Full text: Hessenland (35.1921)

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Handlungen aus dem Gebiet der hessischen Geschichte und 
Landeskunde „hessische Städtebilder" und „Heimatklänge 
aus dem Kreise Homberg". — Seinen 70. Geburtstag 
beging am 9. November Stadt-Medizinalrat Dr. Heine 
mann in Kassel, der Leiter des städtischen Gesundheits 
amtes, der seit einigen Jahrzehnten als Kreisarzt und 
Vertrauensarzt der Jnvalideuversicherungsanstalt tätig 
ist. — Der Direktor der Landesbibliothek zu Fulda 
Professor Dr. Karl Scherer vollendete am 26. Ok 
tober sein 60. Lebensjahr. In Kassel geboren, kam 
er 1901 als Nachfolger Seeligs nach Fulda, wurde 
1918 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand 
versetzt, aber nach erfolgter Wiederherstellung am 1. Ok 
tober 1920 erneut mit der Leitung der Bibliothek 
betraut. Ein besonderes Verdienst um das geistige 
Leben Fuldas bedeuten seine wissenschaftlichen Borträge, 
so, über Homers Ilias, über Impressionismus, Ex 
pressionismus und modernes Drama sowie über das 
jüngste Drama. Seine Bemühungen um die Fuldaer 
Aufführungen des Frankfurter Künstlertheaters für 
Rhein und Main wie überhaupt um die Förderung des 
guten Geschmacks auf literarischem Gebiet gingen damit 
Hand in Hand. — Seinen 50. Geburtstag beging am 
24. November der Kunstmaler Richard Ieschke in 
Kassel. In Jütelbog geboren, kam er schon in seiner 
Jugend nach Kassel, war an der Kunstakademie Schüler 
von Kolitz, Knackfuß und Neumann und nahm nach 
längerer Studienzeit in München und Italien seinen 
ständigen Wohnsitz in Kassel. Jeschke ist in erster Linie 
Landschaftsmaler und bevorzugt neben feinen Heide 
bildern die Motive der näheren Umgebung Kassels; 
besonders den.Dörnberg mit seinen grotesken Gruppen 
iveiß ec in immer neuen farbenfrohen Bildern auf die 
Leinwand zu bringen. 
Todesfall. In Marburg, tvo sie die letzten Jahre 
verlebte, verschied die 1865 in Kobnrg als Tochter des 
Kaufmanns Nutzn geborene Schriftstellerin Anna Rit- 
t e r. Sie verbrachte ihre Jugend in Newyork und Kassel, 
gab 1898 den ersten Band ihrer „Gedichte" heraus, die 
außerordentlich beachtet wurden, und 1900 einen wei 
texen Band „Befreiung", der gleichfalls rasch hinter 
einander eine ganze Anzahl von Auflagen erlebte. Frau 
Anna Ritter war seit 1884 mit Regierungsrat Ritter 
aus Kassel verheiratet und seit 1893 Witwe. Nach 
dem sie längere Zeit in Berlin eine redaktionelle Tätig 
keit ausgeübt, siedelte sie nach Marburg über, wo sie nun 
allzufrüh, vom Tode ereilt wurde. 
H e i n r i ch - G u t b e r l c t - A b e n d i m Berliner 
Hefsenverei n. Der Verein der Kurhessen in der 
Reichshauptstadt eröffnete im „Nordwesthotel" die Reihe 
seiner diesjährigen Winterveranstaltungen mit einem 
Kunstabend, der den Schöpfungen des in Hersfeld ge- 
borenen Dichters Heinrich G n t b c r l e t galt. Gut- 
berlet, der sich eine weit über Deutschlands Grenzen 
hinaus reichende, stetig wachsende Gemeinde erworben 
hat, ist einer unserer besten deutschen Lyriker. Frau 
Hilde Reimisch-Dominik verstand es, durch ihre sprach 
liche Meisterschaft und ihr reiches Können den Stim 
mungsgehalt der Dichtungen Gutberlets voll auszu 
schöpfen. Musikalische Darbietungen rahmten die dich 
terischen Vorträge ein. Die zahlreich erschienene Berliner 
Hessengemeinde dankte mit reichem Beifall. Der Heinrich- 
Gutberlet-Abend hat dazu beigetragen, dem Dichter, 
dessen Werke im Verlag von Frankenstein & Wagner, 
Leipzig, erschienen, viele neue Freunde zu erwerben. 
