Full text: Hessenland (33.1919)

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Oorsvruch zur Wiederholung des Spangenbergers Festspiels ,Kuno und Else* von K. Engelhard. 
Sei mir gegrüßt, vielliebe Stadt, 
Die treu ihr Herz gehütet hat, 
Ihr hessisch Herz im Völkerstreit 
Und aus dem blut'gen Kelch der Zeit 
Das alte heil'ge Treulied trank, 
Das sich wie Jmmergrüngerank 
Um Turm und Mauer innig schlingt, 
Des Echo rings im Land erklingt! — — 
Und türmen Felsen sich empor. 
Und steht der Tod auch gleich im Tor, 
Getreue Liebe rastet nicht, 
Bis sich ihr Bächlein lichtwärts bricht. — 
.So kündet's unser Sang uns klar, 
Das; Liebe einzig Lohn nur war 
Den Überwindern, Liebesleid, 
Des Herzens köstlich Krongeschmeid, — 
Wer das in heißem Kampf erringt, 
Des Amen froh Erlösung singt; 
Der hat des Lebens Sinn erkannt, 
Des Herz für andere entbrannt, 
Für andre Opfer nur befreit, 
Und höchstes Glück heißt Liebesleid. — — 
Ach, liegt's nicht unserm Ohr so nah, 
Nach all dem Leid, das uns geschah? 
Wir opferten so Tag und Jahr 
Aus Deutschlands heiligem Altar, 
Wir brachen Felsen, daß der Quell 
Der .deutschen Sehnsucht sich gesell 
Dem durst'gen Tal. Wir graben noch, 
Wir ringen schwer im harten Joch. 
Das Leid ist da. Ob auch die Lieb' 
In Not und Drang im Herzen blieb? 
O daß nie dieser Bund zerbricht! 
Nur er erlöst empor ins Licht. 
Laßt uns nach echter Hessen Art 
Beivahren solch Geheimnis zart, 
Das unsres Städtleins Lied uns singt, 
Mit frommem Glauben sich verschlingt: 
Es'geht der Weg zur Ewigkeit 
Aus Erdennot durch Liebesleid. — 
Und klingt nun auf der hehre Sang, 
Der einst vor Jahren uns bezwang 
In unserm lieben alten Nest 
An unserm schönen Heimatfest, 
Dann denken wir des Dichters heut, 
Den uns ein himmlisches Geläut 
Zu früh entlockt, der uns verklang 
Wie Maiennachtigallensang, 
Der zwischen Leid und Liebesnot 
Gerungen schwer bis in den Tod. 
Er reifte früh, doch segensvoll 
Aus seinem deutschen Herzen quoll 
Ein Liebenbach goldhell und klar, 
Daß uns beim Trank zumute war, 
Als nähme uns ein Nornengast 
Von unsern Schultern dumpfe Last, 
Als führe uns ein Sonnensohn 
Zum allerheilgen deutschen Thron, 
Da sich enthüllt der heilge Gral. 
Er ist nicht tot, er lebt im Tal. 
Heut steht er hier und lauscht und lauscht, 
Ob noch die reine Quelle rauscht, 
Daraus er uns den Heiltrank bot. 
Er fragt nach unsrer lieben Not, 
Ob zwischen Zeit und Ewigkeit 
Sich noch die flücht'ge Stunde reiht; 
Ob wir noch blieben sonder Reu 
Dem Hohen wie uns selber treu. 
Die Antwort sag ihm unser Spiel: 
Wir wissen um kein höher Ziel, 
Das uns durch Not und Tod erfreu, 
Als leiden still in Lieb und Treu. 
Aus Heimat und fremde. 
Hessischer G e s ch i ch t s v e r e i n. Ter Kasseler 
Verein besichtigte am 2. September bei prächtigem 
Herbstwetter die inneren Räume des Wilhelms- 
höher Schlosses. Bei diesem Anlaß war den 
Mitgliedern auch die auf zwölf korinthischen Säulen 
ruhende Schloßkuppel zugänglich, die die Bildnisse der 
hessischen Fürsten und ihre Wappen enthält. General 
E i s e n t r a u t und Rechnungsdirektor W o r i n g e r 
übernahmen hier mit gewohnter Sachkenntnis die Füh 
rung. Allgemein fiel das Fehlen zweier Porträts 
aus, die wahrscheinlich in den siebziger Jahren zur Aus 
besserung nach Berlin geschickt und dann nicht wieder 
eingereiht wurden. Vielleicht bemüht sich der hessische 
Geschichtsverein einmal um deren Rückgabe.. 
H och sch ulnachrichten. Marburg: Dem Rek 
tor der Universität, Professor Dr. Gürber, wurde 
für seine besonderen Leistungen im Heeressanitätsdienst 
das Eiserne Kreuz verliehen. — Der Privatdozent 
Professor Dr. Erich O b st wurde zum a. o. Professor 
der Geographie ander Universität Breslau ernannt.— 
Der Privatdozent der Medizin Professor Dr. Mag 
nus wurde als a. o. Professor nach Kiel berufen. —- 
Dr. Karl Stuchtey, erster Assistent am Physi 
kalischen Institut, habilitierte sich für experimentelle und 
theoretische Physik sowie für wissenschaftliche Luftfahrt 
und wissenschaftliche Photographie. — Gießen: Der 
Vertreter der Philosophie und Pädagogik an der hie 
sigen Universität Geheimrat Professor Dr. phil. et 
theol. Hermann S i e beck trat in den Ruhestand. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Geheimer Studienrat Pro 
fessor Dr. S ch a n tz in Kassel beging am 21. Sep 
tember seinen 75. Geburtstag. Er ist seit 50 Jahren 
im Lehramt tätig, davon 44 Jahre am Kasseler Real 
gymnasium, und tritt am 1. Oktober in den wohl 
verdienten Ruhestand. 
Karl Wolfskehl, der hessische Lyriker, voll 
endete am 19. September sein fünfzigstes Lebensjahr. 
Da seine schöpferische Tätigkeit, von verhältnismäßig 
wenigen ästhetischen und kulturphilosophischen Unter 
suchungen abgesehen, auf das Gebiet der Lyrik sich be 
schränkt, gehört er nicht zu den Marktberühmtheiten 
der neueren Literatur. Aber es ist im seinen Dich 
tungen auch nie die Tendenz wahrzunehmen, eine Viel 
heit anzusprechen. Dem Alltag und seinen vergäng 
lichen Bedürfnissen völlig abgewandt, spiegeln sie den 
mannigfaltigen Prunk der verschiedenen Kulturzeitalter
	        

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