Full text: Hessenland (33.1919)

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liothekar an der Landesbibliothek in Kassel, llr. me,<l. 
Wilhelm Lange, einem der verdienstvollsten For 
scher auf dem Gebiet der hessischen Geschichte, wurde 
der Professortitel verliehen. — Der Kasseler Lehrer- 
Heinrich Theodor K i m p e l, Mitglied der preu 
ßischen Landesversammlung und einer der Vorkämpfer 
der. hessischen Lehrerschaft, wurde zum hauptamtlichen 
Kreisschulinspektor in Witzenhausen ernannt. — Stu 
dienrat Como in Lauterbach, der meisterhafte Schil- 
derer des Vogelsberges, wurde nach Darmstadt ver 
setzt. — Baurat Hubert K n a ck f u ß, ein Bruder 
des verstorbenen Kasseler Akademieprofessors, zuletzt Se 
kretär am deutschen Archäologischen Institut in Athen, 
wurde zum ord. Professor für antike Baukunst au der 
Münchener technischen Hochschule als Nachfolger des 
Geheimen Hofrats Jos. Bühlmann ernannt. — Am 
10. Oktober beschloß der langjährige Geistliche der Mar- 
burger reformierten Gemeinde I). R e i n h a r d S ch e f- 
f e r sein 85. Lebensjahr. — Der als Sohn eines 
großherzoglich hessischen Offiziers in Worms geborene 
General der Artillerie Karl Kehrer in Charlotten 
burg beging am 10. Oktober seinen 70. Geburtstag. 
Er wurde 1883 Batteriechef im 1. kurhessischen Feld- 
Artillerie-Regiment Nr. 11 und war 1889—91 Major 
und Abteilungskommandeur im selben Regiment. — 
Der zu Fulda als Sohn eines kurhessischen Offiziers 
geborene Generalleutnant Louis W i tz e l l in .Han 
nover feierte am 18. Oktober seinen 70. Geburtstag. 
— Der bekannte Maler und Professor au der Kasseler 
Akademie P. B a u in beging seinen 60. Geburtstag. 
— Seinen 50. Geburtstag beging am 22. Oktober 
der in Groß-Auheim bei Hanau geborene erste Tier 
bildhauer Deutschlands August Gaul. 
Todesfälle. In Ofhkoß (Wisconsin) verschied 
81 jährig der Vizepräsident der dortigen Nationalbank 
Charles Schreibe r. Ein geborener Kasselaner 
und in Kasseler Bankgeschäften ausgebildet, wanderte er 
1856 nach Amerika aus, >vo er bis 1906 Kassierer der 
Nationalbauk ivar uub dem deutschen Handel in Ame 
rika große Dienste geleistet hat. 
Mit dem 84 jährig in Hanau verstorbenen Regiments 
sattler Hofmeister vom lllanenregiment Nr. 6, der 
bis zuletzt aktiv .ivar, dürfte der älteste Soldat des 
deutschen Heeres verschieden sein. 
A u s K a s s e l. Der Magistrat mietete den größten 
Teil des Wilhelmshöher Marstalls, um dort vom Früh 
jahr an ein Erholungsheim für Kinder unbemittelter 
Eltern zu errichten. 
Aus Marburg. Im Stadtthcater ging anläß 
lich des 60. Geburtstages Bocks der „Ghmnasialdirektor" 
von Alfred Bock und Eugen Zabel als erste Vor 
stellung der Winterspielzeit über die Bühne. 
Hessische Bücherschau. 
Kasseler Mundart. Die Kasseler Mundart 
dichtung ist um zwei neue Beiträge bereichert worden. 
