Full text: Hessenland (34.1920)

me. 108 SE, 
Und der Schelldorfer Buttermann urteilte: „An 
dem schlechten Steinklopper ist ’» guter Parr ver- 
lor'n gegangen." 
„Alleweil -hab' ich mich aber aufs Maul ge 
schlagen", gestand der Buermeister. „Nun schwatz 
ich net mehr mit." 
Bonaventura war, ohne den durchschlagenden 
Erfolg seiner Erzählung abzuwarten, längst ins 
Freie entwischt. Als er, das Tier am Seil, sich 
der Straße zuwandte, drängten sich in jedem Wirts 
hausfenster zwei, drei lachende Gesichter. Zurufe 
erschollen, und sogar die Mägde lachten ihm nach. 
„Kommt gut hin, ihr zwei Gescheiten!'^ wünschte 
der Fuhrknecht. 
„Und daß du mir die ungebrannte Asche net 
sparst, Bonaventura!" rief der Wirt. „Schneid' 
dir unterwegs 'nen tüchtigen Wacholder!" 
„Verwalk ihn nur ordentlich, den Iudebuckel!" 
überschrie der Butterhändler die Stimmen der 
andern. Und das Hallo und Gelächter folgte ihm 
bis vors Dorf hinaus. 
(Schluß, folgt.) 
Aus Heimat und fremde. 
H e s s i s ch e r G e s ch i ch t s v r r e i n. Auf den Pfaden 
der heiligen Elisabeth führte der Ausflug des Mar 
burg e r Vereins am 15. Juni die zahlreich er 
schienenen Mitglieder mit ihren Damen zunächst über 
den Lahnberg nach der Elisabethen - Fuß - 
trappe. Hier teilte Archiv-Assistent vr. G u t b i e r 
mit, Ivas die Sage um den merkwürdigen Stein, der 
schon 1552 unter dem erwähnten Namen urkundlich 
vorkommt, gewoben hat, und sprach am Elisabeth 
brunnen, dem Ziel des Ausflugs, eingehend über 
die Geschichte der vielbesungenen Stätte. Erneute Nach 
forschungen ergaben manche Ergänzungen zu den bis 
herigen Feststellungen K. W. Justis und W. Bückings. 
Was über den Brunnen und seine Geschichte bekannt 
ist, enthalten im wesentlichen schon seine Jnschriften- 
tafeln. Soweit sich ihre Angaben auf die hl. Elisabeth, 
ihren Aufenthalt an der Quelle, deu Bau einer Ein 
fassung und die Errichtung einer Kapelle neben dem 
Brunnen beziehen, beruhen sie auf der Volkssage. Die 
ersten Hinweise auf Brunnen und Kapelle tauchen erst 
im Jahre 1595 auf. Der kaiserlich gekrönte Poet und 
Professor der Geschichte an der Universität Marburg, 
Hermann Kirchner, besingt am 23. Juni 1595 an der 
landgräflichen Tafel aus dem Stegreif die Quelle am 
Lahnberg, die ihren Namen von der pannonischen Gat 
tin, d. h. der ungarischen Prinzessin Elisabeth empfan 
gen habe. Im gleichen Sommer bucht der Trappierer 
des deutschen Ordens in Marburg in seiner Ausgabe 
rechnung einen Posten: neben anderen mit ausgelegt 
zu erbauung des brunnens bey S. Elisabethen 
ca pellen vorm Lhonberg. Dieser Rechnungseintrag 
ist bisher die einzige urkundliche Nachricht über eine 
Kapelle bei dem Brunnen, und zwar über eine 1§ l i s a - 
b e t h k a p e l l e. Mitte des 17. Jahrhunderts wird 
sie in der zweiten Predigt des Mag. Balth. Happel über 
die diva Elisabetha als Kirchlein vor dem Lahnberg, 
die Kapelle genannt, bezeichnet. Ob dieses jetzt als 
Elisabethkapelle bekannte Bethaus der Brunneninschrift, 
>vie bisher angenommen, mit einer Wallfahrtskapelle 
zum hl. Kreuz gleichgesetzt werden kann, die nach dem 
einzigen über sie bekannten Aktenstück vor dem Walde 
jenseits des Lahnberges gestanden hat, ist ohne weiteres 
