Full text: Hessenland (36.1922)

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kurhessische Armeedivision im Sommer 1866" Loßberg 
zu rechtfertigen sucht, schließt sich also Hopf dem Urteil 
Loschs an. Für einen energischen Führer hätten sich 
Wege finden lassen, die Truppen so weit zu mobilisieren, 
daß sie hätten mit eingesetzt werden können, statt zu 
vollständiger Untätigkeit verurteilt zu werden. Im An 
schluß hieran schilderte Zolldirektor Woringer die 
Tätigkeit der kurhessischen Gardedukorps im Jahre 1866, 
des einzigen Truppenteils, der (außer Aschaffenburg) 
wirklich ins Gefecht gekommen ist. Geheimrat Scheibe 
machte einige Mitteilungen über die Bestände der 
Vereinsbibliothek, worauf Zolldirektor W o r i n g e r über 
hessische Denkmäler außerhalb Hessens sprach. 
Hochschulnachrichten. Marburg: Am 24. Ok 
tober fand die feierliche Rektoratsübergabe für das Uni 
versitätsjahr 1922/23 statt. Der seitherige Rektor Prof, 
vr. Gadamer erstattete den Bericht über das ver 
flossene Amtsjahr, worauf der neue Rektor Prof, vr med. 
Schwenkenbecher nach erfolgter Amtsübernahme 
einen fachwissenschaftlichen Vortrag über die „Ergebnisse 
alter und neuer Kropfforschungen" hielt. Eingerahmt wurde 
die Feier, der auch Oberpräsident vr Schwander beiwohnte, 
durch Vorträge eines unter Leitung des Universitäts 
musikdirektors vr. Stephani stehenden Chores. — Von 
der hiesigen Universität arbeiteten in diesen Ferien gegen 
600 Studenten als Bergleute, Fabrik- und Landarbeiter. 
Personalchronik. Am 28. September vollendete 
der Geheime Baurat Armin Tylander sein 80.Lebens 
jahr. Zu Barchfeld im Kreise Schmalkalden 1842 ge 
boren, legte er 1866 bei der Kasseler Oberbaudirektion 
die Staatsprüfung für das Bau- und Jngenieurfach 
ab, war 1867—75 als Bauleiter bei den Eisenbahn 
bauten Elm—Gemünden und Bebra—Friedlos im Dienst 
der Eisenbahndirektion Frankfurt tätig, wurde 1876 
Landesbauinspektor zu Hersfeld und Vorstand des dortigen 
Landesbauamts, wurde 1904 Baurat und 1917 Geheimer 
Baurat und trat 1920 in den Ruhestand. Zahlreiche 
Brücken und Wegebauten in den Kreisen Hersfeld und 
Hünfeld sind unter seiner Leitung entstanden. — Professor 
Hummel von der staatlichen Baugewerkschule in Kassel 
nahm einen Ruf als ord. Professor der technischen Hoch 
schule in Darmstadt an. 
Todesfall. Am 28. September entschlief zu Kassel 
im 75. Lebensjahr vr. msä. Hermann S ch e l e n z, 
einer der bekanntesten Pharmazeuten Deutschlands. Na 
mentlich seine „Geschichte der Pharmazie" und ebenso 
sein umfangreiches Werk „Shakespeare und sein Wissen 
auf dem Gebiete der Arznei- und Volkskunde" haben ihn 
weithin bekannt gemacht. Daneben schrieb er zahlreiche 
Abhandlungen in wissenschaftlichen Zeitschriften und hat 
sich auch auf dem Gebiet der hessischen Volkskunde durch 
eine Reihe von Arbeiten betätigt. 1848 zu Kompen in 
Posen geboren, lebte er seit Jahrzehnten in Kassel. Vor 
wenigen Jahren ernannte ihn die medizinische Fakultät 
der Freiburger Universität zum Ehrendoktor. 
