Full text: Hessenland (33.1919)

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Wolfershäuser scheinen auch noch in einer anderen 
Beziehung in einer gewissen Abhängigkeit vom 
Erzstifte Mainz gestanden zu haben. Nachdem 
nämlich Landgraf Konrad von Thüringen 1232 
auf seinem Zuge gegen Fritzlar die mainzische 
Burg Heiligenberg bei Gensungen belagert und 
beschädigt hatte, erhielten die Herren von Wolfers 
hausen vom Mainzer Erzbischof den Auftrag, diese 
Burg wieder herzustellen. Die Beziehungen zum 
Heiligenberg, der nur 6 km südlich von Wolfers 
hausen liegt und dessen Burgmänner sie vielleicht 
waren, wie auch der Besitz der genannten Zent- 
gerichte mögen die Ritter veranlaßt haben, sich in 
Wolfershausen niederzulassen. Ob sie sich in diesem 
Dorfe eine Burg erbaut oder eine solche bereits 
vorgefunden und erworben haben, ist nicht mehr 
festzustellen. 
Als sie nun beschäftigt waren, auf Geheiß des 
Mainzer Erzstuhles den Heiligenberg wieder auf 
zubauen, schlugen sie sich plötzlich auf die land 
gräfliche Seite, vielleicht in der Hoffnung, die 
ihnen von den Landgrafen entrissenen Gerichte 
von ihnen wieder zu erlangen. Natürlich verdarben 
sie es hierdurch mit ihrem bisherigen Lehnsherrn, 
und um sie zu strafen, sandte Erzbischof Sigfried 
Truppen gegen den noch nicht fertigen Heiligen 
berg, wodurch die Herren von Wolfershausen und 
ihre Leute wieder große Verluste gehabt zu haben 
scheinen. 
Kaum aber war der letzte thüringer Landgraf 
im Februar 1247 gestorben, als sich die Ritter in 
ihrer schwankenden Politik beeilten, mit Mainz 
wieder Frieden zu schließen. Das war dem Erz 
bischof sehr willkommen. Sofort nach dem Tode 
Heinrich Raspes hatte er versucht, in die Verhält 
nisse in Hessen, besonders in die Gerichtsbarkeit 
regelnd einzugreifen, da er die Lehen des Erzstifts 
in Hessen durch das Aussterben des thüringischen 
Mannesstamms als heimgefallen betrachtete. Für 
den bevorstehenden unausbleiblichen Kämpf mit 
Hessen aber mußte ihm daran gelegen sein, in 
dieser ihm fern liegenden Gegend einige hier an 
sässige und begüterte Vertrauensleute zu gewinnen. 
Durch Urkunde vom 24. 3. 1247 (abgedruckt bei 
Gudenus, ooä. dipl. I. 566) überließ er den Ge 
brüdern von Wolfershausen nicht nur die ihrem 
Vater von den thüringer Landgrafen abgenom 
menen Gerichte, sei es nach Lehnrecht, sei es als 
Pfand, sondern er versprach ihnen auch, den durch 
seine Truppen jüngst auf dem Heiligenberge an 
gerichteten Schaden ihnen zu ersetzen. Die Wolfers 
häuser Ritter schwuren ihm dafür einen Eid der 
Treue. Uber diese Neubelehnung hat Dr. H. Brunner 
in seiner 1913 erschienenen Geschichte der Residenz 
stadt Kassel sich eingehend ausgesprochen. Im 
zweiten Teile dieser Arbeit werden wir noch darauf 
zurückkommen. 
Es begannen nun die Streitigkeiten zwischen 
Mainz und der Herzogin Sophie von Bräßant, 
der Mutter und Vormünderin des jungen hessischen 
Landgrafen. Erst nach 16 Jahren endeten diese 
Fehden mit einem für HeinMh I. günstigen Ver 
gleich. Daß in dieser Zeit die Herren von Wolfers 
hausen zum dritten Male ihre Rolle wechselten, 
wird nach ihrem bisherigen Verhalten uns kaum 
noch wundern. Trotz ihrem dem Erzbischof ge 
leisteten Treueid schlossen sie sich der Herzogin, 
später dem Landgrafen Heinrich an und wurden 
somit wieder Feinde des Erzstiftes. Von ihrer 
Burg Wolfershausen aus befehdeten sie die maiw- 
zische Stadt Fritzlar, die sie leicht in wenigen 
Stunden erreichen konnten. 
Über den Zeitpunkt dieses Mfalles herrscht 
übrigens eine gewisse Unklarheit. Während Falcken- 
heiner in seiner Geschichte des Stiftes Fritzlar 
(I 243ff.) erzählt, daß sich die Wolfershäuser gleich 
nach dem Ausbruch der Lehnsstreitigkeiten 
zivischen Mainz und der Herzogin Sophie dieser 
angeschlossen und Fritzlar befehdet hätten, und daß 
damals schon die Zerstörung der Burg Wolfers 
hausen stattgefunden habe, berichtet er später, daß 
noch 1272 die Herrn von Wolfershausen in der 
Stadt Fritzlar als Freunde aufgenommen wurden, 
und schließt hieran den Beweis, daß die Burg im 
Sommer 1273 zerstört worden sei. Nach Landau 
(Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und 
Landeskunde VIII, 81) hatten die Ritter noch im 
Jahre 1270 einen Ansitz auf dem Heiligenberge, 
und nach Weidemann (Zeitschrift XX, 470 An- 
merkung 2) ließ der Erzbischof den Heiligenberg 
im Jahre 1273 gegen Landgraf Heinrich ^ durch 
die Wolfershäuser Ritter verteidigen, wobei der 
Verfasser sich auf Gudenus I, 597 beruft. Man 
darf hieraus wohl schließen, daß bis zur völligen 
Zerstörung des Heiligenberges durch Heinrich I. 
im Frühjahr 1273 (s. Chroniken des Wigand 
Gerstenberg von Frankenberg, herausgegeben von 
Hermann Diemar, 231, Anmerkung 8) die Herrn 
von Wolfershausen an ihrem Vertrage mit Mainz 
festgehalten, dann aber aütz irgendeinem Beweg 
gründe plötzlich ihn gebrochen haben. Soviel steht 
fest, daß sie im Sommer 1273 in grimmiger Feind 
schaft gegen Mainz und Fritzlar standen und daß 
die Frjtzlarer Bürger, aufs höchste aufgebracht 
durch die von den Rittern bei ihren Raubzügen 
in das Fritzlarer Stadtgebiet ausgeführten Plün 
derungen und Verwüstungen, noch in demselben 
Sommer bewaffnet gegen die Burg Wolfershausen 
zogen, sie erstürmten und dem Erdboden gleich 
machten. Sie haben die Schleifung der Burg-
        

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