Full text: Hessenland (33.1919)

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treuen Gesinnung. Was ich bedurfte, zu jeder 
Mit, in jeder Lage, an Trost und Rath, an 
Beruhigung und Ergebung, an Ermuthigung und 
Erhebung, an Erleuchtung — alles suchte, for 
derte, fand ich, voll stets Liebreicher Theilnahme. 
Die Hüls e in allen Lagen, ähnele der — 
Gottähnliche aus mir herauß und sah es nur 
als Zugabe an, legte wenig oder gar, keinen. 
Werth darauf, als verstände sich das von selbst. 
Alles, Alles ist dahin! Oede, arm, Licht 
los u. dunkel liegen meine noch übrigen 
Tage vor Mir, nur das bleibt mein unentreiß- 
bares Gigenthnm, was durch ihn in mir gereift 
ist. Gott hatte gegeben, er hat genommen. Ich 
kann mich nur in Demuth seinen Rathschlüssen 
unterwerfen, thue es und halte mich an die 
Hoffnung, an die ich mich immer hielt, wenn 
mich die bange Vorstellung von dem ergriff, 
was jetzt gekommen, daß Gott erbarmend auf 
mich herab sieht, und auch mir der Tod, als 
„ein sanfter Begleiter eines geliebten Schattens" 
bald erscheinen wird. Wie es mir geht? fragen 
Sie, Gütiger, wohl, der mich hier vielleicht 
aM meisten versteht. — Wer ergründet die Tiefe 
der menschlichen Brust — anfangs war ich be 
klemmt und hatte wenig Schmerz — dann lag 
in der Größe desselben etwas heiliges, wozu 
sich Wehmuth gesellte und womit ich in Gedächt 
niß und Sehnsucht nicht unglücklich war. So 
ist es Nicht mehr. Tiefer und immer tiefer 
senkt sich alles in den Grund Md erfüllt den- 
. —■ <»-■#*- 
selben. Ich Mi oft recht sehr angegriffen, gchckh- 
gültig gegen alles Außere — und wie im Gei 
stigen, wM es Mir auch im physischen —- es ist 
mir, wie mm wohl sagt: endlich kömmt' es! es 
ist mir, als M dHe-MekMg <#fer GtsWttsrMtzen 
in das innerste Mark meMer GeMne gedrMgen 
sey, und als habe in diesem kranken Zustand 
mein Schmerz ehte zerstöhrende Schneide bekom 
men. Vielleicht wird es Meder anderst, ich habe 
zuweilen auch eine gute Stunde. Ich erlaube 
mir Ihnen das zu sagen, weil Sie mir stets 
einen zarten und wohlthuenden Antheil zeigten, 
und weil ich kleine, kleinliche irrdifche Unge 
legenheiten, die mich noch obenetn in ihrer 
Erbärmlichkeit wahrhaft beumuhigen, an Ihr 
mitleidiges Herz legen möchte. Darf ich das 
Schriftlich thun? mein gütiger, herzlich ver 
ehrter Freund! ich kann es so vielleicht zu 
kürzerer klarerer Uebersicht, die Ihnen weniger 
Zeit raubt, ordnen. — Ich kann mir nicht ver 
bergen, daß meine Gedanken oft etwas ver-- 
wvrreues haben, es mir schwer wird, etwas ins 
Klare zu bringen — mein Gemüth ist zu tief er 
schüttert. Ihre mir so liebe Schwägerin will die 
Güte haben, Ihnen dies . Blatt zu geben, dessen 
Länge Sie gern vergeben und das Blatt mit Mit 
leid lesen — zu einer gekegenen Stunde. Vertrau 
ensvoll will ich die erste gute Stunde benutzen, 
da ich. fürchte es könnte schlimmer mit mir 
werden! Gottes Trost itt Ihr Herz und in 
das Meyne! 6. 
(Schluß folgt.) 
Burg Wolfershausen und Sie Amsel am Lollerberg. 
Von G. Eisentraut. 
(Schluß.) 
In fast schnurgerader Richtung führte-in alter 
Zeit ein Weg von Kassel über Niederzwehren, 
Reugershaüsm, über das Baunatal bei Fehren 
berg, dünn über Haldorf oder Dissen nach Fels 
berg und von dort nach dem alten Übergang über 
die Edder bei ihrem Zusammenfluß mit der 
Schwalm. Der Weg lief über dm Dstabhaug des 
Lotterberges bei Wolfershausen. Hier liegt nord 
westlich des Dorfes die im erstm Teile dieser 
Arbeit oft genannte Amsel, ein Gehöft, das aus 
einem 1776 erbauten einstöckigen Wohnhause und 
einer Scheune mit Stallung besteht, zwischen denen 
der alte Weg hindurchführt. Die Amsel tvar in 
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Wirts 
haus, dessen Besuch Mit der Zeit immer mehr ab 
nahm. Der Verfasser der Katästervorbeschreibung 
von Wolfershausen vom Jahre 1748 klagt darüber, 
daß das im Dorfe gebraute Bier in der Amsel 
nur geringen Absatz fände. Der a l t e Fußpf a d 
von Kassel umch F e t sberg fei in Vergessen 
heit geraten und würde nur noch selten begangen. 
Wichtiger für die Geschichte der AmsÄ ist aber 
eine andere Mitteilung desselben unbekannt ge- 
bliebenm Verfassers. Am ß 3 der Borbefchreibung 
nämlich berichtet er: „Es sind auch in diesem Dorfe 
keine reMarqüüUen Umstände, außer daß auf der 
nordwestlichen Seite, etwa eine kleine viertel 
Stunde vom Dorfe bei dem Wirtshause, die Amsel 
genannt, ein Miele hundert Jahre alter Stein in 
der Erde stehet, nwrän das Chur-Mayntzi- 
s ch e Wappen gehauen. Und weilm sich auch 
in dem dabei liegenden Walde dergleichen noch 
mehrere finden sollen, so ist- zu vermuten, daß 
dieses Dorf, als welches überdies in vielen 
Stücken etwas ö parts« hat, ehetKm in das 
Chur-Mayntzische Gebiet gehört haben müssen."
	        

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