Full text: Hessenland (35.1921)

Entwicklung Kassels in der zweiten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts. — In Emmerichsrode bei Hersfeld starb 
im Alter von 55 Jahren der chinesische Geheime Re 
gierungsrat Heinrich M o o tz. Zu Appenfeld im Kreise 
Homberg geboren, ging er als Missionar nach China, 
wo er als Missionar und richterlicher Beamter in die 
Negierung berufen wurde. Ein Herzschlag machte seinem 
Leben ein frühes Ende. — In Soden bei Salmünster, 
wo er Heilung von seinem Leiden suchte, starb im 
77. Lebensjahr der Generalvikar und Domdechant Proto- 
notar Dr. Johann Wilhelm Arenhold. 1845 in 
Amöneburg geboren, wurde er in Rom.zum Priester 
geweiht, wurde dann Stadtkaplan in Fulda und Mit 
gründer und Schriftleiter der Fuldaer Zeitung und 1895 
nach längerer Pfarrtätigkeit in Mackenzell und Groß 
auheim Professor am Priesterseminar in Fulda. 1897 
wurde er zum Domkapitular, 1906 zum Domdechant, 
1907 vom Papst zum apostolischen Protonotar ernannt. 
Die Kasseler Handelskammer wurde am 
25. .Mai 1871 errichtet und besteht somit fünfzig Jahre. 
D as frühere Klo st er und jetzige Landes 
hospital 5) aina blickte am 20. Mai auf ein 700- 
jähriges Bestehen zurück. Im Jahre 1140 hatte Graf 
Poppo von Reichenbach Mönche des bei Köln gelegenen 
Zisterzienserklosters Altencampen nach der Aulesburg auf 
der Höhe der Hainaer Berge bei Löhlbach berufen und 
ihnen dort zur Anlage eines Klosters Land geschenkt. 
Aber erst unter Poppos Enkel, dem Grafen Heinrich von 
Ziegenhain, vollendeten einige 1187 aus dem Kloster 
Altenberge bei Mühlheim nach der Aulesburg berufene 
Mönche den Klosterbau. Heinrich von Ziegenhain schenkte 
ihnen dann weiteres Land an der Stelle des jetzigen 
Altenhaina, und dort bauten sie 1191 ein neues Kloster. 
1214 begannen sie an der Stelle von Haina das jetzige 
Kloster uno siedelten am 20. Mai 1221 dorthin über. 
Die Hainaer Klosterkirche wurde 1328 vollendet, das 
Kloster selbst war um 1356 ausgebaut und kam zu aus 
gedehntem Besitz, bis es 1527 durch Philipp den Groß 
mütigen aufgehoben wurde. Die drei Klöster Haina, 
Merxhausen und Gronau sowie die Pfarrei Hofheim 
wurden in Landeshospitäler umgewandelt, die in erster 
Linie zur unentgeltlichen Aufnahme von Alten, Gebrech 
lichen, Blinden, Verkrüppelten und Geisteskranken be 
stimmt waren. Noch heute sind von jener Stiftung her 
im Landeshospital Haina 258 Freistellen. Seit 1877 
hat Haina, das der Verwaltung des Bezirksverbandes 
Kassel untersteht, neue Krankengebäude erhalten und kann 
letzt etwa 900 Kranke aufnehmen, und zwar fast nur 
männliche Geisteskranke, während Merxhausen bekanntlich 
für die weiblichen Geisteskranken bestimmt ist. Die alten 
Klostergebäude sind zum größten Teil erhalten. Aus 
Anlaß des 400. Geburtstages Philipps des Großmütigen 
ließen die Landstände ein Denkmal des Fürsten (Abbil 
dung „Hessenland" 1904, Seite 187) in Haina errichten. 
10 0 Jahre sind in diesem Mai verflossen, seit 
das kurhessische Leibgarde-Regiment diese Bezeichnung 
erhielt. Im selben Jahr 1821 wurde das damalige, 
seit 1631 unter verschiedenen Bezeichnungen bestehende 
Jägerbataillon zum Gardejägerbataillon umgewandelt 
und dem Leibgarderegiment als selbständiges Bataillon 
angegliedert. 1866 wurde es in die preußische Heeres 
verwaltung übernommen. Aus dem Leibgarderegiment 
wurde 1866 das Infanterieregiment, spätere Füsilier 
regiment von Gersdorff (Kurh.) Nr. 80. 
