Full text: Hessenland (34.1920)

vm* 159 9«m. 
dortigen staatsfreien lutherischen Kirchengemeinde Fried 
rich Wolfs. Mit ihm ist, wie Pfarrer Wilhelm Hopf 
in einem Nachruf der „Hessischen Blätter" hervorhebt, 
der letzte der kurhessischen Pfarrer heimgegangen, die 
im Juli 1873 den bekannten Protest unterzeichneten 
und ihre Renitenz gegen das neue Staatskirchenregiment 
mit der Amtsentsetzung büßten. Pfarrer Wolfs war 
am 3. Mai 1841 zu Rauschenberg als Sohn des 
dortigen Pfarrers geboren. — 
Das 50jährige Bestehen beging am 24. Sep 
tember mit einjähriger Verspätung die Vilmarsche 
Schule in Melsungen. Im Herbst 1839 war sie 
durch den Pfarrer Wilhelm Vilmar als Erziehungs 
anstalt für Knaben ins Leben gerufen worden. Zu den 
ersten Lehrern der Anstalt gehörten die Pfarrer H. F. 
Henkel und Konrad Schmidt sowie Oberlehrer Karl 
Mensing. Nach Vilmars Tode (1902) übernahm der 
jetzige Direktor Pfarrer Karl Kauffmann die Leitung 
der Anstalt, die jetzt 251 Schüler unterrichtet. 
Flurname nforschung. Während der in Wei 
mar vom 27.—30. September stattgefundenen Haupt 
versammlung der deutschen Geschichts- und Altertums 
vereine wurde auf Antrag des Vorsitzenden, Geheimen 
Archivrats Dr. Baillen-Berlin, ein Ausschuß für Flur 
namenforschung ins Leben gerufen, der das gesamte 
deutsche Sprachgebiet umfassen soll. In den Ausschuß 
wurden fünf namhafte Flurnamenforscher gewählt; 
Archivrar Dr. Beschorner-Dresden, Professor Dr. Lüh- 
mann-Braunschweig, Studiendirektor Dr. Schoof-Hers- 
feld, Privatdozent Dr. Fehrle-Heidelberg und Professor 
Dr. Bächtold-Basel. 
Aus Kassel. Auf dem israelitischen Friedhof in 
Bettenhausen wurde für die 47 gefallenen Söhne der 
Synagogengemeinde ein Heldenhain errichtet, dessen ein 
drucksvoller Denkmalsbau von Professor Hummel und 
Reg.-Baumeister Sichel geschaffen wurde. 
Z e i ch e n d e r Z e i t. In der Klosterkirche Kreuz- 
berg in der Rhön wurde nachts der Tabernakel am 
Haupt- und Nebenaltar erbrochen. Monstranz und andere 
Wertgegenstände waren jedoch anderwärts verwahrt. — 
Bei einem Einbruch in das der althessischrn Familie 
von der Malsburg gehörende Schloß Escheberg wurde 
außer dem Silberschatz auch eine Sammlung seltener 
hessischer Münzen gestohlen. — Auch aus Schloß Rothe- 
stein bei Allendorf a. d. W. wurden bei einem Einbruch 
erhebliche Silbersachen entwendet. 
Hessische Vücherschau. 
Geschichte des Gymnasiums zu Hersseld 
von 18 76 — 1920. Von Philipp Hafner, 
Gymnasialdirektor, Geh. Sludienrat, und Dr. Karl 
Köhler, Gymnasialdirektor. Hersfeld (Hoehlsche 
Buchhandlung) 1920. 92 Seiten. Preis 4.— M. 
Das Alter des Menschen schätzt der Psalmist aus 70 
Jahre. Die Schöpfungen des Menschen, soweit sie nicht 
unbewegliches Vermögen darstellen, werden vielfach nicht 
älter. Mit Recht erscheint es daher als ein bemerkens 
wertes Ereignis, wenn eine menschliche Schöpfung das 
Fünffache eines Menschenalters erreicht, das vierte Jahr 
hundert ihres Bestehens zur Hälfte vollendet. Auf ein 
Bestehen von 350 Jahren konnte kürzlich das Gymna 
sium zu Hersfeld zurückblicken. Der Gedenktag wäre 
vor einem Jahrzehnt vielleicht prunkvoller, ist aber 
auch jetzt in durchaus würdiger Weise begangen worden. 
