Full text: Hessenland (35.1921)

Wetzlar das Urteil in dieser klaren Sache, und zwar 
zu Gunsten der Stadt, deren Forderung auf 4566 
Taler angewachsen war. Wiederum verglichen sich 
Falkenbergs Erben, die Brüder von Spiegel, am 
29. Mai 1754 dahin mit der Stadt, daß dieser 
Haus, Garten und Zubehör zufielen und 2300 Taler 
zu zahlen waren. Gegen eine Entschädigung an 
den Staat behielt die Stadt das Haus und richtete 
es im Jahre 1759 zur Wohnung für den Metro 
politan ein4^ 
Das Gut Kemperfeld war ein Lehen und wurde 
nach dem Tod der Witwe Kaspar Ludwigs den 
von Spiegel gegeben. Diese erwarben es später und 
verkauften es der Freifrau Heeremann von Zuydt- 
wick, die dann auch Burg und Gut Herstelle an sich 
brachte und auf dem Burgplatz ein Herrenhaus aus 
Sandstein im Renaissancestil bauen ließ. Die uralte 
Bartholomäuskirche war schon im Jahre 1710 von 
der Höhe, wo jetzt das Kloster steht, ins Dorf hinab 
verlegt worden, sie hat im Anfang dieses Jahr 
hunderts den ihres Ursprungs würdigen Schmuck er 
halten. An die einstige Burg erinnern jetzt nur noch 
wenige Mauerreste. 
Das Herrenhaus mit seinem schönen Park war 
infolge besonderer Umstände viele Jahre lang eine 
*9 Nach Urkunden und Akten im Stadtarchiv. 
beliebte Sommerfrische, die zuerst von den Einwoh 
nern Bremens entdeckt und besonders im Frühjahv 
aufgesucht wurde. Seit kurzem hat aber der Eigen 
tümer die Burg wieder in Besitz und Gebrauch 
nehmen können. Auch diesen Umschwung hat der 
Krieg, „der Beweger des Menschengeschlechts", un 
erwartet schnell herbeigeführt. Es wird kaum eine 
zweite Stelle in Deutschland geben, wo ein schönes, 
geschlossenes Landschaftsbild zugleich eine geschicht 
liche Perspektive von ähnlicher Weite eröffnete. Bon 
dem Burgplatz, der so mancherlei entstehen und ver 
gehen sah, blickt man zur Linken auf die blühenden 
Weserauen, den Spaziergang Karls des Großen, und 
jenseit des Stromes steigt weithin der Solling, leuch 
tend im Buchengrün, auf. Rechts durchbricht die 
Weser die steilen Klippen und erhebt sich die Siburg 
vor dem Reinhardswald, an die sich Sagen knüpfen 
von dem König Karl bis zum Landgrafen Karl, 
der, von der Höhe herab einen Eber verfolgend, 
an der versumpften Mündung der Diemel den Platz 
für sein Karlshafen entdeckt haben soll. Und die 
Frühlingssonne flutet, Lebenswonne weckend, durch 
das Tal der Weser gerade so, wie sie über dem 
versunkenen alten Deutschland schien, in dem zu 
leben eine Freude war und zu wirken ein Vorzug 
dünkte. 
Hessische Iluhnamen. 
1. Die Lahn. 
Von Dr. Wilhelm Schoos, Hersfeld. 
(Schluß.) 
Die mundartlichen Formen Lohn, Löhn, Loin, 
Imin, die durch Übergang von g zu j und durch 
Ausstoßung des j sich erklären lassen, gehen auf 
-logen, -login, -lagin, -lagen zurück, die als dia 
lektisch beeinflußte Nebenformen von -loben, -loben 
(-leben), -laben (-leben), -loiben, -leiben anzusehen 
sind und auf das germanische Flurnamenwort 
lanhja, ahd. louba bzw. louppa „Schutzdach", 
„Halle", „Vorbau" zurückgehen. Zum Übergang 
von b in g (j) vergleiche man engl, «omnv, 
morrow, billow neben sorge, morgen, billige, 
alter neben achter, niste neben nichte, gerücht, 
ruchbar neben ruf, klawes (klaus) neben klages, 
hessisch (Werratal) gablichd neben geblieben usw. 
So erklärt es sich, daß die Ortsnamenendung 
-leben in Westfalen, Hannover, Oldenburg, Hol 
stein nicht vorkommt, wohl aber die entsprechende 
Form -legen oder daß -leben und -legen neben 
einander vorkommen, wie z. B. Gardelegen 11 , im 
Volksmund Garleben, 1053—1071 Gardeleue, 
11 Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, 
4. Jahrg. 1869, S. 205. 
1121 Gardeleue, 1160 Gardenleve, 1188 Garde 
lege, ca, 1190 Gardeleben, 1196 Gardelege, 
Gardeleghe, 1197 Gardelege und so wechselnd 
bis zum heutigen Tage oder thüringisch Luben- 
bach neben Lugenbach * * 4 12 . 
Dieses germanische Flurnamenwort laubja er 
scheint auf hoch- und niederdeutschem Boden laut 
gerecht als thüringisch 13 Leube, Loibe, Laiwe, 
Läuwe, hessisch 11 Laibe, Leeb, Leewe, Lai, Laab, 
Laawe, Lääwe, Lää, Lee, nassauisch 15 Laawe, 
Loab, Lob, bayrisch 16 Labm, niederdeutsch 1 7 Leewe, 
Lee. Wie ich an anderer Stelle 13 * iS nachgewiesen habe, 
12 Gerling, Die Flurnamen des Herzogtums Gotha 
(Jena 1910), S. 414. 
u Hertel, Thüring. Sprachschatz (Weimar 1895), 
S. 154. 
u Vilmar, Idiotikon von Kurhessen (Marburg 
1868), S. 238. 
K e h r e i n, Volkssprache und Volkssitte (Bonn 
1872) 1, 250. 
iS Schmeller, Bayr. Wörtb. (München 1872), 
1, 1405. 
ii „Niedersachsen", 24. Jahrg. (1918), S. 11. 
ib „Deutsche Geschichtsblätter" 1920, S. 71 ff.
	        

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