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mauern so vollständig durchgeführt, das; den Rittern
die Lust verging, die Burg jemals lvieder auf
zubauen. Bereits 20 Jahre später ist in einer
Urkunde von 1292 die Rede von zwei Höfen, die
in Wolfershausen dort aufgebaut waren, wo vor
dem die Burg und ihr« Vorburg gestanden hatten.
Da wir ans diese Urkunde unten noch einmal
zurückkommen müssen, sei ihr Inhalt hier kurz
mitgeteilt: Am 19. März 1292 überlassen Ritter-
Hermann von Wolfershausen und seine Gattin
Gertrud dem Ritter Heinrich Kämmerer von Mühl
hausen und dessen Sohn Johann alle diejenigen
Güter in Wolfershausen (Felder, Fischgewässer,
Wiesen, Weiden, Wälder, mit allem Zubehör und
allen darauf ruhenden Rechten), die ihr verstorbener
Großvater Ritter Konrad von Elben gemeinsam
mit ihrer (der Aussteller) verstorbenen Schwester
dem genannten Kämmerer überwiesen hatten, „ex-
ceptis dumtaxat duabus areis, in qnibus
castrum et ipsius castri preurbium olim
fuerat circumpositum, excepta etiam piscina
cum pomerio et uno orto, quorum proprietas et
dominium cum omni usu ad nos .... dinoscitur
pertinere.“
Nirgends sonst wird die Burg Wolfershausen
wieder erwähnt, auch nicht in den Kriegen, die
grade in dieser Gegend so häufig ausgefochten
wurden. Die Burg ist verschwunden, so gut wie
vergessen.
Ohne auf die Geschichte der Familie von Wolfers
hausen weiter einzugehen, sei hier nur mitgeteilt,
daß sie geschichtlich hervorragende Männer nicht
weiter aufzuweisen hat. Doch wird ihr Name häufig
in den Urkunden der Klosterarchive der Stadt
Kassel und in andern Urkunden erwähnt. Der
letzte männliche Sproß war Wolf von Wolfers
hausen, der 1455 als Hofmeister des Landgrafen
Ludwig I. starb. Sein einziger Sohn war bereits
vor ihm gestorben. Von den Töchtern war Elisabeth
an Curt Treusch v. Buttlar, Margarethe, die
jüngere, an Rabe v. Boyneburg-Hohenstein, und
deren Tochter Elsa an Günther Sittich v. Berlepsch
verheiratet. Nach dem Tode Wolfs fielen dessen
Allodien und geistliche Lehen den beiden Töchtern
bzw. der Enkelin zu, während die hessischen Lehen
dem Schwiegersöhne Rabe v. Boyneburg-Hohen
stein vom Landgrafen Ludwig I. als neue Lehen
übertragen wurden und später auf die Herren
v. Berlepsch übergingen, die dann durch Kauf auch
einen großen Teil des an Curt v. Buttlar ge
fallenen Erbes an sich gebracht haben. (Kollektaneen
des R. v. Buttlar.)
Wo hat nun die Burg Wolfershausen ge
standen? Der Chronist Wigand Gerstenberg von
Frankenberg, der Wolfershausen irrtümlicherweise
zu den von Heinrich I. von Hessen zerstörten
Schlössern zählt (a. a. O. 230, Anmkg. 19), nennt
diese Burgen „roupslosse unde mortkulen". Die
hessischen Geschichtsschreiber Teuthorn und R. Engel
hard berichten, daß das Ranbschloß dort gestanden
habe, wo jetzt die oben erwähnte Amsel liegt,
also über dem Dorfe und etwa zwanzig Minuten
von ihm entfernt. Dieselbe Behauptung stellt
Falckenheiner in der Geschichte von Fritzlar auf,
wobei er erwähnt, daß noch jetzt (1841) sich bei
der Amsel Spuren alten Mauerwerkes und ver
fallener Wallgräber befänden, wovon heute aller
dings nichts zu entdecken, auch den Besitzern des
Gehöftes nichts bekannt ist. Die Gestaltung des
Geländes bei der Amsel läßt auch die Vermutung,
hier habe einst eine Burg gestanden, gar nicht
aufkommen. Nicht mit Unrecht stellt der Verfasser
der in der Schule zu Wolfershausen aufbewahrten
handschriftlichen Dorfchronik die Frage, wie es
möglich sei, daß das zur Burg gehörige und unter
deren Schutze entstandene Dorf so sehr weit von
der Burg entfernt gelegen habe. Auch Landau
schließt sich in seinem 1842 erschienenen „Kur
fürstentum Hessen" (276) der Meinung an, die
Burg habe bei der Amsel gelegen. Sechzehn Jahre
später aber schreibt er (Wüste Ortschaften, 161),
die Burg habe im Dorfe Wolfershausen ge
standen. Damit hat er das Richtige getroffen.
Hätte er einen Einwohner des Dorfes nach der
Burg gefragt, so hätte dieser gewiß auf die Gegend
nordwestlich der Kirche gezeigt und dem Frager
erzählt, daß, wenn ein beladener Wagen die Dorf
gasse hinunter oder hinauf fährt, ein auffallendes,
starkes Geräusch hörbar wird, als wenn sich unter
der Gasse Gewölbe oder Keller befänden. Übrigens
geht ja auch aus der erwähnten Urkunde vom
19. 3. 1292 ziemlich deutlich hervor, daß die Burg
im Dorfe und zwar dort gestanden hat, wo bald
nach ihrer Zerstörung zwei Höfe erbaut wurden.
(Fortsetzung folgt.)
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Heimkehr.
Am Fluß dem Wellenschlag zu lauschen,
Dem Stand der Sterne zu vertraun,
Der nahen Hügel dunklem Rauschen,
Dem Vogel-Zirpen überm Zaun:
Bad Oeynhausen.
So steigt das alte Träumen wieder
Herauf vom heimatlichen Ried,
Ein Klang noch ungesungner Lieder
Weht flüsternd durch ein kleines Lied
Will Scheller.