Eine bleibende Erinnerung stellt die von den Direktoren 
Hafner und Dr. Köhler verfaßte „Ges ch i ch t e 
des Gymnasiums zu Hersfeld von 1876 
bis 1920" dar. Es ist wohl gerechtfertigt, wenn zum 
Ausgangspunkte das Jahr 1876 gewählt wurde. Denn 
im Herbste dieses Jahres übernahm der überall in 
deutschen Landen hochgeschätzte Direktor Dr. Duden die 
Leitung des Gymnasiums. Die vorliegende Schrift be 
ginnt mit einer feinsinnigen Würdigung Dudens, die 
sich von Übertreibungen durchaus fernhält. Ebenso werden 
Charakterbilder einer Reihe von anderen Lehrern ge- l 
zeichnet. — Schwerlich wird sich in der Geschichte des 
Gymnasiums ein halbwegs bemerkenswertes Ereignis 
finden, dessen nicht mit angemessener Ausführlichkeit 
gedacht ist. Daneben werden auch die Änderungen im 
Schulbetrieb, in der Stellung der Lehrer und dergl. mehr 
besprachen und mit stets einleuchtender Begründung beur 
teilt. Somit hat die Schrift nicht bloß örtliche Be 
deutung. Der alten kurhessischen Einrichtungen wird 
wiederholt in anerkennendem Tone gedacht. Für die 
Sparsamkeit der alten preußischen Regierung werden, 
markante Beispiele angeführt, die an unseren Tagen 
besonders seltsam anmuten. Der Schrift sind sechs An 
hänge beigegeben. Der vierte Anhang berichtet über 
den Lebenslauf der Lehrer und beruht wohl auf den 
Mitteilungen, die die einzelnen Herren selbst zu den 
Akten des Gymnasiums eingereicht haben. Der fünfte 
Anhang enthält Frequenztabellen. 1876 zählte das 
Gymnasium 256 Schüler. Diese Zahl erhöhte sich für 
1895 nur um etwa 4 Prozent aus 267. 1920 aber betrug 
die Zahl der Schüler 444. Wie der Tiefstand des Jahres 
1895 zu erklären ist, vermögen nur genaue Kenner der 
Verhältnisse zu sagen. Auffällig erscheint, daß für 1895 
21 Abiturienten nachgewiesen sind, eine Zahl, die wohl 
in keinem anderen Jahr überschritten wurde. Der sechste 
Anhang (Verzeichnis der Abiturienten von 1877 bis 
1920) führt 1536 Namen an. Bei weitaus den meisten 
Herren werden Angaben über die gegenwärtige Stellung 
geboten oder es wird die Zeit des Todes mitgeteilt. 
Wie unendlich viele Mühe der sechste Anhang gemacht 
haben muß, vermag nur zu beurteilen, wer sich an ähn 
lichen Arbeiten je versucht hat. Die vorstehenden Be-' 
merkungen rechtfertigen wohl das Urteil, daß die Schrift 
der Herren Hafner und Köhler den ehemaligen unb den 
gegenwärtigen Lehrern und Schülern des Gymnasiums 
als wertvolle Gabe erscheinen muß, daß sie aber auch 
in weiteren Kreisen, namentlich bei Schulmännern, Be 
achtung verdient. F. H. 
Flamme n. Zu M. Herberts Gedenken. 
Hrsg, von Maria K ö ch l i n g. Köln (I. P. Bachem) 
o. I. (1919). 242 Seiten. Preis brosch. M. 6,—, 
geb. M. 8,—. 
M. Herbert (Frau Therese Keiter, geb. Kellner in 
Regensburg) gehört zu den besonders in katholischen 
Kreisen meistgelesenen Schriftstellerinnen unserer Tage. 
Eduard Engel in seiner Literaturgeschichte reihte sie 
unseren wertvollsten Lyrikerinnen auf religiösem Unter 
grund ein. Neben ihren acht Versbänden haben aber 
auch ihre zahlreichen Romane und Erzählungen, von 
denen die „Wenderoths" und die „Idealisten" sich in 
Hessen abspielen, weite Verbreitung und immer wieder 
neue Auflagen gefunden. So gab denn die Beliebtheit 
dieser weltweisen, niemals trivialen Dichterin der Güte 
und Caritas Anlaß zu einer Festgabe, die Maria Köch- 
1 ling zu M. Herberts 60. Geburtstag mit einer Anzahl
	        

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