nicht zu bejahen. Für die Annahme des Standortes 
der Kapelle unmittelbar hinter dem 'Brunnengebäude 
fehlt jeder Anhalt. Die der stillen Andacht geweihte 
Stätte sah am Ende des 16. Jahrhunderts ein fröh 
liches Treiben, wenn hier Landgraf Ludwig IV. seinen 
Geburtstag festlich beging. Auf einem solchen Wald 
feste, wie es in dem genannten Gedichte Kirchners be 
schrieben ist, mag dem Landgrafen der Gedanke an 
eine großartigere Ausschmückung der Quelle gekommen 
sein. Im Jahre 1596 ist der Bau vollendet. Sein 
Schöpfer ist unbekannt. Der Meister verwandte das 
Motiv eines zweigeschossigen Triumphbogens, dessen 
erstes in dorisch-toskanischer Ordnung gebautes Stock 
werk die tonuengewölbte Brunnenhalle enthält. Drei 
paarweise gestellte jonische Säulen gliedern das Ober 
geschoß zur Aufnahme der zwei größeren Jnschriften- 
tafeln. Die im Giebel und in den beiden Friesen an 
gebrachten Wappen, ursprünglich nicht bemalt, haben 
in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts 
eine später wieder getilgte Polychromieruug erfahren. 
Die Umschrift des Wappens des Amtmanns von Amöne 
burg, Jost Rau von Holzhausen, hat, weil falsch ver 
standen, der Marburger Regierung im Jahre 1686 Be 
denken gegeben, sie vollständig in Johann Just Win- 
kelmanns Hessische Chronik aufnehmen zu lassen, um dem 
Erzstift Mainz keinen Anlaß zum Streit um die. terri 
toriale Zugehörigkeit des Dorfes Holzhausen zu geben. 
Dem Vorschlag der Regierung/ die Umschrift am Brun 
nen selbst zu ändern, wurde nicht stattgegeben. — 
Von dem vor einigen Jahren bei Gelegenheit von 
Ausschachtungsarbeiten aufgedeckten, etwas südlicher un 
weit der ehemaligen mainzisch-hessischen Grenze ge 
legenen Schöpfbrunnen sind noch einige Reste der Ein 
fassung sichtbar, die von einem hohen Alter des Brun 
nens zeugen. Von Wichtigkeit ist der Umstand, daß ge 
rade dieser Stelle die besondere Verehrung der Schröcker 
galt, und die Überlieferung erzählt, hier habe die hl. 
Elisabeth gewaschen und die Werke der Barmherzigkeit 
ausgeübt. Die Tradition hat an diesem Brunnen trotz 
des neuen Brunnens als am eigentlichen ursprüng 
lichen Elisabethbrunnen festgehalten. Im Volksmund 
wird er jetzt Elisabethtreppchen genannt. Die Sage 
vom Schröcker Brunnen als einem Kinderborn läßt 
sich eher auf ihn als auf den neuen Brunnen be 
ziehen. Wahrscheinlich hat der alte Brunnen zu einer 
ehemaligen Siedelung gehört, von denen mehr als eine 
vor dem Lahnberg im Laufe des Mittelalters zur 
Wüstung geworden ist. Zur Errichtung des neuen 
Brunnengebäudes an seiner jetzigen Stelle wird den 
Landgrafen die Überlegung veranlaßt haben, daß das 
Monument hier eine wirkungsvollere Lage finden müßte. 
Die den meisten Besuchern des Platzes bisher verborgen 
gebliebenen Tröge unter den Büschen an seiner der 
Straße zu liegenden Seite, aus denen Kaiser Karl 
(wohl Karl IV.) seine Pferde getränkt haben soll, sind 
Waschtröge, die das Forstamt zu Marburg im Jahre 
1728 gebaut hat, „umb das Waschen von den Brunnen 
dahin abzuweisen." Die Schröcker kamen, wie noch 
heute, schon Jahrhunderte lang zum Waschen an den 
Brunnen, dessen Wasser wegen seiner außerordentlichen
	        

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