Full text: Hessenland (33.1919)

Censoren der allgemeinen hiesigen, desglei 
chen der Hanauer Zeitung, sowie des Boten 
aus . Caßel die nöthigen Verfügungen er 
laßen und sie zu der strengsten Befolgung der 
durch die Beschlüße des deutschen Bundes vom 
20 Sept. d. I. in Bezug auf die Preße zu 
Staude gekommenen Einrichtungen angewiesen, 
sondern auch dieserwegen mit den Kurfürstlichen 
Regierungen Hierselbst, zu Marburg, Hanau, 
-Fulda und Rinteln communicirt und sie um 
Erlaßung der erforderlichen Verfügungen an die 
in dem Bezirke jeder derselben angesehenen Buch 
händler und Buchdrucker ersucht. Wir haben 
geglaubt, die Antworten dieser Behörden ab 
warten zu müßen, um an Eure Königl. Hoheit 
vollständig über die ganze Angelegenheit berich 
ten zu können; auch ist uns bereits von Marburg, 
Hanau und Fulda die Nachricht ertheilt worden, 
daß in den. dortigen Regierungsbezirken die 
verordneten Maasregeln in Ausübung gebracht 
worden sind. Kurfürstliche Regierung zu Rin- 
telu hat sich in Rücksicht auf eine früherhin 
dortselbst angeordnete Censur Commißion un 
mittelbar an Ew. K. H. gewandt und die uns 
unterm 19 teil v. M gleichfalls eröffnete Aller 
höchste Weisung empfangen, daß es im Schaum 
burgischen bei der früheren Verordnung sein 
Verbleiben haben und nur in besondern Fällen 
dortige Censur Commission mit uns communi- 
ciren solle. 
Was den Censor, der Hierselbst erscheinenden 
Allgemeinen Zeitung betrifft, so hat derselbe 
bei uns berichtlich angezeigt, daß er unterm 
30ten Juli d. I. eine Allerhöchst eigenhändig 
vollzogene specielle Instruction empfangen habe; 
worauf wir denselben beschieden haben, daß die 
Vorschriften gedachter Specialinstruction aller 
dings fortbestehen müßten, in Fällen aber, wo 
sie etwa mit denr späterhin von Ew. K. 
H. sanctionierten Preßgesetze nicht übereinstim 
men sollten, er dieserhalb geeignete Allerunter- 
thänigste Vorstellung unmittelbar einreichen 
mühe. Diese Fälle dürften jedoch schwerlich 
eintreten. 
Überhaupt wird, und mit dieser Bemerkung 
verstatten wir uns gegenwärtigeil pflichtschul 
digsten Bericht zu schließen, die pünctliche Voll 
ziehung des deutschen Preßgesetzes, vorausge 
setzt, daß in allen übrigen Bundesstaaten genau 
darüber gehalten wird, in den hiesigen Landen 
feinen oder wenigen Schwierigkeiten unterliegen, 
weil dermalen in Kurheßen nur eine verhält- 
llißmäßig geringe literarische Thätigkeit herrscht 
mld viel weniger gedruckt wird, als in andern, 
zumal naheliegenden Ländern. 
In allertiefster Ehrfurcht verharren wir pp. 
Caßel den 10 November 1819. 
8. in. conc. Grimm. 
Zu 'der Schrift „Giebt es gegenwärtig in Deutsch 
land eine revolutionäre Partei, von Ludwig Wie 
land, Gotha 1819", bemerkt am 15. 10. 1819 
Voelkel, es würden darin zwar neuere Verfügun 
gen verschiedener Bundesstaaten beurteilt, da das 
aber in mehreren nicht verbotenen öffentlichen 
Blättern auch geschehe, könne die Schrift erlaubt 
werden. Jacob schreibt: 
Da sich ohnedem Verfaßer und Verleger 
nennen und kein deutscher Staat individuell be 
leidigt wird, so bin ich damit einverstanden, 
daß man die gegenwärtige Flugschrift paßiren 
laßen könne, den 15 Oct 1819 Grimm. 
Rommel macht auf eine doch etwa anstößige 
Stelle S. 15 aufmerksam. Danach will Voelkel 
die Schrift doch verboten wissen. Jac. Grimm 
stimmt zu und sagt weiter: 
und ist hiernach, an die Kriegersche Buchhand 
lung das nöthige Verbot erlaßen wordeR. Da 
mit Allerhöchster Hrn O H. R. Völkel münd 
lich ertheilter Bewilligung ein Siegel für die 
Censur-Comm. gestochen worden ist, so reicht 
für solche Verbote wohl die Beidrückung des 
selben hin und kann die Unterschrift erspart 
werden. 8. m. Gr. 
Eine am 22. Oktober 1819 eingereichte Schrift 
von I. Auffarth: „Bedenken über das Brau 
wesen zu Schmalkalden .... veranlaßt durch 
einen Beschluß dasiger Polizeycommission" muß 
nach Voelkels Ansicht verboten werden wegen der 
darin enthaltenen öffentlichen Rüge der Verfügung 
einer Staatsgewalt. I. Grimm schreibt unter 
Zustimmung von Rommel: 
„ich bin gleichfalls der Meinung, daß dem Vf. 
der Druck dieser Schrift zu untersagen und zu 
überlaßen sey, wenn er oder andere sich in ihren 
Rechten durch die Verfügungen der Polizei 
C— gekränkt glauben, dieses lieber im Wege 
einer offenstehenden Beschwerde bei der höheren 
Landesbehörde, als in einer Druckschrift, wo 
durch die Autorität der Polizei C— verletzt 
wird, auszuführen. 8. m. Grimm, 
hiernach unterm 6 Nov. 1819 das erfordert. an 
den etc. Auffarth erlaßen. 
Gottsched (d. i., wie oben Seite 174, Kriegs- 
rat Adolph Gottsched, Verwalter der Hof-Bib 
liothek und des Geheimen Kabinetts-Archivs zu 
Schloß Bellevue und Wilhelmshöhe, ein Neffe 
des berühmten Leipziger Professors Johann Chri 
stoph G.) macht am 13. Mai 1820 im allerh. Auf 
träge den Censor Voelkel auf die gefährliche, in 
Berlin konfiszierte Schrift aufmerksam: „Über
	        

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