Full text: Hessenland (34.1920)

Professor Dr. Felix Marchand, Leipzig. Zu sol 
chen Mitgliedern sind nunmehr weiterhin ernannt worden 
Männer, die in der Provinz Hessen-Nassau und ihrer 
unmittelbaren Nachbarschaft sich um die Wissenschaft 
verdient gemacht haben, oder die in besonderer Ver 
bindung zu unserer Universität stehen, oder gestanden 
und sich Verdienste um sie erworben haben. In diesem 
Sinne sind durch einstimmigen Beschluß ernannt worden 
zu korrespondierenden Mitgliedern: Geh. Med.-Rat 
Dr. G u d e r, Kreisarzt in Laasphe, wegen seiner Ver 
dienste um unsere Universität, insbesondere um die 
medizinische- Fakultät; Ernst Seit? jun. Dr. h. c. in 
Wetzlar wegen seiner Verdienste um die Herstellung 
optischer Instrumente, insbesondere auch um die vor 
treffliche optische Ausstattung des neuen Physikalischen 
Instituts; Dr. Wilhelm Heraeus in Hanau, in 
Anerkennung der ausgezeichneten in seiner Fabrik her 
gestellten wissenschaftlichen Apparate; Professor Dr. Wil 
helm Roser in Frankfurt a. M., wegen seiner Ver 
dienste um die wissenschaftliche Leitung des Laboratoriums 
der Höchster Farbwerke und um unsere Universität durch 
Errichtung einer hochherzigen Stiftung; Geh.-Rat Pro 
fessor Dr. W o r t m a n n, wegen seiner wissenschaft 
lichen Verdienste um die Versuchs- und Lehranstalt für 
Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim; Professor 
Dr. H. Vogt in Wiesbaden, in Anerkennung seiner 
ausgezeichneten Arbeiten aus dem Gebiete der Neurologie 
und Psycho-Pathologie; Sanitätsrat Professor Dr. Karl 
M e n s e in Kassel, wegen seiner hervorragenden Arbeiten 
über Tropen-Krankheiten und Hygiene; Adolf Fennel, 
Inhaber der Firma Otto Fennel Söhne in Kassel, in 
Anerkennung der vortrefflichen von seiner Firma her 
gestellten geodätischen Instrumente; Geh. Sanitätsrat 
Dr. Adolf Eysell in Kassel, wegen seiner hervor 
ragenden Arbeiten über Tropen-Krankheiten und Hygiene; 
Dr..-Jng. h. c. Wilhelm Breithaupt in Kassel, 
in Anerkennung der ausgezeichneten in seinen Werk 
stätten hergestellten astronomischen Instrumente; Dr. pliil. 
Anton Börsch, Geh. Reg.-Rat, wegen seiner wissen 
schaftlichen Verdienste als ehemaliges Mitglied der Preuß. 
Geodätischen Landesanstalt. Letzterer, dem diese Ehrung 
noch große Freude bereitet hat, ist vor einigen Wochen 
in seinem Ruhesitz Homberg a. d. E. verstorben. Zum 
Ehren-Mitglied wurde ernannt: Geh. Reg.-Rat Pro 
fessor Dr. Emanuel Kayser, wegen seiner Verdienste 
um unsere Universität und unsere Gesellschaft. 
Von unseren Landesbibliotheken. Die 
Kasseler Landesbibliothek erfordert nach dem Voranschlag 
für 1920 einen Unterhaltungszuschuß von rund 122 000 
Mark gegenüber 77 500 Mark im Vorjahre; für die 
Fuldaer Landesbibliothek beträgt der Zuschuß 47 000 M 
gegenüber 26 000 M im Jahre 1919. 
Personalchronik. Der Erbauer des Kasselev 
und Dresdener Rathauses, Stadtbaurat Roth, hat 
einen Ruf als ordentlicher Professor an die Hochschule 
in Darmstadt angenommen. — Die durch die Wahl von 
Professor Dr. Leimbach zum Domkapitular freigewordene 
Dompräbendatenstelle an der Fuldaer Domkirche wurde 
dem Subregens Professor Dr. phil. et theol. Engel 
bert Koch übertragen. Der neue Domherr wirkte 
sechs Jahre in Kassel als Kaplan. 
Todesfälle. Am 28. März erlag fast 80jährig 
der Rentner Hermann Jacobson in Fulda einem 
Schlaganfall. Aus kleinen Anfängen der Hausweberei 
entwickelte er mit seinem Bruder seine Fabrik, die 
mechanische Leinen-, Damast- und Gebildweberei, zu ihrer 
jetzigen Höhe. Jacobson, ein Mitbegründer des Rhön 
klubs, war ein unermüdlicher Förderer deö Interessen 
seiner Vaterstadt und der Rhön. 
