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Wolfershäuser scheinen auch noch in einer anderen
Beziehung in einer gewissen Abhängigkeit vom
Erzstifte Mainz gestanden zu haben. Nachdem
nämlich Landgraf Konrad von Thüringen 1232
auf seinem Zuge gegen Fritzlar die mainzische
Burg Heiligenberg bei Gensungen belagert und
beschädigt hatte, erhielten die Herren von Wolfers
hausen vom Mainzer Erzbischof den Auftrag, diese
Burg wieder herzustellen. Die Beziehungen zum
Heiligenberg, der nur 6 km südlich von Wolfers
hausen liegt und dessen Burgmänner sie vielleicht
waren, wie auch der Besitz der genannten Zent-
gerichte mögen die Ritter veranlaßt haben, sich in
Wolfershausen niederzulassen. Ob sie sich in diesem
Dorfe eine Burg erbaut oder eine solche bereits
vorgefunden und erworben haben, ist nicht mehr
festzustellen.
Als sie nun beschäftigt waren, auf Geheiß des
Mainzer Erzstuhles den Heiligenberg wieder auf
zubauen, schlugen sie sich plötzlich auf die land
gräfliche Seite, vielleicht in der Hoffnung, die
ihnen von den Landgrafen entrissenen Gerichte
von ihnen wieder zu erlangen. Natürlich verdarben
sie es hierdurch mit ihrem bisherigen Lehnsherrn,
und um sie zu strafen, sandte Erzbischof Sigfried
Truppen gegen den noch nicht fertigen Heiligen
berg, wodurch die Herren von Wolfershausen und
ihre Leute wieder große Verluste gehabt zu haben
scheinen.
Kaum aber war der letzte thüringer Landgraf
im Februar 1247 gestorben, als sich die Ritter in
ihrer schwankenden Politik beeilten, mit Mainz
wieder Frieden zu schließen. Das war dem Erz
bischof sehr willkommen. Sofort nach dem Tode
Heinrich Raspes hatte er versucht, in die Verhält
nisse in Hessen, besonders in die Gerichtsbarkeit
regelnd einzugreifen, da er die Lehen des Erzstifts
in Hessen durch das Aussterben des thüringischen
Mannesstamms als heimgefallen betrachtete. Für
den bevorstehenden unausbleiblichen Kämpf mit
Hessen aber mußte ihm daran gelegen sein, in
dieser ihm fern liegenden Gegend einige hier an
sässige und begüterte Vertrauensleute zu gewinnen.
Durch Urkunde vom 24. 3. 1247 (abgedruckt bei
Gudenus, ooä. dipl. I. 566) überließ er den Ge
brüdern von Wolfershausen nicht nur die ihrem
Vater von den thüringer Landgrafen abgenom
menen Gerichte, sei es nach Lehnrecht, sei es als
Pfand, sondern er versprach ihnen auch, den durch
seine Truppen jüngst auf dem Heiligenberge an
gerichteten Schaden ihnen zu ersetzen. Die Wolfers
häuser Ritter schwuren ihm dafür einen Eid der
Treue. Uber diese Neubelehnung hat Dr. H. Brunner
in seiner 1913 erschienenen Geschichte der Residenz
stadt Kassel sich eingehend ausgesprochen. Im
zweiten Teile dieser Arbeit werden wir noch darauf
zurückkommen.
Es begannen nun die Streitigkeiten zwischen
Mainz und der Herzogin Sophie von Bräßant,
der Mutter und Vormünderin des jungen hessischen
Landgrafen. Erst nach 16 Jahren endeten diese
Fehden mit einem für HeinMh I. günstigen Ver
gleich. Daß in dieser Zeit die Herren von Wolfers
hausen zum dritten Male ihre Rolle wechselten,
wird nach ihrem bisherigen Verhalten uns kaum
noch wundern. Trotz ihrem dem Erzbischof ge
leisteten Treueid schlossen sie sich der Herzogin,
später dem Landgrafen Heinrich an und wurden
somit wieder Feinde des Erzstiftes. Von ihrer
Burg Wolfershausen aus befehdeten sie die maiw-
zische Stadt Fritzlar, die sie leicht in wenigen
Stunden erreichen konnten.
Über den Zeitpunkt dieses Mfalles herrscht
übrigens eine gewisse Unklarheit. Während Falcken-
heiner in seiner Geschichte des Stiftes Fritzlar
(I 243ff.) erzählt, daß sich die Wolfershäuser gleich
nach dem Ausbruch der Lehnsstreitigkeiten
zivischen Mainz und der Herzogin Sophie dieser
angeschlossen und Fritzlar befehdet hätten, und daß
damals schon die Zerstörung der Burg Wolfers
hausen stattgefunden habe, berichtet er später, daß
noch 1272 die Herrn von Wolfershausen in der
Stadt Fritzlar als Freunde aufgenommen wurden,
und schließt hieran den Beweis, daß die Burg im
Sommer 1273 zerstört worden sei. Nach Landau
(Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und
Landeskunde VIII, 81) hatten die Ritter noch im
Jahre 1270 einen Ansitz auf dem Heiligenberge,
und nach Weidemann (Zeitschrift XX, 470 An-
merkung 2) ließ der Erzbischof den Heiligenberg
im Jahre 1273 gegen Landgraf Heinrich ^ durch
die Wolfershäuser Ritter verteidigen, wobei der
Verfasser sich auf Gudenus I, 597 beruft. Man
darf hieraus wohl schließen, daß bis zur völligen
Zerstörung des Heiligenberges durch Heinrich I.
im Frühjahr 1273 (s. Chroniken des Wigand
Gerstenberg von Frankenberg, herausgegeben von
Hermann Diemar, 231, Anmerkung 8) die Herrn
von Wolfershausen an ihrem Vertrage mit Mainz
festgehalten, dann aber aütz irgendeinem Beweg
gründe plötzlich ihn gebrochen haben. Soviel steht
fest, daß sie im Sommer 1273 in grimmiger Feind
schaft gegen Mainz und Fritzlar standen und daß
die Frjtzlarer Bürger, aufs höchste aufgebracht
durch die von den Rittern bei ihren Raubzügen
in das Fritzlarer Stadtgebiet ausgeführten Plün
derungen und Verwüstungen, noch in demselben
Sommer bewaffnet gegen die Burg Wolfershausen
zogen, sie erstürmten und dem Erdboden gleich
machten. Sie haben die Schleifung der Burg-