Full text: Hessenland (33.1919)

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Selbstverständlich geht auch in Wolfershausen die 
Sage von einem unterirdischen Gange, der vom 
Dorfe nach dem Heiligenberge führen soll. Das 
ist um so bemerkenswerter, als im Dorfe heute 
wohl nichts mehr von den Beziehungen, bekannt 
ist, die einst zwischen Wolfershausen und dem 
Heiligenberge bestanden haben. 
Durch vorstehende Ausführungen ist wohl die 
Lage der alten Burg und ihrer Vorburg genügend 
festgelegt worden. Möchten sie Anregung geben, 
daß auch für andere Ortschaften, nach denen sich 
Rittergeschlechter benannt und in denen sie wahr 
scheinlich auch feste burgähnliche Wohnsitze gehabt 
haben, wie z. B. in Wehren, Großenritte, 
Grifte, Röhrenfurt, Rengshausen, Rengershausen, 
Schachten, Kalben u. a. die Lage der alten Burg 
stätten nachgewiesen wird. 
(Schluß folgt.) 
Philippine Engelhard. 
Eine deutsche Dichterin aus der guten alten Zeit. 
Von Elsbeth von Nathusius. 
(Fortsetzung.) 
Nach seiner Rückkehr schreibt Nathusius von 
Magdeburg einen Brief voll Dank: „Ich bitte sehr 
um die Fortdauer ihrer allseitigen Freundschaft 
und Liebe. Ich kann es nicht unterdrücken, zu 
jedermann zu sagen, daß ich keine edlere Familie 
kenne als die Ihrige. Es ist nicht Schmeichelei, 
sondern Empfindung meines Herzens." In einem 
spätern Briefe an Frau Philippine heißt es: „Ich 
fand mich so glücklich in Ihrem Hause, zufriedener 
als in einem eleganten Steinklumpen. Mein Herz 
wurde bei Ihnen kuriert. Beinahe melancholisch 
kam ich zu Ihnen. Durch so mancherlei Ereignisse 
in den letzten zwei Jahren hatte ich allen Glauben 
an gute Menschen verloren. Ich entzog mich daher 
allem Umgang. In Ihrem Hause habe ich aber 
den Glauben, daß es gute Menschen gibt, wieder 
bekommen. Dies hat auch meine hiesige Lebens 
weise geändert. Ich sage jedem, daß ich in Ihrem 
Hause kuriert bin." 
Schon im Oktober kehrte Nathusius auf Drängen 
des westfälischen Ministers von Bülow zurück iu 
sein altes, liebes Quartier. Doch wer weiß, ob 
er dem Wunsche des Ministers gefolgt wäre, wenn 
nicht das Engelhardsche Haus und vor allem 
Luise ihn mit unwiderstehlichem Verlangen nach 
Kassel erfüllt hätte. Hier machte er Frau Philip 
pine den Vorschlag, seinen Liebling an Kindes 
statt annehmen zu dürfen. Diese aber, wohlerfahren 
in Herzensangelegenheiten, ging frisch darauf los 
und fragte den Freund ganz offenherzig, warurn 
er denn die Luise nicht lieber heiratet: wolle? Da 
kam er zunächst mit vielen Bedenken und Zweifeln, 
ob seine Liebe auch Erwiderung finden würde und 
ob er seinen Jahren, seiner Vergangenheit und 
seinen Erfahrungen nach ihr wohl noch das geben 
könne, was sie bedürfe und was sie ihm wert sei. 
Die Mutter aber machte ihm Mut und überwand 
alle seine Skrupel, so daß die Verlobung gegen 
Weihnachten zustande kam, und es wurde damit 
der Grund zu einer ganz besonders glücklichen 
Ehe gelegt. Als das Eis einmal gebrochen war, 
verwandelte sich der väterliche Freund mit acht 
undvierzig Jahren in einen feurigen, jugendlich 
lebhaften Liebhaber. Die Familie feierte ein strah 
lendes Fest. Luise als Christengel gekleidet ver 
teilte nach allen Seiten hin die reichen Geschenke 
des Freundes, während seine glücklichen Augen an 
ihr hingen und Mutter Philippine dichtete: 
Das Christkind stellt sich hier persönlich 
Mit Gäben ein. 
Ist nicht unsichtbar wie gewöhnlich, 
Hat Fleisch und Bein. 
Ein edler Mann, der stets erfreuen 
Und geben will, 
Läßt durch Louisens Hand verstreuen 
Genuß und Spiel. 
Doch womit soll man ihn erfreuen, 
Dem nichts gebricht? 
Wie Göttern Weihrauch ihm zu streuen, 
Das trüg er nicht! 
Nie wollte diesem Geist genügen 
Der Welt Genuß, 
Drum lohnt ihn jetzt mit vollen Zügen 
Sein Genius. 
Nach mancher Täuschung, Sorg' und Schmerzen, 
Du edler Mann, 
Schmiegt sich zum Lohn dem schönen Herzen 
Dies Christkind an. 
Am 27. Februar wurde der Bund fürs Leben 
geschlossen, und im folgenden Dezember schenkte 
Luise ihrem Mann in Magdeburg den ersten Sohn. 
Aus. dieser ersten Verbindung entstand sehr bald 
eine zweite, indem. Luisens Schwester Johanne 
den Vetter und treuen Gehilfen ihres Schwagers, 
Herrn Hillebrand, heiratete. Die Hochzeit wurde 
in Magdeburg gefeiert, Philippine konnte nicht 
persönlich zugegen sein, sandte aber aus froher 
Stimmung heraus dem Paare ein Hochzeits 
liedchen. Dann folgte als Hochzeiter der älteste 
Sohn mit Karoline Heym, wieder ein Paar, das 
besungen werden mußte, und später wurde den
	        

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