Full text: Hessenland (33.1919)

S«3áiL 191 
wir gingen dann spazieren im Hagen. Wir haben 
schönes Wetter, die Stürme waren nur in einiger 
Entfernung, und es gibt höchstens feine Regen 
schauern, die uns erfrischen. Ich fahre jeden 
Morgen in meiner Karriole mit Tinny aus 
und wir frühstücken zu dritt. Dann reite ich, 
bade darauf, und um 1 Uhr versammelt sich die 
große Gesellschaft, die, wie Du weißt, aus sieben 
Personen besteht. Wir speisen zu Mittag und 
dann gehen wir in die Allee und spielen Pharo 
für eine Stunde, dann geht jeder in seine Zim 
mer. Um 6 Uhr versammeln wir uns wieder, 
gehen spazieren bis 8, dann essen wir zu Abend, 
gehen wieder spazieren und um 10 Uhr zieht 
sich jeder zurück. Das ist die genaue Beschrei 
bung unseres hiesigen Lebens. Es ist recht 
ruhig und es würde mir für immer gefallen, 
wenn ich meine Jungen bei mir hätte." 
Am 4. Juli 1756: 
„Hardenberg 16 kam diese Nacht und will 
heute wieder nach Hause zurückkehren. Er ist 
der Erste, der uns besucht. Ich nehme an, daß 
wir bald Andere hier haben werden." 
Am 7. Juli 1756: 
„Ich habe heute in Wilhelmsthal gespeist, 
fand den Landgrafen, Gott sei Dank!, recht 
wohl." 
Bei dem Pharospiel, das in erster Linie zum 
Vergnügen der Kurgäste eingerichtet war, das aber, 
wie der vorher mitgeteilte Brief beweist, auch 
von der Hofgesellschaft gespielt wurde, scheint man 
16 Der Minister Friedrich August ü. Hardenberg. 
Aus dem Kriegstagebuch 
Von Hauptmann Ernst Bach, im Kriege Kompagnie- 
Während des Krieges habe ich täglich Aufzeich 
nungen in mein Tagebuch gemacht, die, je nachdem 
es die Lage gestattete oder besonderer Anlaß dazu 
vorlag, mehr oder weniger ausführlich waren. Von 
einigen Gefechten der ersten Jahre oder sonst denk 
würdigen Tagen verfaßte ich, noch unter dem 
frischen Eindruck des Erlebten, eingehendere Schil 
derungen, um meinen Angehörigen ein Bild von 
meinem Fühlen und Denken in diesen unvergeß 
lichen Stunden zu geben. Ich will diese Schilde 
rungen nunmehr weiteren, dem lieben alten Regi 
ment 83 befreundeten Kreisen zugänglich machen. 
Aufs innigste find meine Erinnerungen mit den 
Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften ver 
knüpft, die unter mir gekämpft, gelitten und ge 
oft hohe Einsätze gewagt zn haben. Untern: 8. Juli 
1756 schreibt nämlich die Erbprinzefsin: 
„Herr Frankenberg 17 ist bei uns; wenn es 
gutes Wetter ist, gehen lute spazieren, aber wir 
haben viel Regen gehabt und dann spielen wir. 
Gesten: Abend hielt Frankenberg Bank und rui 
nierte mich." 
Der letzte Bericht der Erbprinzefsin von: Geis- 
inarer Brunnen ist vom 28. Juli 1756 und lautet: 
„Wir erwartete,: gestern den Landgrafeen hier 
zum Essen, aber er hatte schlecht geschlafen. Er 
sandte Graf Solms 18 und Röder 19 * 21 22 , um sich zu 
entschuldigen, und da wir jetzt viel Regen haben, 
werde ich ihn einige Zeit nicht sehen. Wir 
können nicht viel spazieren gehen, und wenn Du 
mit Deinen Federbällen kommen willst, wollen 
wir zusaminen in der Galerie spielen. Wir sind 
endlich reich an Herren hier, es sind ihrer neun. 
Ich möchte aber gern mit meinem lieben Engel 
Billy spielen. Buttlar 99 und Boyneburgk" sind 
hier und gestern hatten wir Herrn Capell", der 
von Berlin kam und voll Bewunderung das 
Preußische Exerzieren beschrieb. Da ich aber kein 
Soldat bin, hatte ich kein besonderes Ver 
gnügen an dieser Beschreibung." 
17 Vielleicht der Leutnant v. Frankenberg Nom Regt. 
Erbprinz, der 5. 8. 1758 bei Meer fiel. 
18 , 19 Näheres war nicht zu ermitteln. 
20 Ehrhard Friedrich v. Buttlar, Kapitän in der Garde 
zu Fuß. 
21 Major Heinrich Abraham von Boyneburgk-Lengsfeld. 
22 Wilhelm Ludwig v. Capella, Oberst in der Garde 
zu Fuß. 
1 folgt.) 
eines Dreiundachlzigers. 
und Bataillonsführer im Infanterie-Regiment Nr. 83. 
blutet haben. In Dankbarkeit und mit höchster 
Anerkennung werde ich stets ihrer Tapferkeit und 
Ausdauer, ihres guten Geistes und ihrer Treue ge 
denken, die sie alle Gefahren, Entbehrungen und An 
strengungen freudig ertragen ließen. 
Was uns verband, war das Vertrauen. Ich 
hatte Vertrauen zu ihnen und — ich fühlte es — 
sie hatten Vertrauen zu mir. 
Auch heute noch glaube ich an den guten Kern 
in unserm Volke und an seine Kraft. 
I. 
Lüttich, 5./6. A u g u st 1914. 
Aus halb geöffneten verschlafenen Augen blin 
zelte ich müde durch die klaffende Scheunentür in
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.