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Kasseler Statistischen Amtes vr. Rickes ivurde dieses
Amt vom Magistrat dem bisherigen Leiter der städti
schen Verteilungszentrale, dem 1891 zu Leipzig ge
borenen vr. pbil. Erich Schumann übertragen,
der seit 1916 als Mitarbeiter des Stadtrats Weber
bei der Organisation der Lebensmittelverteilung in lei
tender Stelle mitgewirkt hat.
Aus Wilhelmshöhe. Generalfeldmarschall von
Hindenburg und der ganze Stab der Obersten
Heeresleitung reisten am 11. Februar zur Leitung des
Grenzschutzes Ost nach Kolberg ab.
Hanauer Biographien aus dV-ei Jahr
hunderten. Der Hanauer Geschichtsverein kann am
18. September 1919 auf 75 Jahre seines Bestehens
zurückblicken. Aus diesem Anlaß hat ihm unser in
Freiburg i. Br. lebender Landsmann vr. med. 6t
phil. Karl Siebert, der bekanntlich auch den Text
zu dem Werk „Dreihundert berühmte Deutsche" schrieb,
eine Schrift mit dem oben angeführten Titel zur Ver-^
fügung gestellt, von der zunächst hundert Biographien
erscheinen sollen. Mit dem Leben dieser Männer
und Frauen sind die wichtigsten Abschnitte aus
der Geschichte Hanaus und seiner Kulturentwick
lung verknüpft. Fast alle Stände und. Berufsarten
sind berücksichtigt worden. In den Lebensbeschreibungen
begegnen wir acht fürstlichen Personen, elf Dichtern
und Schriftstellern, Industrie, Militärstand und Ver
waltung weisen je fünf, Theologen und Ärzte je sieben,
Naturwissenschaftler und Mathematiker zwölf, Historiker,
Philologen und Pädagogen achtzehn Vertreter auf, So
weit Bildnisse zu beschaffen sind, sollen auch diese bei
gefügt werden. Die hohen Kosten veranlassen den Ver
ein zu der Bitte um Beitritt, um Vorausbestellung der
Festschrift oder um Zuwendung von Mitteln zur An
fertigung von Druckstöcken. Die Mitglieder erhalten ein
Exemplar unentgeltlich, die Vorausbesteller für 5 Mark.
Die Biographien umfassen etwa den Zeitraum von der
1602 geborenen Landgräfin Amelia Elisabeth bis zu
dem 1914 verstorbenen Dichter Karl Engelhard. Be
stellungen und Gaben sind an Oberlehrer vr. Ern st
Zimmermann, Hanau, Rückerstr. 10 zu richten.
Hessischer Arbeitsrat für Kunst. Nach
Kämpfen und Schwierigkeiten beschämend provinzieller
Art, schreibt die „Deutsche Mlg. Zeitung" aus Darm
stadt, hat sich der neue Hessische Arbeitsrat für Kirnst
endlich konstituieren können. Er setzt sich zusammen laus
je zwei Abgeordneten der bereits bestehenden Fachräte
für Kunst, Kunstgewerbe, Architektur, Theater, Musik,
Dichtung, Denkmalpflege, Museum. Zu Vorsitzenden
des Arbeiterrats wurden Kasimir Edschmid und
Professor Albin Müller bestimmt. Die neue, auf
demokratischer Grundlage erwachsene Organisation hat
die maßgebende Beratung der Regierung in Kunst-
dingen und die Oberleitung der gesamten (großherzoglich)
hessischen Kunstpolitik übernommen. Vorläufig gehören
ihr nur Darmstädter Künstler und Kunstsachverständige
an; die Ausdehnung der Organisation auf die übrigen
hessischen Städte ist im Werk.
Aus Cölbe. „Die hiesige sog. dicke Buche,
die 600 Jahre alt ist, ging durch Kauf an Zimmermeister
Hofmann über. Die Buche wird Montag 27. Januar
gefällt werden. Alle Naturfreunde und Gönner der
Buche, die sich an der Arbeit beteiligen wollen, werden
hiermit zu Montag Nachmittag am Göllersgrund an
Ort und Stelle eingeladen. Die Naturfreunde von
Cölbe." — Hoffentlich hat diese Einladung der „Oberh.
Zeitung" ihre Wirkung nicht verfehlt.
