Full text: Hessenland (36.1922)

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Pavillons, die dem Schlosse zugewandt sind, sind 
jedes in der Mitte mit einer Tür versehen und 
haben zu jeder Seite der Tür fünf Bildernischen, 
in denen schöne Bilder gestellt sind. Über jeder 
Nische ist ein kleines rundes Fenster, das einem 
langen Korridor hinter der Orangerie Licht gibt, 
von diesem wird in die Ofen hineingeheizt, die in 
der Orangeriegalerie stehen . 10 Die Pfeiler, die in 
diesen zwei Linien zu sehen sind, haben einen Vor 
sprung von ungefähr 5 Zoll und bilden lauter 
Arkaden, die zwischen sich die oben erwähnten Bilder 
nischen einschließen. Zwischen den Bogen dieser 
Arkaden sieht man die Büsten der alten' Kaiser 
en msäuillon, in runden Rahmen gefaßt, alle in 
kleiner Erhöhung ausgehauen. Die Dächer, sowohl 
über den Pavillons als auch über dem ganzen 
Gebäude sonst, sind sn terrasse, mit Kupfer gedeckt 
und von Steinbalustraden umgeben, deren Posta 
mente teils mit Statuen besetzt sind, während andere 
ohne Statuen sind, da die Schornsteinrohre von 
der Orangerie durchgehen. 
Die andere Fassade des Orangeriehauses nimmt 
sich ebenfalls ausgezeichnet aus, sie ist der ersteren 
in den wichtigsten Teilen gleich, nur daß an Stelle 
der an der ersteren befindlichen Bildnischen an dieser 
richtige Fenster angebracht sind; so hat auch jede 
Linie des Gebäudes auf dieser Seite in der Mitte 
einen Vorsprung, bestehend aus einem großen zier 
lichen Portal, aus vier ionischen Wandpfeilern, die 
ein rundes Frontispiz, das in seinem Tympan n mit 
Bildhauerei und oben und an den Seiten mit Bil 
dern und Statuen geschmückt ist, tragen. In der 
Mitte von diesem Portal ist eine große Eingangs 
türe, oben mit Festons und Girlanden ausgezieret. 
Der große mittelste Pavillon hat vier große Öff 
nungen, nämlich eine nach jeder Seite des Gartens 
und eine zu jeder Seite, die ihn mit den beiden 
langen Gebäuden, die die Orangerie eigentlich ein 
schließen, verbinden. Diese beiden letzten sind aber 
halb blind und bilden nach innen, gegen die Oran 
geriegalerien, nur eine ordentliche Tür, die gerade 
in der Mitte des kurzen Endes liegt und am anderen 
Ende gerade gegenüber eine gleiche Tür zum End 
pavillon hat, die damit korrespondiert.. Zu jeder 
Seite von diesen beiden Tstren ist eine Bildernische 
mit dazu gehörigem Bild, und sonst im Inneren 
der Galerie distribuierte korinthische Wandpfeiler 
mit vergoldeten Schäften und Kapitälen. An der 
*0 Es erhellt aus Thuras Darstellung, wie auch aus 
der ganzen Bauart, daß die Orangerie nicht, wie viel 
fach angenommen wird, eine Art von Gartenschloß war, 
sondern von Ansang an als wirkliche Orangerie mit 
Heizung eingerichtet war. Später wurde sie freilich 
öfters als Festlokal benutzt. Ursprünglich diente wohl 
nur der obere „Apollosaal" als solches. 
11 Giebelfeld, 
langen Seite der Galerie, den Fenstern gegenüber, 
sind 13 Nischen eingerichtet, in der mittelsten und 
in den beiden an den Enden sind Grotten eingerich 
tet, aus vielen Muscheln und ähnlichem Grotten 
werk, das sich sehr gut ausnimmt, zusammengesetzt. 
In den übrigen steht abwechselnd ein Bild und ein 
Ofen, so daß in jeder Galerie an dieser langen 
Wand sechs Statuen und vier Öfen sich befinden. 
Die Öfen sind aus Ton gebrannt, glasiert und mit 
vielen Zieraten geschmückt, so daß es aussieht, als 
wären sie mehr zum Schmuck als zum Nutzen oder 
aus Not dort' hingesetzt. Tie Decke ist an voute * 12 
und überall von einem prächtigen Gemälde bedeckt, 
so daß man in Wahrheit sagen kann, daß dieses 
Gebäude innen und außen königlich und maje 
stätisch ist. 
Die Orangeriebäume waren an sich sehr schön und 
hatten außergewöhnlich dicke Stämme, die sogar in 
jeder Weise großartiger waren als die herrlichen 
Orangeriebäume im Rosenborg-Garten in Kopen 
hagen, die sonst auch nicht zu verachten sind. 
Nicht weit von dem vorerwähnten Orangeriehaus 
wurde ein großer, prächtiger Pavillon gebaut, der 
als fürstliches Bad eingerichtet wurde; innen war 
alles fertig und bestand nur aus ausgezeichnetem 
Marmor, überall wunderschön poliert; ebenfalls 
waren dort einige prächtige und superbe Statuen 
aus weißem italienischen Marmor zu sehen. Der 
fürstliche Garten selbst ist sehr schön und angenehm 
mit herrlichen Alleen und mit schönen Hecken aus 
Ulmen, einer Baumart, die sehr schnell wächst und 
schön schattig ist. 
Im Garten wurde uns unter anderem als eine 
Seltenheit ein großer und ansehnlicher Lorbeerbaum 
gezeigt, der in freier Erde und Luft stand; er war 
so groß wie ein mittelgroßer Lindenbaum und 
hatte einen außergewöhnlich dicken Stamm. 
' Zu unserer Zeit wurde das große Bassin int Gar 
ten eingerichtet und ausgegraben, bei welcher Ge 
legenheit wir eine Art von Sturzkarren bemerkten, 
die bei dieser Arbeit gebraucht wurden. Sie wurden 
von einem Pferd gezogen und hatten drei Räder, 
zwei hinten und eins vorn in der Mitte der Achse. 
Später gingen wir in die Menagerie, wo wir 
einen Löwen, ein paar Löwinnen, Leoparden, >vilde 
und Desmer-Katzen sahen und allerlei seltene Vögel, 
unter anderen einen sehr schönen Strauß, der mit 
hochgerecktem Hals gewiß 8 bis 9 Fuß hoch war. 
Dann besahen wir die Fasanerie, wo eine große 
Menge von allerhand weißen und braunen Fasanen 
sich befanden. Im Schloß wurde uns unter anderem 
ein großes Gemälde gezeigt, von einem berühmten 
Meister gemalt, worauf alle Tiere und Kreaturen, 
12 gewölbt.
	        

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