Full text: Hessenland (33.1919)

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mauern so vollständig durchgeführt, das; den Rittern 
die Lust verging, die Burg jemals lvieder auf 
zubauen. Bereits 20 Jahre später ist in einer 
Urkunde von 1292 die Rede von zwei Höfen, die 
in Wolfershausen dort aufgebaut waren, wo vor 
dem die Burg und ihr« Vorburg gestanden hatten. 
Da wir ans diese Urkunde unten noch einmal 
zurückkommen müssen, sei ihr Inhalt hier kurz 
mitgeteilt: Am 19. März 1292 überlassen Ritter- 
Hermann von Wolfershausen und seine Gattin 
Gertrud dem Ritter Heinrich Kämmerer von Mühl 
hausen und dessen Sohn Johann alle diejenigen 
Güter in Wolfershausen (Felder, Fischgewässer, 
Wiesen, Weiden, Wälder, mit allem Zubehör und 
allen darauf ruhenden Rechten), die ihr verstorbener 
Großvater Ritter Konrad von Elben gemeinsam 
mit ihrer (der Aussteller) verstorbenen Schwester 
dem genannten Kämmerer überwiesen hatten, „ex- 
ceptis dumtaxat duabus areis, in qnibus 
castrum et ipsius castri preurbium olim 
fuerat circumpositum, excepta etiam piscina 
cum pomerio et uno orto, quorum proprietas et 
dominium cum omni usu ad nos .... dinoscitur 
pertinere.“ 
Nirgends sonst wird die Burg Wolfershausen 
wieder erwähnt, auch nicht in den Kriegen, die 
grade in dieser Gegend so häufig ausgefochten 
wurden. Die Burg ist verschwunden, so gut wie 
vergessen. 
Ohne auf die Geschichte der Familie von Wolfers 
hausen weiter einzugehen, sei hier nur mitgeteilt, 
daß sie geschichtlich hervorragende Männer nicht 
weiter aufzuweisen hat. Doch wird ihr Name häufig 
in den Urkunden der Klosterarchive der Stadt 
Kassel und in andern Urkunden erwähnt. Der 
letzte männliche Sproß war Wolf von Wolfers 
hausen, der 1455 als Hofmeister des Landgrafen 
Ludwig I. starb. Sein einziger Sohn war bereits 
vor ihm gestorben. Von den Töchtern war Elisabeth 
an Curt Treusch v. Buttlar, Margarethe, die 
jüngere, an Rabe v. Boyneburg-Hohenstein, und 
deren Tochter Elsa an Günther Sittich v. Berlepsch 
verheiratet. Nach dem Tode Wolfs fielen dessen 
Allodien und geistliche Lehen den beiden Töchtern 
bzw. der Enkelin zu, während die hessischen Lehen 
dem Schwiegersöhne Rabe v. Boyneburg-Hohen 
stein vom Landgrafen Ludwig I. als neue Lehen 
übertragen wurden und später auf die Herren 
v. Berlepsch übergingen, die dann durch Kauf auch 
einen großen Teil des an Curt v. Buttlar ge 
fallenen Erbes an sich gebracht haben. (Kollektaneen 
des R. v. Buttlar.) 
Wo hat nun die Burg Wolfershausen ge 
standen? Der Chronist Wigand Gerstenberg von 
Frankenberg, der Wolfershausen irrtümlicherweise 
zu den von Heinrich I. von Hessen zerstörten 
Schlössern zählt (a. a. O. 230, Anmkg. 19), nennt 
diese Burgen „roupslosse unde mortkulen". Die 
hessischen Geschichtsschreiber Teuthorn und R. Engel 
hard berichten, daß das Ranbschloß dort gestanden 
habe, wo jetzt die oben erwähnte Amsel liegt, 
also über dem Dorfe und etwa zwanzig Minuten 
von ihm entfernt. Dieselbe Behauptung stellt 
Falckenheiner in der Geschichte von Fritzlar auf, 
wobei er erwähnt, daß noch jetzt (1841) sich bei 
der Amsel Spuren alten Mauerwerkes und ver 
fallener Wallgräber befänden, wovon heute aller 
dings nichts zu entdecken, auch den Besitzern des 
Gehöftes nichts bekannt ist. Die Gestaltung des 
Geländes bei der Amsel läßt auch die Vermutung, 
hier habe einst eine Burg gestanden, gar nicht 
aufkommen. Nicht mit Unrecht stellt der Verfasser 
der in der Schule zu Wolfershausen aufbewahrten 
handschriftlichen Dorfchronik die Frage, wie es 
möglich sei, daß das zur Burg gehörige und unter 
deren Schutze entstandene Dorf so sehr weit von 
der Burg entfernt gelegen habe. Auch Landau 
schließt sich in seinem 1842 erschienenen „Kur 
fürstentum Hessen" (276) der Meinung an, die 
Burg habe bei der Amsel gelegen. Sechzehn Jahre 
später aber schreibt er (Wüste Ortschaften, 161), 
die Burg habe im Dorfe Wolfershausen ge 
standen. Damit hat er das Richtige getroffen. 
Hätte er einen Einwohner des Dorfes nach der 
Burg gefragt, so hätte dieser gewiß auf die Gegend 
nordwestlich der Kirche gezeigt und dem Frager 
erzählt, daß, wenn ein beladener Wagen die Dorf 
gasse hinunter oder hinauf fährt, ein auffallendes, 
starkes Geräusch hörbar wird, als wenn sich unter 
der Gasse Gewölbe oder Keller befänden. Übrigens 
geht ja auch aus der erwähnten Urkunde vom 
19. 3. 1292 ziemlich deutlich hervor, daß die Burg 
im Dorfe und zwar dort gestanden hat, wo bald 
nach ihrer Zerstörung zwei Höfe erbaut wurden. 
(Fortsetzung folgt.) 
«»-«> 
Heimkehr. 
Am Fluß dem Wellenschlag zu lauschen, 
Dem Stand der Sterne zu vertraun, 
Der nahen Hügel dunklem Rauschen, 
Dem Vogel-Zirpen überm Zaun: 
Bad Oeynhausen. 
So steigt das alte Träumen wieder 
Herauf vom heimatlichen Ried, 
Ein Klang noch ungesungner Lieder 
Weht flüsternd durch ein kleines Lied 
Will Scheller.
        

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