Stadt sehr 
an Bedeutung, und fünfzehn Jahre nachher 
kam sie tatsächlich in hessischen Besitz. Das 
Münzrecht übten die Äbte vom 11. bis ins 
16. Jahrhundert, am stärksten wohl in dem 
Jahrhundert, als sie unter kölnischem Schutz 
standen. Die Stadt hatte ursprünglich drei 
bezinnte Türme im Siegel, später aber den 
Apostel Paulus mit dem Schwert, während der 
Konvent den Apostel Petrus mit dem Schlüssel 
führte. 
Wolfhagen ist nicht auf der Grundlage einer 
älteren Siedelung zur Stadt erwachsen, son 
dern auf einem früher bewaldeten Hügel als 
Stadtburg erbaut worden. Als Gründer ist der 
Landgraf Konrad von Thüringen anzusehen, 
der Schwager der heiligen Elisabeth, als Jahr 
der Gründung nennt die Chronik 1226, und es 
liegt kein Grund vor, dieser Angabe zu miß 
trauen. Burg und Stadt wurden gleichzeitig 
in Angriff genommen. Erstere, die längst zer 
stört ist, stand auf dem südwestlichen Steilhang 
jenes Hügels, dem Hagenberg; die Stadt liegt 
von diesem durch eine mäßige Senkung ge 
schieden auf der allmählich abfallenden Nord 
ostseite und führt mit ihren trotz der Uneben- 
heit des Geländes regelmäßig durchgeführten 
Straßenzügen die planmäßige Erbauung deut 
lich vor Augen. Die erstell Bewohner kamen 
aus mehreren nahen Dorfschaften, die auf Wei 
sung des Erbauers umgesiedelt werden sollten. 
Dem Stand nach waren sie Liten, Leute von 
geminderter Freiheit, die loohl ein gewisses 
Besitzrecht an ihrer Hufe hatten, die aber zu 
Diensten und Abgaben verpflichtet und in ihrer 
persönlichen Freiheit stark beschränkt waren. 
Sie bildeten die Hauptmasse der Bevölkerung 
auf sächsischem Gebiet, wo sie zahlreicher waren 
als auf dem fränkischen. Durch das allmähliche 
Ausgehen weiterer Dörfer in der Stadt erhielt 
diese eine sehr umfangreiche Gemarkung, und 
die Gunst des Schicksals erhielt ihr auch den 
alten Markwald. Er ist ein etwa 1000 Hektar 
großer Forst, von dem der Oberförster Böttcher 
in Kirchditmold im Jahre 1778 erklärte, diese 
Eichenwaldung habe in ganz Hessen ihres glei 
chen nicht, lvenll ihr mrr mehr Lust geschaffen 
würde. 
Sein Stadtrecht erhielt Wolfhagen von Kas 
sel, ivo es im Jahre 1238 aus der mündlichen 
Überlieferung neu aufgezeichnet worden war; 
auch in der Verfassung ist das Vorbild nicht 
zu verkennen. Es ist auffallend, daß schon 50 
Jahre nach der Gründung gleichzeitig zwei 
Siegel mit ganz verschiedenen: Bild im Ge 
brauch waren. Das große Rcitersiegel zeigte 
den Ritter mit Rennfahne und Löwenschild, 
das kleinere Gerichtssiegel einen durch den 
Hagen springenden Wolf. Auch in Wolfhage:: 
ist gemünzt worden, doch sind bis jetzt nur 
wenige dort geschlagene Münzen nachgewiesen 
worden. Hingegen hat es vor den übrigen hes 
sischen Städten an: Diemelstrom den Vorzug, 
daß es 'ein nennenswertes Archiv besitzt, wäh 
rend andere nur Trümmer eines solchen, einige 
nicht einmal diese bewahrt haben. Es ist vor 
etwa 80 Jahren von den: früh verstorbenen 
Forscher Karl Lyncker aus Kassel geordnet und 
zu seiner längst vergriffenen Geschichte der 
Stadt Wolfhagen benutzt worden, die Karl 
Bernhardi im Namen des Hessischen Geschichts 
vereins im Jahre 1855 herausgab. 
Der Ursprung der Stadt Volkmarsen ist 
beim Versagen der Überlieferung nicht mit 
Sicherheit aufzuhellen, und ein neuerdings ge 
machter Versuch löst diese Frage nicht, so be 
deutsam er im übrigen für die Stadtgeschichte 
ist? Volkmarsen war im 12. Jahrhundert ein 
Haupthof der Reichsabtei Corvey, der sich bei 
seiner günstigen Lage zur Marktsiedelung ent 
wickelte, die Abtei erbaute auch den nahe ge 
legenen Koglenberg (Kltgelburg) als Schutz 
burg. Die Umstände und die gesamte spätere 
Entwicklung sprechen dafür, daß der Ort um 
1230 befestigt und zur Stadt gemacht worden, 
daß ferner der Erzbischof von Köln als Her 
zog von Westfalen und Engern, wie bei Hel 
marshausen, Pate gestanden hat. Das älteste 
Siegelbild, das aus dem Jahre 1272 stammt, 
zeigt einen Prälaten mit den: Bischofsstab, der 
neben einem weltlichen Großen mit dem Schwert 
auf der Mauer sitzt. Daraus ist später das 
Wappen gemacht worden, nur daß der Prälat 
statt des Stabes den Schlüssel in der Rechten 
führt und damit als Erzbischof von Köln 
charakterisiert ist. Im Jahre 1304 kam näm 
lich das Erzstift in den Mitbesitz von Stadt 
5 A. Gottlob, Grundherrschaft und Grafschaft im 
Twistetal und die Anfänge der Stadt Volkmarsen. 
Zeitschr. f. vaterl. Gesch. und Altertumskunde (West 
falen). Bd. 79 II. S. 35.
        

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