Aus Spangenbe r g. Auch die Volkshochschule 
Kassel beabsichtigt im hiesigen Schloß ein Volkshochschul- 
hcim zu errichten, das nicht nur für Volkshochschulkurse 
und -tagungen, sondern auch als Erholungsaufenthalt 
für Arbeiter, Angestellte und Beamte im Rahmen der 
Volkshochschule gedacht ist. 
Trure.' 
(Abteroder Mundart.) 
De Kärmesfreide äß Hannjockfs 1 2 verdorwen. 
Dem Hannjockf sinn Bader äß gäster 2 geschdorwen. 
Där woar längest baubrichß kunn annegegeh? 
Dach mudd 2 äß grad dichte värr Kärmes gelee 7 ? ! 
Däm Hannjockf sinn Maichen 2 sitzt drinne am Dische. 
Me herrt" ufj'me Howe sinn Indes Gekrische." 
„Ich ha änn nauwe" Kleid im Schräänke hänke, 
Unn bruch' noon nit me ahn Kärmes ze bänfe 12 ! 
Wie scheen äß minn Lappen ' 2 uhs roder Sieden, 
Där Märten" kunn' en'° so grad geliebelt 16 ! 
Där langet" änn Ännersch ' 2 noon unger Lingen' 2 ! 
Ich geh ins Wasser/ doa iubb’e 2j mich fingen 2 '!" — 
Där Bader Hannjockf sitzt meat in där Schdoawen 
Und herrt sinn Marthchen so krischen und doawen . 22 
„Gä 22 dich zefreeden, ich wäll'de" was schbräche, 
Du bruchst 22 de dän Kobb nit meh ze zerbräche! 
Me kunn 22 joa Großvader schunn 2 ß'morgen begrawe, 
Du fabö 2S noon moal binnen Kärmesschbaß hawe! 
Dinn Bader äß hee 22 där richeste Bure 22 ! 
Du kannst ai 2 ' nach där Kärmes getrure 22 !" 
Rinteln. Helene Brehm. 
1 Trauer, 2 Johaun-Jakob, 3 gestern, 4 hinfällig, zitterig, 5 fort 
gehen, sterben, ° musste, 'sein, 3 Mädchen. Tochter, "hört, '"Kreischen, 
Weinen, " neues, 12 denken, 13 Brusttuch, " Martin, koynte ihn, 
leiden, " holt, 18 eine Andere, 19 unter die Linde. 2 " könnt ihr, 
3 ' finden, 22 toben. 23 gib, 24 will dir, 23 brauchst, 23 können. 2 ' schon, 
22 sollst, 22 hier, 32 Bauer, 3 ' auch. 32 trauern. 
Hessische Bücherschau. 
H esse n k u n st 1922. Jahrbuch für Kunst- und Denk 
malpflege in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet. 
16. Jahrg. Herausgeber Chr. R a n ch. Bildschmuck 
von Otto U b b e l o h d e. Marburg a. Lahn (Tc. G. 
Elwert). 58 Seiten. Preis 10 M. 
Dem Verleger ivie dem Herausgeber wissen die 
Freunde der Hessenkunst Dank, daß sie allen schwierigen 
Zeitverhältnissen zum Trotz auch diesmal einen neuen 
Jahrgang dieses kunsthistorisch wie wissenschaftlich wert 
vollen Jahrbuches ermöglichten. Wieder einmal lieh 
Professor U b b e l o h d e dem Bildschmnck seinen Stift 
und schuf außer dem monumentalen Titelblatt 12 ganz- 
nnd 12 halbseitige Zeichnungen von entzückender Frische. 
Wohl dem Lande, das solche Künstler zu Propheten seiner 
Schönheiten gefunden hat! Reichhaltige Mannigfaltigkeit 
bietet wieder der textliche Teil. Fr. K ü ch bringt eine 
Untersuchung der Grabdenkmäler des Marburger Lettner- 
meisters, wobei sich für diese mittelalterliche Grabmal 
plastik eine eklektische Übertragung griechischer Motive 
ins Gotische ergibt. Küch versucht dann weiter eine 
Deutung der acht am Grabmal Landgraf Heinrichs I. 
dargestellten Figuren und datiert danach die Herstellung
	        

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