Full text: Hessenland (34.1920)

Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 11/12. 
34. Jahrgang. 
Juni-Doppelheft 1920. 
Vogelstimmen. 
Sink. 
3n knospender Ahornkrone, pink, pink, 
Sitzt ein Fink, 
Singt in den blauen Himmel hinein, 
Als müßte der Stein, 
Der winterlang 
Gehemmt seinen Sang, 
Von der Seele herunter. — 
Der Himmel lacht in den mailichen März, 
Weil wieder ein Herz 
Gottfröhlich und munter. — 
Schon springen die Knospen, Pink, pink! 
Ich glaube, es singen Baum und Fink. 
Kuckuck. 
„Nun ward wieder kund 
Des Waldes allerseligste Stund'. 
Blumenteppiche rollen heraus. 
Die Welt ist ein helles Hochzeilshaus." — 
Kuckuck! 
„Nun rüttel und schütte!, mein Junge, dein Geld! 
Sollst einmal leben, wie dir's gefällt, 
Und lachen wieder mit ganzem Gesicht. 
Laß dich's was kosten und knausere nicht!" — 
Kuckuck! 
„All gut und schön! — Doch möcht' ich einmal 
Laufen wie einst durchs Heimattal, 
Vom Vogelrufe lenzbetört.- 
Mutter, Mutter, ich hab' ihn gehört — 
den Kuckuck! — 
Und die Mutter müßte mir streichen durchs Haar, 
Mein Wort bezweifelnd: ,Junge, ist's wahr?' 
Aber das Messer holen und dann 
Schneiden den ersten Schinken an!" — 
Kuckuck I 
Nachtigall. 
Die Nachtigall, horch! Wo sitzt sie nur? 
Ihr Lied streut Rosen über die Flur, 
Baut einen wahren Wunderwall 
Der Liebe ins All. 
Ach, daß ich könnt' in solch seliger Ruh 
Verbergen mich wie du, wie du, 
Und all mein Singen 
Müht' ihnen Liebe, Liebe bringen! 
Heinrich Bertelmann
	        

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