Französische Kunstraubpläne. Seit Mo
naten äußern Auguste MarguMer und andere in den
feindlichen Blättern Raubgelüste gegen unsere Museen
und fürstlichen Privatsammlungen, die vigue antiger-
manique de France hat bereits einen umfangreichen
Bericht ausgearbeitet und allen Gelehrten und Künstler
gesellschaften Frankreichs zugesandt. Gegen derartige Ge
lüste wandte sich jetzt Wilhelm von Bode, der Leiter
der Preußischen Staatsmuseen, in der Seemannschen
„Kunstchronik". Auf einen weiteren gefahrdrohenden
Plan der Beraubung Deutschlands in der „Illustration"
vom 11. Januar macht vr. Georg Gronau, der Direk
tor unserer Kasseler Galerie, im „Kass. Tagebl." vom
11. Februar, aufmerksam. Nach diesem Plan soll u. a.
die Kasseler Galerie 300 Bilder, ihre gesamten Haupt-
- stücke, an Frankreich verlieren. Gronau verlangt, daß
bei den hierüber geführten Verhandlungen den Gegnern
durch unsere Vertreter ein „Niemals" zugerufen werde,
das sein machtvolles Echo im ganzen deutschen Volk
und in allen deutschen Gauen findet.
Todesfälle. Zu Marburg verstarb am 29. Ja
nuar im Alter von fast 72 Jahren der Superintendent
v. T h e o d o r Ha p p i ch. In Springstille im Schmal-
kaldischen als Sohn eines Pfarrers geboren, wirkte er
noch nach langjähriger Amtstätigkeit in Speckswinkel und
Cappel 1894—1917 als erster Pfarrer der lutherischen
Gemeinde in Marburg. Happich, ein Mann von reichem
theologischem Wissen und großer geistiger Spannkraft
gehörte u. a. dem Vorstand der kurhessischen Gesamt-
synode und der Missionskonferenz ftir Kürhessen an.
Die Marburger Universität ernannte 'ihn 1914 zum
Ehrendoktor der Theologie.
Am 14. Dezember verschied zu Hanau der erste Vor
sitzende des Hanauer Geschichtsvereins Geheimer Stu-
dieNrat vr. F. Schmidt, Direktor der Oberreal
schule. Im Oktober 1916 trat der Heimgegangene an
die Spitze des Vereins und trug durch feine tatkräftige
Mitarbeit wesentlich dazu bei, daß der Ausbau ider
Sammlungen und der Bibliothek trotz der Kriegsjahre
ruhig fortschreiten konnte. Der Tod hat manchen Plänen,
die er in der Muße der kommenden Zuruhesetzung aus
zuführen gedachte, ein Ziel gesetzt.
Auf seinem Familiengut Riede verstarb im Mter
von 41 Jahren Wilhelm v. Buttlar, der auch
unter den Schriftstellernamen Wilhelm Riede, Wolf
Eberberg bekannt war. Er war vor dem Krieg erst
in Hamburg und dann in Dresden, zuletzt als Redak
teur des „Leipziger Tageblatt" tätig gewesen. Bei
Kriegsausbruch zog er mit ins Feld und zog sich dort
ein Leiden zu, dem er jetzt erlegen ist. v. Buttlar war
jahrelang stellvertretender Vorsitzender der Leipziger Orts
gruppe des Reichsverbandes der deutschen Presse. Er
veröffentlichte mehrere Bände Lyrik.
Zu Königsberg in Preußen starb im 56. Lebensjahr
der Ordinarius der schnitischen Philologie Prof. Vr.
Friedrich Schwally. In Butzbach geboren, be
gann er seine akademische Laufbahn 1893 als Privat
dozent in Straßburg und übernahm 1901 den neuge
gründeten Lehrstuhl für semitische Philologie in Gießen,
wurde hier Ordinarius und siedelte 1914 nach Königs
berg über. Seine wissenschaftliche Tätigkeit umfaßte
das Gesamtgebiet der semitischen Sprachen nach der
Seite der Sprachvergleichung, Kultur- und Religions
geschichte, besonders arabische Literatur und Geschichte
des Islam. Es war ihm nicht vergönnt, sein Haupt
werk, die von ihm grundlegend umgestaltete Neuaus
gabe der Nöldekeschen Geschichte des Koran, zu erleben.