Full text: Hessenland (35.1921)

H.A\i Vff R-HASJEL 
Hessisches Heimalsblall 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 5 35. Jahrgang Mai-Heft 1921 
Franziskus de le Boe Sylvins. 
Ein Kliniker des 17. Jahrhunderts. 
Von Dr. med. et phil. Karl Si ebert. 
Jedem Medizin Studierenden find die Bezeich 
nungen „Fossa Sylvii“ und „Aquaeductus Sylvii“ 
als bestimmte, im menschlichen Großhirn gelegene 
Teile schon früh bekannt, während wohl nur die 
wenigsten von ihnen wissen, wer eigentlich Sylvins 
gewesen ist. Franyois de le Boe oder, wie er sich 
in seinen lateinisch geschriebenen Werken nennt, 
Franciscus de le Boe Sylvins (Boe = Bois, Wald, 
silva), genoß in der zweiten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts europäischen Ruf als hervorragender Arzt, 
als bedeutender Forscher und als ausgezeichneter 
klinischer Lehrer. Im Jahre 1614 erblickte er in 
Hanau das Licht der Welt und wurde nach dem 
Kirchenbuch der wallonischen Gemeinde am 10. März 
getauft. Er stammte aus dem vornehmen und reichen 
Geschlecht der de le Boe, das ursprünglich in 
Cambrai ansässig war. Infolge der Religionskriege 
wurde der Großvater von Sylvius, Franqois de le 
Boe, aus seinem Wohnorte Lille vertrieben und 
durch die verschlechterte Lebenslage gezwungen, 
sich dem Handel zuzuwenden. Er gehörte zu den 
58 reformierten Familienoberhäuptern, die sich nach 
mancherlei Irrfahrten am 17. Januar 1597 git 
Bockenheim dem Grafen Philipp Ludwig II. von 
Hanau-Münzenberg durch Unterschrift verpflichteten, 
in Neu-Hanau Häuser zu bauen. Als wohlhabender 
Mann war er die Verpflichtung zum Bau von 
vier Häusern eingegangen und hatte im Unter 
lassungsfälle die Entschädigungssumme auf 1200 
Gulden festgesetzt. 
Franziskus de le Boe Sylvius war von acht Kin 
dern des Hanauer Bürgers und Handelsmannes 
Isaak de le Boe das zweite und erhielt eine humcr- 
nistische Vorbildung in der damals protestantischen 
Stadt Sedan. Nach beendeter Schulzeit kehrte er 
wieder nach Hanau zurück, wo ihm der Vater die 
Wahl eines Berufes überließ. Es stand ihm frei, 
sich dem Kaufmannsstande zu widmen oder auch 
die militärische oder die akademische Laufbahn zu 
beschreiten. Der Sohn entschied sich für die letztere 
und wählte das medizinische Studium, das er zu 
nächst in Leyden begann und auf verschiedenen deut 
schen Hochschulen fortsetzte, wobei ihn die Anatomie, 
die Physiologie und die Chemie besonders intern 
essierten. Im Jahre 1637 erwarb er sich in Basel 
mit Auszeichnung die medizinische Doktorwürde und 
ließ sich auf den Wunsch des Vaters in Hanau 
als Arzt nieder. Dem jungen de le Boe, der mit
	        

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