Oswald Angersbach tritt mit seinem Erstlings 
werk „ U s f r i e h ' r e n Z i e d e n. Funkelnagelneie 
Kasseläner- Geschichderchen." (Kassel 1919 (Karl Vietor) 
72 Seiten. Preis 2 M) auf den Plan. Er schildert 
uns in anspruchsloser Weise das Kasseler Spießer 
leben, Hännes Hibberlings Erfahrungen mit der Volks 
bildung, Schorsche Brotworschds Besuch aus Amerika, 
Ede Dusselkobbs Reise nach Leipzig, Schorsche Uhlodds 
erste Eisenbahnfahrt usw. Die hausbackenen philiströsen 
Vertreter seiner vorwiegend aus Situationskomik aus 
gehenden Geschichten haben ihren Sammelpunkt in der 
Bärenkammer; hier sitzen sie und erzählen sich ihre Er 
lebnisse, und wenn ihre lieben Mitmenschen gegen -Rad- 
fahrer anrennen, im Traum ans dem Bett fallen, bei 
der Katzenjagd alle viere strecken, Tintenfässer umwerfen, 
im Tunnel angsterfüllt die Notleine ziehen, bei der 
nächsten Kurve längelang hinschlagen oder sich im Gast 
haus gegen ausgebrochene Löwen verschanzen müssen, 
so halten sie sich „alszu in einem hin den Buchch vor 
Lachen". Diese Heiterkeit möchte der Verfasser auch auf 
den Leser übertragen und ruft ihm deshalb in seinem 
Eingangsgedicht zu: 
Un wann de moh des Owends 
Nix mehr ze duhne hosd, 
Dann fiehr' dä zu Gemiehde, 
Browier' moh bisse Kosd. 
Es schdimmd dich jedesmoh 
D'r Jnhald Widder froh. 
Besonders die Bewohner des einstigen „Albernhausen" 
werden in diesem Büchlein alte Erinnerungen aufwecken 
können. Die Kasseler Mundart sitzt auf dem absterbenden 
Ast. Wie groß die Unsicherheit in der Festlegung des 
Idioms bereits ist, zeigt auch Angersbach, der z. B. 
das Präteritum von gucken an drei verschiedenen Stellen 
verschieden abwandelt: gock (S. 64), guckte (S. 64) 
und gickede (S. 19). K o u r a d B e r n d t neigt auch 
in seinem neuen Bändchen ,, B o d d e r b l i e m e r ch e n. 
Ziggen und Deedeu in Berschen" (Kassel, 1919, Vietor, 
96 Seiten, Preis 2.50 M) zu dialektischen Übertreibungen, 
so wenn er das „Binn" (statt: Bein) krank sein, den 
Jäger im „Wahle" (statt: Waloe) spazieren, am „Fieer- 
dag" (statt: Feierdag) die „Ziede" (statt: Zaide) schmücken 
läßt oder gar seine Mundart auf die umliegenden Dörfer 
führt und dort ein „niches" (statt: neies) Lied singt 
usw. Berndt verfügt über einen frischen Humor und 
wenn er uns auch einige alte Bekannte vorführt — die 
Pointe des „unzefreddenen Hochziddsgasdcs" brachten 
Kranz-Schwalm im „Hansklos of dä Wäschtsupp" ihres 
köstlichen „Kreiz-Schwerneng" — so weiß er auch mit 
ganz neuen „Schlagern" aufzuwarten, vom lustigen 
„Schdiggchen von unsen Kurfirschden" bis zu den er 
götzlichen Hamsterfreuden und den betrüblichen Leiden 
des Auchagrariers. Mancher, der sich auf der breiten 
Wiese des Humors seinen Strauß pflückt, wird auch zu 
Berndt's „Bodderbliemerchen" greifen. 3. 
Eingegangen: 
H e s s c n k u n st 19 2 0. Hcrausg. Christian Rau ch. 
Bildschmuck Heinrich Otto. Marburg (N. G. El- 
wert). Preis 3,10 M. 
Hessische Volkskalender auf das Jahr 
1920. Herausg. Fr. E l l e n b e r g. 92 Seiten. 
Preis 75 Pfg. 
H e i n r. R u p p e l. Die zu Häupten F r ü h r o t 
haben. Gedichte. Reuters, Oberhessen (Pfeilverlag> 
1910. 64 Seiten. Preis 2,— M.
	        

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