Gleichfalls in Fulda verschied am 4. April im Alter 
von 68 Jahren die Schriftstellerin Josephine Grau. 
Die Dahingeschiedene, die der Fuldaer Geschichtsverein 
im Februar zu seinem Ehrenmitglied ernannte, war stets 
bestrebt gewesen, das Verständnis für die Geschichte der 
alten Residenz der Fürstabte und Fürstbischöfe, die einst 
als Trägerin der Kultur und geistige Pflanzstätte Deutsch 
lands berühmt war, in weiten Kreisen zu wecken. Ihr 
bekanntestes Werk ist der bei Bachem in Köln in 12. 
Auflage erschienene Roman „Das Lob des Kreuzes", 
eine Kloster- und Hofgeschichte aus der Karolingerzeih. 
Die älteren Jahrgänge des „Hessenland" enthalten meh 
rere Beiträge aus der Feder der Verstorbenen. 
In Bad Wildungen erlag im Alter von 67 Jahren 
der Apotheker Ludwig Luckhardt aus Kassel seinem 
langen Leiden. 1853 in Ziegenhain als Sohn eines 
Bierbrauereibesitzers geboren, übernahm er nach länge 
rem Aufenthalt in der Schweiz die Apotheke in Wehl 
heiden und später eine Apotheke in Berlin. Dann kehrte 
er Anfang der neunziger Jahre als Privatmann nach 
Kassel zurück. Hier war er 25 Jahre hindurch Leiter 
der Drogistenfachschule und fast ebenso lange Vorsitzender 
des Gartenbauvereins. Auch war er ein bewährtes und 
stets förderndes Mitglied des deutsch-österreichischen Alpen 
vereins. Mit diesem liebenswürdigen und mit reichem 
Humor begabten Manne ist eine der bekanntesten Per 
sönlichkeiten Kassels ins Grab gesunken. 
Von den silbernen Musikin st rumenten 
des ehemaligen kurhessischen Leibgarderegiments, die 
einem in Dotzheim begangenen Diebstahl zum Opfer 
gefallen sind (vgl. .Hessenland S. 47), macht Rechnungs 
rat Wagner, Hanau, im „Hanauer Anzeiger" folgende 
nähere Angaben: Daß die silbernen Musikinstrumente 
in Hanau angefertigt sind, dürfte nur wenigen bekannt 
sein. Eine Firma Löschhorn soll ihre Anfertigung be 
werkstelligt haben. Es waren s. Zt. angefertigt worden: 
5 Soloklarinetten, 4 große Klarinetten, 3 zweite Klari 
netten, 3 dritte Klarinetten, 2 8-Klarinetten, 2 Flöten, 
2 Hoboen, 4 Fagotts, 4 Zugposaunen, 4 Trompeten, 
4 Waldhörner, 2 Tuben, 1 Baßhorn, eine große Trom 
mel, eine kleine Trommel, ein Beckenschlag, ein Triangel. 
(Drei Fagotts, zwei Zugposaunen, eine Trompete, ein 
Waldhorn, zwei Tuben und ein Baßhorn waren während 
des Krieges 1866 verloren gegangen. Alle übrigen sil 
bernen Musikinstrumente wurden 1866 vom Regiment 
Nr. 80 übernommen.) Gleichzeitig mit diesen für Pa 
radezwecke bestimmten Instrumenten hatte die Regiments 
kapelle auch einen silbernen Schellenbaum, der eben 
falls in Hanau angefertigt wurde, geschenkt erhalten. 
Die Musikinstrumente hatten 80 000 Taler (240 000 
Mark), der Schellenbaum 6000 Taler (18 000 Mark) ge 
kostet. Die Instrumente waren schön ziseliert und mit 
erhabenem Fries von Engelsköpfen geschmückt, sie waren 
mit dicken silbernen Banderolen und Quasten umfloch 
ten. Im Jahre 1866 nach der Übernahme in die preu 
ßische Verwaltung wurden die silbernen Instrumente 
optiert, • d. h. sie wurden, weil für kleinere Musiker zu 
schwer, verkleinert bzw. erleichtert. Die Arbeit msuß sehr 
einträglich gewesen sein, denn es hatten sich Fabrikanten 
erboten, die „Aptierung" kostenlos vorzunehmen. So 
ivurden die silbernen Musikinstrumente auch von der 
80 er Kapelle bei Feierlichkeiten in Gebrauch genommen. 
Seit dem Jahre 1866 hatte dann außer den Musikinstru 
menten auch der Schellenbaum Veränderungen erfahren. 
Der silberne Löwe war entfernt und durch ein anderes
	        

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