Full text: Hessenland (33.1919)

Am 25. Januar starb zu Marburg im hohen Alter 
von 85 Jahren der emeritierte Pfarrer A u g u st Held- 
mann. Er entstammte einer alten lutherischen Pfarrers 
familie Oberhessens und mar am 21. Oktober 1834 
zu Niederasphe geboren als Sohn des dortigen Pfarrers 
Joh. Matthäus Heldmann. 1859 wurde er Pfarrge- 
hilfe zu Ebsdorf, 1860 zu' Wetter, war dann 1868 bis 
1880 Pfarrer zu Viermünden, 1880—83 zu Kirchlot- 
heim un!d seil 1883 zu Michelbach, wo er sich nach 
27 jähriger Amtstätigkeit emeritieren ließ, um. feinen 
Lebensabend in Marburg zu verleben. Mit ihm ist ein 
ungemein fleißiger und gelehrter Geschichtsforscher, einer 
der vortrefflichsten Kenner der hessischen Kirchengeschichte 
Me Anregung im „Hefsenland" 1918 S. 178 ist 
auf fruchtbaren Boden gefallen, sie hat eine An 
zahl hübscher Antworten gezeitigt. Ganze Schul 
klassen haben sich beteiligt. Sogar aus dem Felde 
liefen ein paar Postkarten ein. Mancher Freund 
der Mundart hat sich nicht auf die gestellten 
Fragen beschränkt, sondern noch sonstiges Material 
für das Wörterbuch geliefert. Dieser Eifer läßt 
Gütes erhoffen, und allen Einsendern sei von 
Herzen gedankt! Freilich, sie verteilen sich sehr 
ungleich auf die verschiedenen Gegenden: Kassel 
und Niederhessen überwiegen, hingegen der Süden 
fehlt fast ganz. Ich weiß nicht, wieweit das mit 
der Verbreitung des „Hessenland" zusammen 
hängt, und hoffe vorläufig, daß der Mitarbeiter 
kreis in allen Bezirken, noch wachse. 
Der Grummet-, der Frosch-, der Lrötc-Artikel 
des Wörterbuchs haben aus den eingeschickten Mit 
teilungen vielfache Bereicherung gezogen. Und 
wenn die verehrliche Redaktion des „Hessenland" 
uns den nötigen Raum gewährt, kann vielleicht 
bald einmal einer der Artikel hier als Probe ab 
gedruckt werden. Neu war mir u. a., daß in frucht 
baren Gegenden ein zweiter und ein dritter Gras 
schnitt als Grummet und Omet unterschieden wer 
den. Besonders mannigfaltig ist die Wortliste für 
den Froschlaich ausgefallen, der als Icke- oder 
Itschegeschlicker, -gericke, -gekrick, -gequick, 
-gegritsche, als Kreeregeschlicker, als Höpperlei 
usw. eingelaufen ist. Und auch ein dem nieder 
deutschen Foggenstuhl entsprechender Ilöpperstuhl 
Hat sich in der Gegend von Hofgeismar gefunden. 
Heute mögen ein paar Fragen alltäglichster Art 
folgen, über die jedermann an jedem Ort Aus 
kunft geben kann. Ich stelle sie in schriftdeutscher 
dahingeschieden, dessen staunenswerte Kenntnisse auf dem 
Gebiete der vaterländischen Orts- und Familiengeschichte 
namentlich Oberhessens, aber auch der benachbarten Län 
der Waldeck und Westfalen, jeder bewundern mußte, 
der mit ihm persönlich oder literarisch in Berührung 
kam. Ein Verzeichnis seiner wichtigsten schriftstellerischen 
Arbeiten, die z. T. in der Ztschr. d. Hess. Geschichts 
vereins, der Ztschr. f. westf. Gesch., den Nass. Annalen 
usw. erschienen, ist im Hessenland (Jg. 18, 337) ab 
gedruckt, das ebenfalls den Verstorbenen zu seinen Mit 
arbeitern zählen durfte. Von seinen drei Söhnen ist 
der älteste, der hallische Geschichtsprofessor Carl Held 
mann, den wissenschaftlichen Bahnen seines Vaters gefolgt. 
Form und erbitte die Antworten in mundartlicher, 
möglichst ungezwungener Schreibweise. Welches ist 
die ortsübliche Gestalt der fortwährend gebrauchten 
Redensart: gelte? oder gelle? oder gelt? oder 
gell? Gibt es Gegenden, denen sie fehlt, und 
wie wird sie ersetzt? etwa durch wahr, nicht wahr 
(wor, worre u. ä.)? — Wie lautet die Frage 
nach der Stunde: wieviel Uhr ist es? oder was 
ist die Uhr? oder was ist die Glocke? oder wie 
spät ist es? oder wie spät haben wir? oder 
wieviel haben wir? usw. Und wenn die 
Antwort darauf etwa 6 hi Uhr ist, wie lautet 
sie in der Mundart: sechs ein Viertel oder 
ein Viertel nach sechs oder ein Viertel sieben 
oder ein Viertel auk sieben usw.? Ebenso 63 / 4 
Uhr: ein Viertel vor sieben oder drei Viertel 
sieben usw. ? — Welches sind die mundartlichen 
Ausdrücke für gestern und vorgestern, morgen 
und' übermorgen? — Im Hinterland wird beim 
Gruß an mehrere Personen gesagt: adjis zu 
sammen! gute Nacht zusammen! u. ä. Ist dieses 
zusammen, das weit ins Nassauische, Rheinische, 
Westfälische hinübergreift, auch in Hessen sonst, 
üblich? — Mit welchen Ausdrücken wird das erste 
und das zweite Läuten zur Kirche unterschieden? 
— Wie heißen in der Mundart Weihnachten und 
Weihnachtsbaum? — die Bezeichnung zwischen 
den Jahren für die Zeit zwischen Weihnachten und 
Neujahr allgemein hessisch? wo fehlt sie? wie wird 
sie ersetzt? — Heißt es Neujahr oder Neujähr 
mit dem Ton auf der ersten oder auf der zweiten 
Silbe? Ebenso in dem Gruße prost Neujahr! 
Marburg (Lahn), Gifselbergerstr. 19. 
Prof. W r e d e. 
Wörlerbuchecke 
Hessische Bücherschau. 
Fritz Stück. Freistaat Hessen! Ein Mahn- 
wort. 2. (ergänzte) Auflage. 3.-5. Tausend. Mit 
einer Übersichtskarte. Kassel (C. Vietor) 1919. 64 
Seiten. Preis 50 Pfg. 
Das starke Interesse, das die Frage Großhessen be 
ansprucht, hat in kurzer Zeit eine Neuauflage dieser über 
sichtlichen Schrift Stücks notwendig gemacht. Das uner 
schütterliche Zutrauen des Verfassers in seine Sache zeigt 
sich auch darin, daß er das Fragezeichen im Titel der 
ersten Seite mit einem Ausrufungszeichen vertauschte. 
Eine wertvolle Bereicherung bietet neben einem Orien 
tierungskärtchen das neu angefügte Kapitel „Echo aus 
dem Pressewald", das Kritiken und Preßberichte zu dieser 
hessischen Angelegenheit zusammenstellt. Angefügt ist 
schließlich noch der 2. Aufruf: „Hessen! Unsere stunde 
ist gekommen!" Ü.
        

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