Full text: Hessenland (35.1921)

149 
selber melden, je nachdem zugelassen. Die Mit 
gliedschaft zum D. W. B. spielt dabei keine Rolle; 
jeder, der Gutes zu zeigen hat, ist willkommen. 
Für das, was er bringt, übernimmt er selbst die 
Verantwortung; doch steht vertragsmäßig der Kom 
mission das Recht zu, ihn eventuell von einer 
weiteren Beschickung auszuschließen,, wenn die 
Leistungen den Erwartungen nicht entsprechen. Das 
ist ein sehr weitgehendes Recht; aber es ist not 
wendig,, wenn ein hohes Niveau gewahrt werden 
soll. Es muß vermieden werden, daß eine ein 
malige Anstrengung die Zulassung herbeiführt, um 
dann auch für Minderwertiges als Reklame zu 
dienen." * 
In erster Linie waren es, wie ja in der Ent 
wickelung des hessischen Kunst ge werbes 
schon vorgezeichnet, Firmen aus der südlichen 
Hälfte des hessischen Wirtschaftsge 
bietes, die hier zu Worte kamen, man fühlte 
deutlich den Einfluß Darmstadts, und nicht ohne 
einige stille, neidvolle Hoffnung auf die Zukunft sah 
man Niederhessen leider nicht vertreten. — In der 
-nicht-jurierten Messe, außerhalb des Werkbundhauses, 
waren auch niederhessische Firmen zahlreich vor 
handen. 
Mit Freude aber verweilte man, um hiermit 
gleich medias in res zu gehen, bei den Arbeiten, 
die das Haus Darmstädter Kunstgewerbe 
Friedet S P e ck h a r d t, D a r m st a d t, zur Aus 
stellung gebracht, Kunststickereien aller Art, elek 
trische Lampen mit gemalten Seidenschirmen und 
gemalte Holzgegenstä'nde. Namentlich die Kissen 
fielen durch ihren eigenartigen Bild- und Figuren 
schmuck auf. Hier war, z. T. sogar sehr glücklich, 
der Versuch gemacht, modernsten Expressionismus in 
die angewandte Kunst einzuführen, — so ist mir 
besonders ein Kissen, das unter dem Namen 
„Traumblume" angeboten ward, in bester Erinne 
rung. 
Auf ähnlichem Gebiete hatte die Lichtschir m - 
industrie R. Stern, Frankfurt, sich be-- 
teiligt, "die mit wundervollen seidenen Lampen 
schirmen auswartete, Marx & Kleinberger, 
Frankfurt a. M., hatten moderne Tapeten in 
vorzüglicher Tönung ausgestellt, und ein anderer 
Stand, der für lange fesselte durch die Feinheit 
seiner Arbeiten, war der von Eugen Krug, 
Frankfurt a. M., wo getriebene Kupfer- und 
Messingwaren zur Ausstellung gebracht waren. Ge 
schmackvoll gearbeitet, wenn auch nach Lage der 
Sache nicht künstlerisch durchgebildet, waren die 
Bade- und Wassereinrichtungsarmaturen, die B a m- 
berger, Leroi & C o., Frankfurt, aus 
gestellt, die Firma „Textile W e r k k u n st H a u s 
Rothschild, Frankfurt a. M., hatten Möbel 
stoffe und Stoffe zu Bekleidungsstücken modernster 
Art geboten, auch hier stark beeinflußt durch die 
allerneuste Kunstaussassung. A. Gutheim, Frank 
furt a. M., Mitglied des Deutschen Werkbundes, 
* Gute deutsche Arbeit auf deu Frankfurter Messen; 
Herbstmesse 1921. S. 11. 
hatte Gegenstände der Innendekoration, Möbet- 
und Dekorationsstoffe zur Schau gebracht, tind 
Photographien moderner Grabmalkunst, z. T. ganz 
hervorragend künstlerisch empfunden, stellte die 
„Angewandte Kunst Wiesbaden G. m. 
b. H." aus. 
Eug. Bodewi g-P al lenberg, Bad Nau 
heim, stellte Keramik und Kleinbronzen, Erich 
Friedländer, Frankfurt, hessische Bauern 
töpfereien, Tilli Lorch, Frankfurt, Hand 
arbeiten künstlerischer Art, zusammen mit W.Ohly, 
Frankfurt, in einem Sammelstande aus. 
Ans die hier gestreifte hessische Kunsttöpferei soll 
noch zurückgekommen werden, zunächst sei aber erst 
ein Blick auf die im „Haus Werkbund" gebotene 
hessische Buchkunst gestattet. Hatte doch die 
erste Frankfurter Buchmesse auch im 
„Hause Werkbund" ihren Platz gesunden. Die alte 
Frankfurter Buchmesse, die den Namen der Stadt 
zu einem auf dem internationalen Markte der 
Wissenschaften berühmten gemacht hatte, hatte dank 
der Tätigkeit der „Kaiserlichen Bücherkommission" 
ihre Bedeutung an Leipzig, das nicht durch 
deren Tätigkeit eingeengt war, abgeben müssen, und 
war immer mehr gesunken, bis sie ihr Ende im Jahre 
1750 mit dem Aufhören des Meßkatalogs fand, der 
von 1598—1749 als „Offizieller Rats- 
Meßkatalog" erschienen war. Die dies Jahr 
zuerst wieder aufgenommene Frankfurter Buch-Messe 
hatte ihren Vorläufer schon insofern gehabt, als im 
Herbst 1920 mit der Herbstmesse eine Sonderaus 
stellung „Das deutsche Buch" verbunden war, der 
im Frühjahr 1921 die mit der Frühjahrsmesse ver 
bundenen Ausstellungen „Das schöne deutsch e 
Buch" im „Römer" und im Goethe-Meßhaus 
„Das niederländische Buch" sich an 
geschlossen. Man darf wohl hoffen, daß das Wieder 
aufleben der Frankfurter Buchmesse namentlich auch 
noch unsere hessischen Verleger in erheblich 
höherem Maße heranziehen wird, wenn schon auch 
diesmal recht beachtliche Leistungen des hessischen 
Buchgewerbes hier ihren Platz fanden. Aus Kur 
hessen war nur der Neuwerk-Verlag, 
Sannerz bei Schlüchtern, vertreten, dessen Arbeiten 
im Geiste einer vollkommenen kulturellen, ethischen 
und religiösen Erneuerung sich bewegen und es 
meisterhaft verstehen, die neuen Formen in Literatur 
und Kunst dieser Idee dienstbar zu machen. Es 
kann heute leider nicht auf den geistigen Gehalt der 
Verlagsschriften eingegangen werden, sie verdienten 
noch einmal eine besondere Würdigung, — aber 
schon rein äußerlich betrachtet wirkt z. B. die Zeit 
schrift: Das neue Werk durch die angewandte 
monumentale graphische Manier. Der Darm- 
städter Wer'kkunst-Verlag Adolf Schwindt 
& Co., Darmstaot, war durch künstlerische Drucke, 
Liebhaberdrucke mit handkolorierten Holzschnitten, 
vertreten. Ob allerdings, bei Anerkennung aller 
künstlerischen Werte, eine Luxusausgabe in niedriger 
Auflage von „Des Toten Dank" mit 10 Original- 
Linolschnitten von Ulrich Hallerstede-Leipzig, zum
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.