Hessische Bücherschau. 
Karten und Pläne. 
Augustins Kartenwerke Nr. 6 . Habichts 
wald und Langenberg. (Umschlagzeichnung 
von F. Fennel. Preis einschl. Zuschlag 2,75 M.) 
Diese den Habichtswald, Langenberg und die an 
schließenden Gebiete umfassende dreifarbige Karte im 
Maßstab 1 :60 000 wird etwa durch die Orte Wolf 
hagen, Merxhausen, Grifte, Kassel, Hohenkirchen, Kal 
ben und Meimbressen begrenzt und zeichnet sich durch 
sauberen lesbaren Druck aus. Die Hauptwanderstrecken 
sind rot eingetragen. Für die weitere Umgebung kommen 
die aus dem gleichen Verlag in 6 . vollständig um 
gearbeiteter und erweiterter Auflage neu erschienenen 
Brunnemannschen Höhenschichtenkartei: 
in Frage: Karte der Werra-Fulda-Land- 
schaft (Teilgebiete von Niederhessen, Werratal, Eichs- 
feld, Südhannover) und Karte der Eder-Fulda^- 
Landschaft (Waldeck und Edersee, Teilgebiete von 
Nrederhessen und Westfalen). Diese lange vergriffen 
gewesenen Karten werden, zumal in der jetzigen Ausstat- 
tung in siebenfarbigem Steindruck und rotem Eindruck 
des Wanderwegenetzes in Wanderkreisen sehr begrüßt 
werden. Das Eintragen von 13 verschiedenen Höhen 
schichtenfarben bietet dem Benutzer von vornherein ein 
Uares Bild von der Beschaffenheit des jeweiligen Ge 
ländes. Die Benutzungsfähigkeit wird noch dadurch ge 
steigert, daß nicht nur die Hauptwanderstrecken und 
Wanderwege, sondern auch die örtlichen Spazier- und 
Nebenwege und die Dampferlinien ohne Beeinträchti 
gung der Deutlichkeit markiert sind. Der Maßstab ist 
1 :115000, der Preis jeder Karte beträgt 6 M. 
Rhönwanderern will die neue im Selbstverlag des 
Rhönklubs in Fulda von F. Fuchs bearbeitete Rhön 
wanderkarte dienen, die als amtliche Wegekarte 
des Rhönklubs mit den Wegezeichen der angrenzenden 
Teile des Thüringer Waldes, Vogelsbergs, Knüllgebirges 
und Spessarts versehen ist. Sie teilt durch zwei Haupt 
wanderwege (Bad Kissingen-Vacha und Giesel-Ritschen 
hausen), die sich aus der Wasserkuppe schneiden, die Rhön 
in vier Gaue, in denen das Wegenetz in vier verschiedenen 
Farben bezeichnet ist. Die in Achtfarbendruck hergestellte 
Karte enthält außerdem die Waldgebiete und Höhen 
linien, hat den Maßstab 1 :100000 und ist in zwei 
Ausgaben — entweder das ganze Blatt zu 9 M oder 
das nördliche und südliche Halbblatt zu je 5,50 M zu 
beziehen. Bei dem großen Umfang der Karte dürfte sich 
die Anschaffung der Halbblätter empfehlen. 8 . 
Wanderführer. 
Der Verlag von Max Augustin (Kassel) brachte 
wieder verschiedene Reisehandbücher heraus. Nr. 6 : 
Kaufungerwald, Meißner und Söhre 
neb st Stiftswald, Riedforst und Stöl- 
zinger Bergland wurde nach dem bekannten 
Muhrschen „Führer durch Niederhessen und Waldeck" 
unter Mitwirkung des Hess. Gebirgsvereins vom Ver 
leger neu herausgegeben. (Mit einer Titelzeichnung von 
Friedrich Fennel und einer Karte im Maßstab 1 :115000 
sowie 2 Skizzen im Text.) 90 Seiten. Preis einschließ 
lich Zuschlag 5 M. Das handliche Büchlein bietet mehr 
als eine zuverlässige Wegebeschreibung; es weist auf 
alles Schöne und Merkwürdige hin, was Natur und 
Menschenhand erstehen ließ und läßt Kunst, Sage und 
Geschichte reichlich zu Worte kommen. Die kunstgeschicht 
lichen Notizen finden durch das beigefügte Kunstmerkblatt
	        

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