Full text: Hessenland (36.1922)

Hestenland 
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Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 3 36. Jahrgang März-Heft 1922 
Nochmals: Wo stand die Donareiche? 
Der Streit um die von Bonifatius gefällte Donareiche 
ist, seitdem Reichsarchivrat Or. Karlheinrich Schäfer sich 
mit großer Entschiedenheit für Hofgeismar als Standort 
der Eiche ausgesprochen hat, seit einigen Jahren aufs neue 
entbrannt; er ist in den Sitzungen des Geschichtsvereins 
wiederholt zur Aussprache gekommen und hat auch im 
„Hessenland(1920 Januarheft, 1921 Juni-undSeptember 
heft) seinen Niederschlag gefunden. Der Herrenabend des 
Kasseler Zweigvereins am 6. März war wieder ausschließ 
lich dieser Frage gewidmet, vr. Karlheinrich Schäfer war 
persönlich aus Potsdam erschienen, um noch einmal kurz die 
Ergebnisse seiner, hauptsächlich aus seiner umfassenden Pa- 
troziniensorschung aus fränkischer, vorbonifatianischer Zeit 
beruhenden Untersuchungen zusammenzufassen. Bei diesen 
Forschungen über die Kirchenpatrozinien hatte er die 
Beobachtung gemacht, daß innerhalb des vom fränkischen 
Stamm bewohnten Gebietes die Heiligenverehrung ihre 
bestimmten Perioden aufweist. Die Franken haben mehr 
Heilige als irgend ein anderes Volk hervorgebracht, unter 
machtvollen Königen die katholische Religion zur Reichs 
religion gemacht und allenthalben Gotteshäuser errichtet, 
die ihren Lieblingsheiligen geweiht wurden. Zum Franken 
reich gehörte als eines der Kernländer das Gebiet der 
alten Katten, unser Hessenland. Auch hier also herrschte 
das fränkische Recht und die fränkische Religion; so sind 
im Erzbistum Mainz die ältesten Gotteshäuser ent 
standen und den altfränkischen Heiligen geweiht worden, 
in erster Linie dem Lieblingsheiligen der Franken, dem 
hl. Martin (Kirchditmold, Kassel, Niederhone, Röhrda 
usw.), aber auch der hl. Maria und Johannes dem 
Täufer. Die Eigenschaft der betreffenden Gotteshäuser 
als Erzpriesterkirche ist uns durch die päpstlichen Sub- 
sidienregister des 15. Jahrhunderts überliefert, die meist 
aus ältere Vorlagen zurückgehen. Redner zählte eine 
ganze Anzahl solcher Kirchen aus; sonstige altfränkische 
Patrozinien werden bei weiteren Forschungen noch ge 
funden werden. - Alle diese Orte mit fränkischen Patro 
zinien bestanden in der ältesten fränkischen Zeit, liegen 
an uralten Straßen und weisen in ihren Namen aus 
älteste germanische, z. T. sogar keltische Siedlungen hin. 
In Franken war ein offizielles Heidentum völlig aus 
geschlossen. Schon 530 eroberten sie den Westen des 
thüringer Reiches, das im ganzen Mittelalter dem Main 
zer Erzbischof unterstand; auch in diesem neuen frän 
kischen Reich wurde fränkisches Recht und fränkische Staats 
religion eingeführt. Aber in der hessischen und thürin 
gischen Grenzgegend hatte das Frankenland damals noch 
viel zu leiden. Vor 700 erneuerten die Sachsen ihre 
Einfälle; damals gingen sie über die obere Weser und 
Diemel und drangen über die Edder bis ins Tal der 
Wetschaft vor, hatten sich also etwa 30 Jghre vor der 
Ankunft, des Bonifatius im nördlichen Niederhessen ein 
genistet. Bald aber erstand den Franken ein Rächer in 
Karl Martell, der die Sachsen 718 und 721 wieder 
zurückdrängte, also ein Jahr, bevor Bonifatius (722) 
zu Geismar den gewaltigen Baum' des Donnergottes 
fällte und aus seinem Holz ein Gotteshaus zu Chrerk 
des hl. Petrus errichten ließ, um so auf Drängen der 
gläubigen Hessen das hier stark verbreitete Heidentum 
zum Zusammenbruch zu bringen. Er hat auch sonst,
	        

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