Familientag. Am 12 . Oktober hielt die hes 
sische Familie Braun in Eschwege ihren ersten Familien 
tag nach dem Weltkriege ab, der zusammenfiel mit dem 
80. Geburtstag der Frau Apotheker Luise Braun, .geb. 
Holzapfel, und der Verlobungsfeier von deren jüngstem 
Sohne. Eindrucksvoll verlief die Erinnerungsfeier für 
die im Weltkriege gefallenen Brauns und deren Bluts 
verwandten, unter denen der Name des Stabsarztes 
Wilhelm Has, des Verfassers der Geschichte des 11. Feld 
artillerie-Regiments, genannt wurde. Ergreifend wirkte 
es, wie das sechsjährige Söhnchen eines der Gefallenen 
, einen Kranz an den Hausaltar niederlegte mit den 
j Worten: Meinem lieben Vater. Weihevoll klang die 
! Feier aus mit dem „Vater unser", vorgetragen von der 
Familie des Amtsgerichtsrats Gleim. Die Familie 
Braun ist im 12 . Jahrhundert schon in Gudensberg 
und Fritzlar nachweisbar, verbreitete sich dann über 
Kassel auch nach Eschwege und Berlin, wo ein kräftiger 
Ast blüht. Weitere Linien sind in niederhessischen Dör 
fern weit verzweigt. 
Aus Hersfeld. Die Ausgrabungen in der Hers 
felder Stiftskirche sind nach zweijähriger Dauer jetzt 
beendet worden. Unter Leitung von Professor Bon 
der a u - Fulda erfolgte die einwandfreie Festlegung 
der Grundrisse der Lulluskirche, des karolingischen Baues 
und der romanischen Basilika. Außerdem wurden be 
trächtliche Funde von kunsthistorischem Wert gemacht. 
Auch wurde festgestellt, daß schon vor 769, der ständigen 
Niederlassung der Benediktiner in Hersfeld, hier An 
siedlungen gestanden haben. 
Aus Melsungen. Auf unserm neuen Friedhof 
wurde auf dem Grabe des Pfarrers Wilhelm Hopf, 
des früheren Herausgebers der „Hessischen Blätter", 
ein von der Darmstädter Künstlerin Frau Federer- 
Staudinger geschaffenes Denkmal geweiht. Universitäts 
professor vr. Heldmann-Halle hielt die Weiherede, der 
Ansprachen von Vertretern des Hessischen Volksbundes, 
der Deutsch-Hannoveraner und der Stadt Melsungen 
folgten. 
Aus W i tz e n h a u s e n. Zu der Frage über den 
Verkauf eines Stückes Stadtmauer hat der Minister für 
Wissenschaft, Kunst und Volksbildung jetzt entschieden, 
daß die Genehmigung zur Veräußerung des Stadt 
mauerteils versagt werden muß. Zur Begründung führt 
er u. a. folgendes aus: „In der Beschwerde des 
Magistrats hebt dieser selbst hervor, daß die städtischer? 
Körperschaften der Auffassung sind, daß die noch vor 
handenen geschichtlich und baulich* wirklich wertvollen 
Dokumente früherer Zeiten in jeder Beziehung geschützt 
und erhalten werden müssen. Der Magistrat bestreitet 
' lediglich, daß der in Frage kommende Teil der Stadt 
mauer eine derartige Bedeutung beanspruchen dürfe. 
Nach Prüfung der Unterlagen kann es aber keinem 
Zweifel unterliegen, daß das Stück Stadtmauer, zumal 
im Hinblick auf die noch erhaltene Geschlossenheit des 
Mauerzuges auf der Südseite der Stadt, zu ihren wert 
vollsten Denkmalen gerechnet werden muß. Eine Reihe 
von Städten, die es trotz rascher Entwicklung verstanden 
haben, ihre alten Befestigungen zu wahren, haben dis 
Rücksichtnahme auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht nicht 
zu bereuen." Der Regierungspräsident hat den Magistrat 
ersucht, auch fernerhin der Unterhaltung des wertvollen 
Besitzes alle Sorgfalt zuzuwenden. 
Hünengräber bei Frielendorf. Daß sich 
Hünengräber im neuen Kippgelände der Frielendorfer 
Zeche, „dem Wiedehau", befinden, war in eingeweihten 
Kreisen genügend bekannt. Solange des Gelände jedoch 
bewaldet war, war an ein Ausgraben nicht zu denken^ 
Die Sache änderte sich vor einem Jahr, .als die Ge 
meinde Mendorf etwa 10 Hektar an die Zeche ver 
pachtete. Nachdem im Winter der Wald abgeholzt 
worden war, ging man im Frühjahr an das Ausgraben. 
Professor Bremer vom archäologischen Institut aus 
Marburg interessierte sich für die Sache und betraute 
stuä. Schröder aus Altona mit den . Ausgrabungen. 
Dank dem Entgegenkommen der Gewerkschaft, die täglich 
mehrere Arbeiter zur Verfügung stellte, konnten fünf
	        

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